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Magdalena Fellerer mit ihrem Gesellenstück, einer Collage-Mappe, bei der Preisverleihung in Bremen. Dort wurde die 19-Jährige vom Zentralverband Raum und Ausstattung zur Bundessiegerin gekürt. Zwar war sie die einzige Feintäschnerin im Wettbewerb, die Jury lobte jedoch ihre „herausragende Arbeit“.

„Zwei Millimeter sind bei uns ziemlich viel“

Feintäschnerei: Das fasziniert mich an diesem aussterbenden Beruf

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Magdalena Fellerer hat heuer ihre Ausbildung zur Feintäschnerin abgeschlossen. Ein Beruf, den  fast keiner mehr erlernen will. Ein Interview über feine Nähte und die Faszination am Leder-Handwerk.

Weyarn – Günstig, billig und um die ganze Welt geschifft: Leder aus China. Aus der Volksrepublik wurden im Jahr 2015 laut der Bundesanstalt für politische Bildung Lederwaren im Wert von 13 Milliarden Euro importiert. Hierzulande werden lederverarbeitende Berufe wie Sattler und Feintäschner immer seltener. Derzeit bildet laut der Agentur für Arbeit in ganz Bayern kein Betrieb mehr Feintäschner aus. Die letzte ausgebildete Feintäschnerin kommt aus Weyarn. Magdalena Fellerer (19) schloss heuer ihre Ausbildung bei Benno Marstaller in Warngau ab. Im Interview erklärt sie, was sie an ihrem Beruf so fasziniert, und verrät, ob in Sachen Handtaschen exorbitant teuer auch fachliche Perfektion bedeutet.

-Frau Fellerer, was steckt hinter dem Beruf Feintäschner?

Wir Feintäschner sind im Lederbereich zuständig für die feinen Arbeiten von Gürteln über Geldbeutel bis hin zu Aktenkoffern oder Handtaschen. Wir decken da einen ziemlich vielseitigen Bereich ab. Es ist ein sehr modischer Beruf, der aber mit viel Tradition belegt ist, weil das Handwerk schon so lange besteht.

-In Zeiten von enormen Leder-Importen: Warum haben Sie sich für die Ausbildung entschieden?

Es ist ein sehr kreativer, sehr vielseitiger Beruf. Immer wenn man denkt, man kann alles, bekommt man neues Material auf den Tisch und muss neue Lösungen suchen. Ich persönlich habe immer gesagt, ich will ins Handwerk. Und mich hat das Material an sich angesprochen. Leder ist nie gleich. Es hat verschiedene Strukturen und Eigenschaften und ist dadurch unterschiedlich zu verarbeiten.

-Was müssen Sie bei diesen verschiedenen Ausprägungen beachten?

Es gibt Leder, das hat mehr Stand. Heißt: Es ist fester. Und dann gibt es ganz weiche Leder, die sehr schnell nachgeben und sich verformen lassen. Je nachdem muss man sie bearbeiten.

-Wie läuft die Ausbildung ab?

Ein Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf der Lederkunde. Man muss wissen, wie man welches Leder verarbeitet. Dann spielt der Zuschnitt eine ganz wichtige Rolle. Wenn man sich da um ein, zwei Millimeter vertut, dann geht es sich hintenraus nicht aus. Zwei Millimeter sind bei uns ziemlich viel. Und man lernt, wie man das Leder bearbeitet. Ein großer Teil ist natürlich auch das Nähen an der Nähmaschine. Was am Anfang sehr schwierig ist. Da geht’s zwar nur gerade aus, aber auch gerade Strecken können anspruchsvoll werden (lacht).

-Wie viel Zeit fließt etwa in eine Handtasche?

Das hängt davon ab, wie aufwändig sie ist. Zwei Tage gehen in der Regel aber ziemlich schnell vorbei. Wenn man ein Muster hat und nicht alles mit der Hand rausschneiden muss, sondern stanzen kann, dann geht es schneller. Aber wenn man sich eine neue Tasche überlegt, dann ist das ein langwieriger Prozess, weil man immer wieder auf das Material eingehen muss. Auf dem Papier sieht es immer so einfach aus.

-Das hört sich alles sehr filigran an. Was muss man mitbringen, um Feintäschner werden zu können?

Ausdauer. Es ist nicht immer einfach. Man muss selbstkritisch sein und sich sagen können: Hier muss es besser werden und da geht noch mehr. Und Leidenschaft für das Material sollte man mitbringen.

-Sie sind die beste Auszubildende in der Fachrichtung Feintäschnerei. Pures Talent oder einfach reingefuchst?

Ein bisschen Talent kann man mitbringen, aber wenn man die Ausbildung über einen längeren Zeitraum macht, dann muss man viel lernen. Das hat mit dem Willen zu tun, sich zu verbessern.

-Wie würden Sie einem unschlüssigen Schul-Absolventen das Feintäschnern schmackhaft machen?

Der Beruf ist für jeden geeignet, der der genau und fein arbeitet, und der am Ende vom Tag sehen will, was er geschaffen hat.

-Ihr Lieblingsstück der vergangenen drei Jahre?

Mein Gesellenstück, eine College-Mappe. Das ist zwar nichts Besonderes in dem Sinne. Aber da steckt einfach so viel Emotion drin, weil ich mich immer daran erinnere, wie es mir in diesen 16 Stunden ergangen ist, als ich es gefertigt habe.

-Aus fachlicher Sicht: Was macht eine schöne Handtasche aus?

Eine saubere Verarbeitung, gutes Material und saubere Nähte

-Ist teuer gleich gut?

Nein, definitiv nein(lacht).

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