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Weyarn ist beliebter denn je.

Städtebau-Expertin: "Diese Gemeinde ist kein Kuhdorf"

Zuzug und jede Menge Neubauten: Darum ist Weyarn so beliebt

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Weyarn - In Weyarn entsteht derzeit Wohnraum für rund 300 Einwohner. Was bedeutet es für eine kleine Gemeinde, wenn sie so schnell wächst? Wir haben bei Städtebau- und Regionalplanungs-Expertin Sophie Wolfrum nachgefragt.

Die einen freut’s, andere haben Bedenken. Auf jeden Fall kommt mit der Bebauung des Klosterangers und der Graf-Wiese eine Veränderung auf Weyarn zu. Sophie Wolfrum, Professorin und Inhaberin des Lehrstuhls für Städtebau und Regionalplanung an der Technischen Universität (TU) München, erklärt im Interview, warum Zuzug etwas Schönes ist.

In Weyarn entsteht in den nächsten zwei Jahren Wohnraum für knapp 300 Menschen. Warum ist Weyarn für solche Neubauprojekte so attraktiv?

Sophie Wolfrum: Die Lage von Weyarn ist einfach grandios, direkt an der Autobahnausfahrt und in schönster Landschaft. Es ist ein Ort, der nah an München liegt, Teil der Metropol-Region ist. Von hier pendeln schon Leute nach München, um dort zu arbeiten. Und Weyarn ist ja nicht so ein Dorf jenseits der Berge. Es ist ein Standort, der sich wirklich gut für Wachstum anbietet.

Welcher Herausforderung stellt sich eine Gemeinde, wenn sie gleich ein ganzes neues Viertel wie den Klosteranger integrieren muss?

Sophie Wolfrum, Professorin für Städtebau und Regionalplanung.

Wolfrum: Es hängt immer davon ab, wie es geplant wird, welche Menschen dorthin ziehen und wie offen sie sich für ihre Umgebung zeigen. Die beiden Projekte in Weyarn haben den großen Vorteil, dass sie im Ortskern liegen – was wir ja immer wollen – und nicht irgendwo draußen auf der grünen Wiese. Sie bilden keine Enklave für sich alleine. Dann wäre es sicher schwierig. Wie sollten sie sich dort in eine gewachsene Dorfgemeinschaft integrieren? Aber hier liegen die beiden Neubaugebiete absolut zentral. Ich halte den damit verbundenen Zuzug für bewältigbar. Außerdem ist Weyarn kein verschlafenes Nest, das sich überrollen lässt. Hier engagieren sich die Menschen ja bereits sehr aktiv, zum Beispiel in Arbeitskreisen. Deshalb glaube ich, dass sie damit fertig werden.

Wie sehr hängt es von der Mentalität einer Gemeinde ab, ob so ein großer Zuzug gut gelingt?

Wolfrum: Als ich vor 13 Jahren nach Bayern gekommen bin, habe ich sofort von Weyarn gehört. Der frühere Bürgermeister (Michael Pelzer, Anm. d. Red.) war außerordentlich aktiv, fortschrittlich in der Ortsentwicklung und im partizipativen Verfahren. Diese Gemeinde ist kein Kuhdorf, in dem zufällig ein Bauer irgendwie auch Bürgermeister ist. Diese Gemeinde scheint eine lebendige politische Kultur zu haben, in der viel verhandelt wird. Wenn also der Bebauungsplan erstmal aufgestellt und durch den Gemeinderat gegangen ist, dann würde ich der politischen Kultur vertrauen und davon ausgehen, dass sich alle darüber auch Gedanken gemacht haben.

Liegt im Zuzug eine Chance für kleinere Orte?

Wolfrum: Ja sicher. 5000 Einwohner ist eine Mindestgröße für eine Ortschaft, damit sie funktioniert und alles hat, was man vor Ort braucht: von der Schule bis zum Bäcker und zum Supermarkt. Ein bisschen mehr Bevölkerung kann daher auch nützlich sein. Ein Ort braucht eine gewisse Größe, damit er lebendig ist. So kleine Dörfer, bei denen man alles mit dem Auto machen muss, sind nicht der Traum der Nachhaltigkeit. Der neue Supermarkt zum Beispiel entsteht hier so, das er zwar mit dem Auto angefahren werden kann, gleichzeitig ist er aber auch gut zu Fuß erreichbar. Das ist eine gute Voraussetzung.

Sind solche Neubauprojekte auch eine Weichenstellung für die Zukunft einer Gemeinde?

Wolfrum: Als Gemeinde kann man sich nicht hinstellen und sagen: Wir warten mit dem Zuzug, bis die Alten pflegebedürftig sind. Dadurch würden demographische Täler entstehen. Irgendwann gäbe es keine Kinder mehr. Deshalb ist Zuzug – meist sind es ja junge Erwachsene in der Familiengründungsphase, die solche Neubaugebiete beziehen – doch schön.

Und wenn es dann noch Einheimische sind, ist es am besten?

Wolfrum: Natürlich steigt damit die Akzeptanz. Es gibt ja viele Gemeinden im Süden von München, die nur Einheimischen-Modelle machen, die keinen Zuzug von außen haben wollen. Dass man die Kinder seiner Mitbürger bevorzugt, kann ich gut verstehen. Aber zu sagen, jemand anderes kommt uns nicht in die Gemeinde, kann ich wiederum gar nicht verstehen.

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