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Rainer Lists Messbecher: Klos.

Auf diese Mess-Einheit kommen Sie nie

Geniale Methode: So spannend ist ein EM-Spiel wirklich

Weyarn – Er ist kein Trainer, kein Spieler, kein Sport-Experte - und doch: Rainer List kann genau messen, wie spannend ein EM-Spiel wirklich ist - und das ganz entspannt von Thalham aus.

Ganz Fußballdeutschland fiebert auf den heutigen Abend hin. Die Europameisterschaft geht in die entscheidende Phase – und wenn die DFB-Auswahl in Bordeaux im EM-Viertelfinale auf Italien trifft, ist das ein echter Knaller. Egal, wie es ausgeht, es wird ganz sicher jede Menge Analysen geben. Pässe, Laufwege, Torschüsse – all das kommt hinterher auf den Prüfstand.

Rainer List von den Wasserwerken München.

Doch die wahren Daten erhebt ein Mann in Thalham. Er kann genau sagen, wie spannend jede einzelne der 90 Minuten ist. Rainer List ist weder Trainer noch Sportwissenschaftler, und seine Erkenntnisse basieren nicht auf Videoanalysen des Spiels oder spieltaktischen Notizen von Beobachtern. Der Leiter der Wasserversorgung München in Thalham kann den Spielverlauf aus dem Wasserverbrauch der Münchner lesen. Bei spannenden Spielen bleibt die Fieberkurve flach und schnellt kurz nach Halbzeit- und Schlusspfiff fast senkrecht nach oben, während es bei langweiligen Partien auf mittelmäßigem Niveau eher gleichmäßig dahinplätschert.

Je spannender - desto weniger plätschert es

Die Klo-Statistik des Champions-League-Finales 2013 München gegen Dortmund.

Was da plätschert, sind die Toilettenspülungen in der Landeshauptstadt, weil keiner der Fußballfans auf dem stillen Örtchen die vielleicht spielentscheidende Szene verpassen will und den Toilettengang nach Möglichkeit so lange hinausschiebt, bis auf dem Platz nichts mehr passiert. Wie frappierend Spielverlauf und Wasserverbrauch übereinstimmen, hat List am Champions-League-Finale 2013 zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund dokumentiert. Wenn er die Radioübertragung von damals mit seiner Wasserverbrauchskurve vergleicht, sieht man deutlich, wie der Verbrauch nach unten sinkt, während der Reporter bei spannenden Szenen die Stimme erhebt.

In Berlin gibt's sogar ein Spülstudio

Ähnliche Statistiken führen alle großen deutschen Städte. In Berlin gibt es seit der WM 2014 sogar „Das aktuelle Spülstudio“, bei dem mit augenzwinkerndem Seitenblick auf den Sportschau-Klassiker am Samstagabend ein Lokalradio-Moderator mit dem Chef der Berliner Wasserbetriebe das „Wasser-Gebrauchs-Verhalten fußballaffiner Großstädter am Spültag“ analysiert.

Viel höhere Spitzen bei K.o.-Spielen in Endrunde

Erfahrungsgemäß gibt es bei K.o.-Final-Begegnungen größere Spitzen. Dass diese so ausgeprägt ausfallen, liegt auch daran, dass die Zuschauer viel Flüssigkeit konsumieren, und wo das Bier in großen Mengen fließt, muss hinterher auch mehr Wasser gelassen werden. Ein Phänomen, das auch zur Biergartensaison auftritt. „Wenn es endlich mal Sommer wird, ist größerer Verbrauch logisch“, sagt List, der gleichzeitig alle beruhigt, die sich Sorgen darüber machen, dass in Stoßzeiten das Wasser knapp werden könnte. In den Hochbehältern sprudelt genug.

Auch mit Twitter & Co. lässt sich die Spannung messen

Ähnliche Fieberkurven gibt es neuerdings auch aus der digitalen Welt. Bei Twitter etwa gibt es bei Sportereignissen vergleichbare Spitzen in der Statistik der Tweets pro Sekunde, wenn bei spannenden Szenen alles das Spielgeschehen verfolgt, um es dann kollektiv zu kommentieren.

Heidi Siefert

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