Ungewisses Abwarten: Kommandant Ralph Benda (l.) und erster Vorstand Fritz Würzhuber wissen nicht, wann sie die Feierlichkeiten zum großen Jubiläum nachholen können. Das hängt von der Corona-Lage ab.
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Ungewisses Abwarten: Kommandant Ralph Benda (l.) und erster Vorstand Fritz Würzhuber wissen nicht, wann sie die Feierlichkeiten zum großen Jubiläum nachholen können. Das hängt von der Corona-Lage ab.

Feuerwehr-Jubiläum

Weyarner Feuerwehr sagt Feier zu 150-Jährigem ab - Ersatztermin offen

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Die Entscheidung ist den Kameraden schwer gefallen: Die Feuerwehr Weyarn sagt die Feier zum 150-jährigen Bestehen im August 2021 wegen Corona ab. Der Ersatztermin ist noch offen.

Weyarn – Neue Zeiten, neue Technik: „Im Jahr 1904 entschloss sich die Freiwillige Feuerwehr Weyarn zum Kauf einer neuen Saug- und Druckspritze zum Preis von 1350 Mark“, heißt es in der Vereins-Chronik. „Die aus Kupfer, Messing und Schmiedeisen gefertigte Spritze erforderte zehn Mann zur Bedienung.“ Und die beiden Schläuche lieferten 250 Liter pro Minute – bei einer Wurfweite von 26 Metern. Eine Sensation. Die neue Errungenschaft kam bald zum Einsatz. Zum Beispiel, als am 14. September 1905 bei einem Großfeuer die Stallungen und das Wohnhaus eines Bauern in Ried niederbrannten. Oder als im Oktober 1906 das Anwesen des Oswaldbauers in Schmidham zerstört wurde. „Genau diese von Pferden gezogene Kutsche mit der Spritze wollten wir bei unserem Festzug mitfahren lassen“, sagt Schriftführer Markus Schlickenrieder. Doch vorerst muss das historische Gefährt im Feuerwehrhaus bleiben.

Auch finanzielles Risiko trug zur Entscheidungsfindung bei

Denn die Feuerwehr Weyarn hat in einer Vorstandssitzung einen Entschluss gefasst: Die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen im Sommer 2021 fallen wegen Corona aus. „Leider sind mit Beginn der Pandemie die Vorbereitungen immer schleppender geworden“, erklärt Schlickenrieder. „Deswegen haben wir jetzt die Konsequenzen gezogen, bevor weitere Kosten durch verstärkte Werbung oder den Kartenvorverkauf angefallen wären.“ Ein finanzielles Risiko – bedingt durch einen kurzfristigen Ausfall – hätte der Verein nicht tragen können.

Das Original: Diese historischen Saug- und Druckspritze sollte beim Festumzug mitfahren.

Planungen waren schon fortgeschritten

Dabei waren die Planungen weit fortgeschritten. Angedacht war ein mehrtägiger Feiermarathon von 5. bis 8. August mit einem Festzelt am Sportplatz. Inklusive Bieranstich, Ochsen-Essen, Wettkampf, Band und einem Festsonntag mit Kirche und Festumzug. Am Sonntag wurden um die 2000 Teilnehmer erwartet – und da diese vorwiegend aus systemrelevanten Rettungsorganisationen aus dem Landkreis gekommen wären, entschieden sich die Organisatoren erst recht gegen das Jubiläum. Auch wenn sie schon diverse Überlegungen angestellt hatten, wie das Fest mit Abstandsregeln, Barbetrieb und dem Erfassen der Daten noch wirtschaftlich durchführbar gewesen wäre.

Feuerwehr gehört zu den ältesten im Landkreis

Trotz aller Vernunft lassen sich die Gefühle nicht ausschalten. Es sei alles andere als leicht gefallen, das Fest abzublasen. „Alle haben sich so auf die Festtage gefreut“, sagt der Schriftführer. Der Ersatztermin sei noch offen. „Im nächsten Jahr wird es definitiv nicht stattfinden“, betont Schlickenrieder. Ob das Jubiläum 2022 oder 2023 nachgeholt wird, müsse man sehen. Je nachdem, wie sich die Corona-Lage entwickelt.

Neben den Miesbachern und den Holzkirchnern – die heuer ebenfalls ihr 150-Jähriges absagen mussten (wir berichteten) – gehöre Weyarn zu den ältesten Feuerwehren im Landkreis, meint Schlickenrieder. Schon seit Gründung des Weyarner Klosters wurden dessen Gebäude oft durch Brände angegriffen. Allein die Klosterkirche fiel im 17. Jahrhundert zwei Mal den Flammen zum Opfer, verrät die Chronik. Nach und nach rüstete man auf, legte Wasserreserven an. Am 20. Oktober 1871 war es dann so weit: 39 Männer gründeten die Freiwillige Feuerwehr. Wer beitreten wollte, musste mindestens 16 Jahre alt sein. Voraussetzung waren zudem „ein unbescholtener Ruf und die bürgerliche Befähigung zur Dienstleistung“.

Auch das Dorffest fiel aus

Heute zählt der Feuerwehrverein 467 Mitglieder, davon 63 aktive. „Wir haben auch eine starke Jugend“, sagt Schlickenrieder. Die Kameraden rücken zu rund 100 Einsätzen im Jahr aus, schätzt Schlickenrieder. Viele Unfälle seien dabei, und immer mehr Ersthelferversorgungen bei Notarzteinsätzen.

Die letzte große Party feierten die Weyarner Floriansjünger übrigens 1986 beim 125-Jährigen. Damals stand das Zelt auf der noch unbebauten Schlickenrieder-Wiese, dem Klosteranger. Ein Höhepunkt im Jahr ist stets das Dorffest am Feuerwehrhaus. Aber auch dieses fiel heuer Corona zum Opfer. Es gibt also viele brennende Wunden, die gelöscht werden müssen.

Lesen Sie auch über einen großen Löscheinsatz der Weyarner Feuerwehr.

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