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Ab an die Wand: Projektleiterin Katharina Luttenberger ist Psychologin und Privatdozentin in Erlangen, in unserem Bild ist sie beim Bouldern zu sehen.

Und wie Sie an der Studie mitmachen können

Interview: Warum Bouldern gegen Depressionen hilft

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Im KletterZ in Weyarn startet im Mai eine spannende Stuide: Wie gut hilft Bouldern gegen Depressionen?, soll geklärt werden. Dass der Sport grundsätzlich viel bringt, ist schon bewiesen. 

Weyarn– Ab an die Wand: Laut einer Studie der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen hilft Bouldern gegen Depressionen. Jetzt sollen weitere Forschungen auch im Kletter- und Boulderzentrum KletterZ in Weyarn stattfinden. 

Die Projektleiterin, die Psychologin und Privatdozentin Dr. Katharina Luttenberger (33), erklärt im Gespräch, warum der Sport in der Höhe die Traurigkeit vertreiben kann und auf was sich Teilnehmer einstellen müssen.

Frau Luttenberger, leiden heutzutage mehr Menschen an Depressionen als früher?

Luttenberger: Das ist schwierig zu vergleichen. Auch früher gab es Menschen mit Depressionen, aber damals war die Stigmatisierung größer. Es gab allerdings vor 20 Jahren mehr Suizide als heute, auch weil man sich nun mehr darum kümmert. Fakt ist: Es ist ein großes Thema.

Was kann eine Depression auslösen?

Luttenberger: Meist ist es nicht nur ein Faktor, es gibt mehrere Ursachen. Häufige Auslöser sind Verluste, sei es der Verlust von Angehörigen oder des Arbeitsplatzes. Auch Überforderung kann ein Auslöser sein.

Sind Überforderung und Versagensängste ein Problem unserer Zeit?

Luttenberger: In unserer Gesellschaft wird viel Wert auf Leistung gelegt, viele Menschen definieren sich darüber, im Privaten sowie in der Arbeit. Viele lernen, dass sie nur liebenswert sind, wenn sie etwas leisten. Wenn das mal nicht gelingt, kann die Depression kommen.

Und Bouldern hilft gegen Depressionen?

Luttenberger: Wir wissen, dass Sport allgemein gegen Depressionen hilft. Jeder Patient, der davor gern Rennrad gefahren oder geschwommen ist, soll das unbedingt weitermachen.

Und der Rest soll an die Wand?

Luttenberger: Bouldern hat großes Potenzial. Man kann schon am Anfang schnell Erfolge sehen, das stärkt das Selbstbewusstsein. Gleichzeitig verbindet man auch im Sprachgebrauch viel mit Berg-Metaphern. Man steht vor einem „Berg Arbeit“, es gibt die Redensart „Ich muss Tritt fassen“, „Halt finden“, man muss sich „hocharbeiten“. Das geschieht beim Bouldern Griff für Griff.

Weitere Vorteile?

Luttenberger: Menschen mit Depressionen hängen oft in Grübelschleifen. Ein Nicht-Depressiver kennt das vielleicht aus Zeiten des Liebeskummers. Man denkt ständig über die Vergangenheit und Zukunft, über Gespräche nach. Die Gedanken rauben einem nachts den Schlaf, und tagsüber ist man müde. Beim Bouldern muss man sich bei jedem Schritt konzentrieren, man ist automatisch im Hier und Jetzt, lernt Achtsamkeit – und das Grübeln hört auf. Zumindest für den Moment.

Eignet sich dafür eigentlich nur das Bouldern – das seilfreie Klettern in geringer Höhe – oder auch das klassische Klettern mit Seil?

Luttenberger: Bouldern eignet sich für die Therapie besser, weil man es in der Gruppe machen kann, ohne Vorkenntnisse. Es ist sicherer, weil unten eine dicke Weichbodenmatte liegt, und man nur aus geringer Höhe herunterfallen kann. Die Verletzungsgefahr ist gering.

Gibt es nachweisbare Erfolgserlebnisse?

Luttenberger: Ergebnisse aus unserer Pilotstudie „Klettern und Stimmung“ haben gezeigt, dass Bouldern sehr positive Auswirkungen auf depressive Symptome und das Selbstwirksamkeitserleben hat.

Sie forschen in Erlangen. Wie kamen Sie auf Weyarn?

Luttenberger: Die Oh-Do-Kwan-Stiftung, die die Boulderhalle in Weyarn finanziert hat, rief mich an. Forschungsförderung ist in deren Stiftungszwecken enthalten. Die Studie wird in Weyarn, Berlin und Erlangen durchgeführt. Für Weyarn suchen wir insgesamt 90 Teilnehmer.

Auf was müssen sich die Teilnehmer einstellen?

Luttenberger: Sie sollten zu einem unserer Infoabende kommen, als Eingangstor zur Studie. Dann geben wir ihnen einen Fragebogen sowie eine Einverständniserklärung. Wer mitmachen will, wird danach am Telefon befragt, um Daten zu erheben. Die Patienten müssen keine Depressionsdiagnose vorweisen, Medikamente können weiter genommen werden. Zufällig losen wir aus, wer in welche Gruppe kommt.

Welche Gruppen?

Luttenberger: Wir vergleichen drei Gruppen. Bei einer Gruppe wird die bewährte Gruppentherapie angewandt, der Goldstandard. Bei einer zweiten wird nur die Bouldertherapie genutzt. Und bei einer dritten zunächst ein aktivierendes Bewegungsprogramm und dann das Bouldern.

Glauben Sie, dass Sie genug Freiwillige finden?

Luttenberger: Das hoffe ich, aber das Interesse ist erfahrungsgemäß groß. Die Angaben werden selbstverständlich vertraulich behandelt, ohne Namensnennung. Alle Kursleiter sind von uns geschulte Therapeuten oder Klettertrainer mit psychologischer Qualifikation.

Teilnahme an der Studie

Der zehnteilige Kurs findet einmal pro Woche, immer montags von 17 bis 19 Uhr in Weyarn statt. Die Depressionsbewältigungsgruppe im Bürgergewölbe und die Bouldertherapie im Kletter- und Boulderzentrum KletterZ. Die Teilnahme ist kostenlos. Der erste Durchgang dauert von 15. Mai bis 24. Juli. Weitere Durchgänge starten im August und im November. Vorab gibt es im Bürgergewölbe unverbindliche Infoabende, an den Montagen 27. März, 3. April, 24. April jeweils um 17 Uhr.

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