Prozessauftakt zur Messersattacke in Weyarner Asylunterkunft

„Ich bin kein Mörder“: Somalier wegen versuchten Totschlags vor Gericht

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Weyarn – Ein Streit zwischen zwei somalischen Asylbewerbern in Weyarn eskalierte am 16. Mai so sehr, dass einer der beiden mit einer Stichverletzung ins Krankenhaus kam. Jetzt wird der Fall verhandelt.

Laut Staatsanwaltschaft begann der Streit, weil der Angeklagte vom Mitbewohner verlangte, dass er seine dreckigen Straßenschuhe in der Wohnung ausziehen solle. Es sei zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen, die schließlich eskalierte: Der 20-Jährige habe ein Küchenmesser genommen und damit den Hals des anderen Mannes attackieren wollen, was dieser aber abwehren habe können. Dabei habe er Schnittverletzungen an der Hand erlitten. Der Angreifer habe jedoch nachgesetzt und und ihm einen Stich in die Brust versetzt. Nun muss sich ein 20-jähriger Somalier wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht München II verantworten.

Der angeklagte Somalier, der noch sehr jugendlich wirkt, klein und schmächtig ist, schilderte den Vorfall zu Prozessauftakt anders. „Wir waren ja zunächst befreundet“, sagte er. Doch dann habe sein Spezl „die Schwulen-Krankheit“ bekommen. Er habe dauernd seinen Po „angetätschelt“ und anzügliche Bemerkungen darüber gemacht. „Ich glaube, der muss schwul sein“, sagte er. Er habe ihm gesagt, dass er aufhören solle, „ich habe mit Männern nichts am Hut“, doch er habe nicht aufgehört. „Er hat gesagt, ich sei eh schwach.“ Eines nachts sei sein Bekannter dann nur mit der Unterhose bekleidet vor seinem Bett gestanden. Er habe „einen Schock fürs Leben“ bekommen und geschrien: „Um Gottes Willen!“

Die Vorsitzende Richterin Regina Holstein fragte ihn, warum er davon „einen Schock fürs Leben“ bekommen habe. Schließlich sei er anderes gewöhnt – er sei 18 Monate von Kopfgeldjägern in der Sahara gefangen gehalten worden und habe eine Bootsfahrt übers Mittelmeer überlebt. Die Antwort des Somaliers war eindeutig: „Schwul ist für mich schlimmer als die Bootsfahrt oder die Entführung in der Sahara.“ Schwulsein sei „der Weltuntergang“ für ihn. So etwas gebe es in Somalia nicht. „Wenn in Somalia jemand schwul ist, dann ist er einen Kopf kürzer. So was kann man nicht sein.“ Über seinen ehemaligen Spezl mutmaßt er, dass dieser „die Krankheit vielleicht in Europa bekommen hat“.

Nach den angeblichen Annäherungen soll die Stimmung getrübt gewesen sein. Der andere habe ihm das Ladekabel aus der Wand gerissen, und es sei öfter zu Schlägereien gekommen, bei denen der 20-Jährige als der Schwächere unterlegen sei. Am Tattag eskalierte die Situation. Sie seien gemeinsam im Wohnzimmer gesessen, berichtete der Angeklagte. Dort habe der andere Mann zu ihm gesagt, warum er seine dreckigen Schuhe im Wohnzimmer anhabe, außerdem habe er seine Mutter beleidigt. „Er war unverschämt.“

„Irgendwann habe ich einen Kurzschluss bekommen und habe ihn mit dem Messer attackiert“, gibt der 20-Jährige zu. Er habe ihn aber nur am Arm getroffen. Wenn er ihn hätte umbringen wollen, dann hätte er zugestochen, er habe aber nicht zugestochen. Diese Verletzung habe sich sein Kontrahent selbst zugefügt, vielleicht im Gerangel. „Ich wollte niemanden umbringen. Ich bin kein Mörder.“ Er sei wütend auf „den Herrn“, der das vorgelesen habe, sagte er – und meinte damit den Staatsanwalt.

Der 20-Jährige war nach eigenen Angaben aus Somalia geflohen, weil die Familie seiner Freundin ihm nach dem Leben trachtete. Er habe nämlich als Mitglied der untersten Kaste eine Beziehung mit einem Mädchen aus einer höheren Kaste angefangen. Das habe deren Familie gegen ihn aufgebracht. Das Ziel seiner Flucht: Deutschland. Er habe sich im Sudan mit anderen Flüchtlingen unterhalten: „Die sagten mir, Deutschland wäre das beste Land. Sie würden die Flüchtlinge aufnehmen.“ Der Prozess dauert an.

gut

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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