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Neuer, alter Arbeitsplatz: Pfarrverbandsleiter Pater Michael in der Jakobuskapelle in Weyarn.

„Als Priester bin ich auch ein Roter Teufel“

Lederhosen, Freibier und Seelsorge: Der neue Pfarrverbandsleiter Pater Michael im Interview 

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An diesem Samstag übernimmt Pater Michael die Leitung des Pfarrverbands Weyarn. Im Interview verrät er, was sich nun ändern wird und wie er mit Freibier die Jugend in die Kirche gelockt hat.

Weyarn – In die Stiftskirche ist Pater Michael de Koninck in den vergangenen Tagen noch nicht reingekommen. Zumindest nicht alleine. Im Vorraum war Endstation. Der 46-Jährige hatte schlicht noch keinen Schlüssel. Und das ganz bewusst. Erst an diesem Samstag, wenn er offiziell die Leitung des Pfarrverbands Weyarn übernimmt, will sich der Pater die Schlüssel zur Kirche St. Peter und Paul besorgen.

Sein Zimmer in den Räumlichkeiten des Deutschen Ordens hat der gelernte Erzieher und studierte Theologe indes bereits bezogen. Sein Mitbewohner: ein achtjähriger Beagle namens Snoozle. Die Eingewöhnungszeit fiel kurz aus. Schließlich kennt Pater Michael, der zuletzt den Pfarrverband Altomünster-Sielenbach-Wollomoos leitete, die (Pfarr-)Gemeinde. Bis zum Sommer 2008 lebte er drei Jahre im Konvent, lehrte an den Grundschulen in Weyarn und Miesbach katholische Religion. Seine Rückkehr verlief aber nicht geräuschlos, was allerdings nicht an ihm lag. Er ersetzt Pater Stefan Havlik, dessen Versetzung Teile der Pfarrgemeinde verhindern wollten. Angst vor einem schweren Start hat er trotzdem nicht, sagt Pater Michael im Interview. Ein Gespräch über Veränderungen im Pfarrverband, Bier als Lockmittel für junge Kirchgänger und seinen Job als seelsorgender Gärtner.

-Pater Michael, als gebürtiger Flame und leidenschaftlicher Fußballfan: Haben Sie das Verpassen des WM-Finals der belgischen Nationalmannschaft schon verarbeitet?

(lacht) Ich habe mit dem Team natürlich mitgefiebert. In der Beziehung bin ich als Priester auch ein echter Roter Teufel(Spitzname des belgischen Nationalteams; Anm. d. Red.). Natürlich hätte ich es ihnen gegönnt, Weltmeister zu werden, aber letztlich hat die Freude über den dritten Platz überwogen.

-Auf Vereinsebene halten Sie es mit Borussia Dortmund...

...und arbeite jetzt im Hoheitsgebiet des FC Bayern (grinst).

-Eingelebt haben Sie sich aber dennoch hoffentlich ohne Probleme?

Ja klar, das meiste ist mir gewohnt, das kenne ich noch von vor zehn Jahren. Wobei sich doch einiges verändert hat durch die neuen Häuser am Klosteranger.

-Mit Ihrer Ankunft verändert sich personell einiges im Pfarrverband. Sie übernehmen die Leitung von Pater Norbert Thüx. Warum?

Pater Norbert war immer in Leitungspositionen, erst als Prior, dann als Pfarrverbandsleiter. Er möchte kürzertreten und Verwaltungsaufgaben abtreten.

-Sie sind seit sechs Wochen wieder hier. Haben Sie schon einen Eindruck vom Pfarrverband?

Nein, noch überhaupt nicht. Das wird dauern. Allein von den Äußerlichkeiten ist es aber sehr viel traditioneller als in Altomünster. Hier gehen die Leute noch in Lederhosen und Dirndl in die Kirche.

-Ein Kulturschock für jemanden, der lange in Norddeutschland gelebt hat?

Nein, ich trage ja selbst gerne Lederhosen (lacht). Und ich habe mich ja schon vor zwölf Jahren direkt wohlgefühlt.

-Was den Pfarrverband zudem ausmacht: Er ist sehr lebendig. Einige Mitglieder rebellierten gegen die Versetzung von Pater Stefan. Wie bewerten Sie das als Nachfolger?

