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Der Vater ist stolz auf sein Kind: Weyhalla-Wirt Girgl Ertl mit Weggefährten beim ersten Teil der Feiern zum Zehnjährigen. Die Reste der alten Sessionband aus der Kant’n, der Vorgängerin des Musikcafés, und Gäste kamen jetzt zum Geburtstags-Konzert zusammen.

Interview mit Wirt Girgl Ertl: „Sie hat Patina bekommen“

Das Alternativ-Biotop Musikcafé Weyhalla feiert Geburtstag

Weyarn – Die Weyhalla ist im Landkreis die einzige waschechte Musikkneipe. Hier bekommen Rock, Blues, Jazz und Weltmusik eine Bühne. Ein Interview mit Wirt Girgl Ertl (54).

In der Weyhalla wagte er einen Neuanfang, nachdem die legendäre Kant’n in Neuhaus abgerissen worden war. Die Weyhalla als „Nachfolgerin“ ist aber mehr als ein Lückenfüller: Sie ist ein echtes kleines Kulturzentrum, in dem etwa die Weyarner Kleinkunsttage über die Bühne gehen. Beide feiern 2017 Jubiläum: das Musikcafé im Januar sein zehnjähriges Bestehen, das Festival im März seine zehnte Auflage. Wir sprachen mit Ertl über die wilden ersten Jahre und die Pläne für die Zukunft.

Zehn Jahre Weyhalla – hätten Sie gedacht, dass Sie das jemals feiern können?

Ertl: Nein, wirklich nicht. Ich dachte, dass man nach zwei Jahren den Knüppel kriegt. Es hängt ja auch immer vom Interesse ab. Und es war klar, dass die Weyhalla nicht so atmosphärisch ist wie die Kant’n war. Das haben ja auch einige bemängelt.

Wie hat sich’s weiterentwickelt? Wo lagen die Schwierigkeiten, und was konnte die Weyhalla besser als die Kant’n?

Ertl: Also, als Erstes hat es in der Weyhalla schon mal nicht beim Klo reingeregnet und auch nicht auf den Stammtisch (er lacht). Die Schwierigkeit war, der Weyhalla Atmosphäre zu geben und Geduld und Zeit mitzubringen. Ich hätte natürlich alles mit Vintage-Gerümpel zustellen können und so tun als ob – aber das wollte ich nicht, und ich musste ja auch die Umbauten selbst zahlen. Und dann ging’s gleich mit dem Rauchverbot weiter. Das hat uns hohe Einbrüche beschert. Aber wir hatten hier gute Planungssicherheit. Die Gemeinde Weyarn ist sensationell, die halten uns hier sehr artgerecht – das findet man heute nicht mehr oft. Es war ein Reinwachsen, man musste Gefühl und Identität reinbringen. Die Kant’n haben wir immer mit einem zwinkernden Auge betrachtet. Die Weyhalla ist ernsthafter geworden. In die dauerhafte Betriebsamkeit muss man sich erst einfinden, da hab ich ein bissl gebraucht. Das Gute ist: Ich hatte immer Leute, die mich unterstützt haben, Freunde, Bekannte und Musiker, die immer sehr kulant waren und hier spielen wollten.

Die Weyhalla bot ja auch ganz andere Möglichkeiten als die Kant’n.

Ertl: Ich hab mir hier in Weyarn als erstes Verbündete gesucht. Da fiel ständig der Name Anschi Hacklinger. Also haben wir uns getroffen und uns gleich verstanden. Ich hab ihr dann die Räume gezeigt, und eine Woche später ist sie schon mit dem fertigen Konzept und den ersten Künstlern für die ersten Weyarner Kleinkunsttage dahergekommen. Die sind gleich ein Dauerbrenner geworden. Freddy Waizmann und Gerni Schwarz haben dann mit vielen wiefen und fantasievollen Leuten den MuKK-Verein gegründet (den Weyarner Kulturförderverein, der die Weyhalla unterstützt, Anm.d.Red). Und mit der Zeit hat die Weyhalla selbst auch Patina bekommen.

Sie hat inzwischen schon einen einzigartigen Charakter entwickelt. Ist das Kind denn ein schönes geworden?