Für Pater Stefan ist es doch wundervoll, wenn sich die Pfarrgemeinde so einsetzt. Dafür habe ich auch Verständnis. Als Ordensmann muss ich aber sagen: Wir werden alle einmal versetzt, um Neues zu erleben. Ein Ordensmann hat nie einen Wohnsitz für alle Tage.

-Befürchten Sie wiederum Anlaufschwierigkeiten?

Nein, überhaupt nicht. Da ich schon mal hier war und mich die Leute kennen, glaube ich nicht, dass es große Probleme geben wird. Klar ist aber auch: Jeder Priester ist eigen, jeder hat seine persönliche Note.

-Wie würden Sie ihre Note beschreiben?

Ich möchte eine Brücke bauen zwischen Modernität und Tradition. Mir liegen junge Familien, Kinder, Jugendliche sehr am Herzen. Ich will darum kämpfen, dass sie wieder zurückkommen in die Kirche.

-Wie gelingt der Spagat zwischen Tradition und Moderne im Alltag?

Dadurch, dass der Pfarrer nicht nur den Gottesdienst hält, sondern rausgeht, in die Kindergärten, in die Schulen. Oder dass der Pfarrer mal an der Hochzeitsfeier teilnimmt. Aber bin ich ja kein Alleinstreiter, ich habe mit Pater Norbert und Pater Damian zwei Mitbrüder.

-Sind Sie auf einer Linie?

Das gibt es im Orden nicht. Wir sind unterschiedlich, und das ist eine Bereicherung für die Gemeinden. Durch unsere Unterschiede wird es uns gelingen, viele Menschen zufrieden zu stellen. Deshalb wird es, anders als bislang, einen Wechsel bei den Gottesdiensten geben. Es ist nicht mehr ein Priester für eine Pfarrei zuständig.

-Sie wollen auf die Leute zu gehen. Pater Stefan ist beim Darchinger Pfingstfest über den Laufsteg gelaufen. Können Sie sich so etwas vorstellen?

Ob es ein Laufsteg wird, weiß ich nicht. Das sind spontane Aktion. Ich habe zum Beispiel eine Bier-Wette mit Burschenvereinen gemacht.

-Eine Bier-Wette?

Ich hatte drei Fahnenweihen anstehen. Und bis zur Weihe mussten ein halbes Jahr lang immer zehn Burschen jeden Sonntag in die Messe kommen und in der Sakristei unterschreiben. Alle drei Burschenvereine haben es geschafft, dafür gab’s je 100 Liter Bier.

-Bier als Lockmittel. Wie ist die Wette angekommen?

Es ist einigen aufgestoßen. Darf ein Priester das? Das birgt natürlich einen Konflikt. Aber ich bin offen für solche Sachen.

- Sie vergleichen ihre Arbeit als Seelsorger mit der eines Gärtners. Können Sie diesen Vergleich erklären?

Der Pfarrverband ist der Garten, für ihn wurde mir die Verantwortung übertragen. Nun müssen die Pflanzen, sie stehen für Menschen, gepflegt werden. Dabei muss dem Gärtner bewusst sein, dass die Pflege sehr unterschiedlich sind. Es gibt Pflanzen, die sind empfindlich, andere wuchern stark. Manche haben Dornen, andere harmonieren nicht.

- Sie pflegen den Garten.

Richtig, aber ich lege den Garten nicht neu an. Ich übernehme ihn. Aber der Garten wird sich verändern und hat es schon. Mit den neuen Häusern sind viele junge Familien dazu gekommen. Ich muss jetzt schauen, wo komme ich an sie ran. Ich muss aber auch schauen, was ist verwildert, wo muss ich etwas zurückschneiden.

-Und wo müssen Sie mit der Gartenschere ran?

Dafür bin ich noch zu kurz hier, um das zu bewerten. Es wird aber sicherlich Dinge geben, die immer da waren, wo wir uns die Frage stellen müssen: Muss das weiterhin so sein? Ist es nicht die Zeit, neue Wege zu gehen, neue Angebote zu finden? Ein Zeltlager etwa.

-Sie legen Wert auf die Nachwuchsarbeit. Auf was dürfen sich diejenigen einstellen, die regelmäßig in die Kirche kommen?

Regelmäßige Gottesdienstzeiten, das wünschen sich die Gläubigen. Aber auch, dass der Pfarrer da ist, wenn Seelsorge-Bedarf besteht. Und ich bin da, ich bin mit Leib und Seele Seelsorger.

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