Ertl: In des Vaters Augen ist es ein wunderbares Kind geworden. Es ist immer noch so, dass ich mich selbst weiterentwickeln kann und immer neue Facetten aufkommen. Das ruht nicht, sondern ist stetig in Bewegung. Aber es kann sich eben immer ändern, wenn man das Kneipensterben in München betrachtet. Das ist von allen möglichen Strömungen abhängig. Aber solang es geht, werd ich’s machen – zumindest noch sechs Jahre lang. Dann bin ich 60. Vielleicht werde ich dann eine Alters-WG anzetteln, aber außerhalb des Münchner Speckgürtels, denn das kann sich ja keiner mehr leisten.

Und wo geht die Reise der Weyhalla bis dahin hin?

Ertl: Ich trau’s mich schon fast nicht mehr sagen, aber wir planen immer noch – seit sechs, acht Jahren – eine Biergartenüberdachung. Das ist kompliziert, optisch und auch wegen der Statik und der Brandschutzauflagen, auch wenn wir ein Budget von der Gemeinde bekommen würden. Wenn alle Götter und Göttinnen wollen, fangen wir im Frühjahr an. Dann hätten wir eine gesicherte Biergartensituation. Wenn wir hier ein Open Air machen, es kommen 150 Leute und es fängt zu regnen an – wo tut man die hin? Ein Hacienda-Hinterhof würde das lösen.

Vorverkaufsstart für 10. Kleinkunsttage

Der Vorverkauf per E-Mail läuft bereits unter tickets@weyarner-kleinkunsttage.de. Ab 16. Januar gibt es Karten auch vorab im Dorfladen Weyarn und im Buch am Markt in Miesbach. Das Programm im Überblick: Donnerstag, 16. März: 20 Uhr Christine Prayon, bekannt als Birte Schneider aus der ZDF-heute-Show, mit „Die Diplom-Animatöse“ (Eintritt: 16 Euro, ermäßigt 13). Freitag, 17. März: 15.30 Uhr „Zwischen Rampenlicht und Lampenfieber“ Besuch hinter den Kulissen für Kinder (Unkostenbeitrag: fünf Euro); 20 Uhr „Notenlos durch die Nacht“ mit Andreas Speckmann und Bastian Pusch (Eintritt 16 Euro, ermäßigt 13). Samstag, 18. März: 20 Uhr Stefan Noelle & Band „Meinetwegen im Regen“ (16 Euro, ermäßigt 13). Sonntag, 19. März: 14.30 Uhr „Das Lustprinzip“ Schlager der 1920 bis 1940er und Moritaten (zwölf Euro, ermäßigt neun); 20 Uhr Martin Schmitt am Klavier mit „Aufbassn“ (16 Euro, ermäßigt 13).

Das war die legendäre Kant’n

Die Kant‘n im September 2005.

Für die einen war sie das Kleinkunstbiotop schlechthin im südlichen Landkreis, für andere ein „Schandfleck“: Die Kant’n am Bahnhof in Fischhausen bei Neuhaus war ebenso heiß geliebt wie verachtet. Entsprechend sorgte der – nach jahrelangem Streit gefällte – Beschluss des Schlierseer Gemeinderats, die historische, aber marode einstige Holzfällerkantine abzureißen und Platz für eine Park & Ride-Anlage zu schaffen, für Furore. Initiativen kämpften vergeblich um einen Erhalt. Die Debatte schaffte es sogar ins Fernsehen, beim Magazin „quer“. Dem alternativen Kulturbiotop trauern nicht wenige noch heute nach, schließlich hatte die Kant’n eine ganze Bandgeneration im Landkreis beflügelt und der Szene eine Adresse gegeben. Nach Matthias Isenmann und Wirt Peter Stockner hatte Girgl Ertl das Lokal 2004 übernommen. Er war der letzte Pächter der Kant’n, die der Marktgemeinde Schliersee gehört hatte. Anfang Juli 2006 war sie Geschichte, die Bagger machten das Holzgebäude platt.

Weitere Termine

Das Zehnjährige der Weyhalla feiert Wirt Girgl Ertl mit Gästen auch am Samstag, 31. Dezember, ab 22 Uhr bei Gernis Silvesterparty sowie mit einem Konzert von Steep am Freitag, 13. Januar, ab 20.30 Uhr. Die Miesbacher Independent Rock- und Pop-Band hatte 2006 beim Abschiedsfest der Kant’n und im Januar 2007 bei der Eröffnung der Weyhalla gespielt. Alex Behrens und Sven Kröber sind von der damaligen Besetzung noch dabei, neu hinzu kamen Michael Kalb und Paul Ratzenböck. Als Vorband spielen die Neighbours aus Bad Tölz.

Katrin Hager

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