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Landen oft im Müll: Lebensmittel.

Für ein Ende der Wegwerfkultur im Landkreis

Interview: Wie eine Weyarnerin im Landkreis Foodsharing einführen will

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Anschi Hacklinger aus Weyarn ist die Lebensmittel-Verschwendung leid. Pro Kopf landen deutschlandweit knapp 82 Kilogramm an Essen im Müll. Mit Foodsharing will sie dem ein Ende setzen.

Weyarn – Pro Jahr landen in Deutschland nach Schätzungen der Umweltorganisation WWF rund 18 Millionen Kilogramm Lebensmittel im Müll. Dass jeder Einzelne etwas gegen diese Verschwendung tun kann, will das Forum Anders Wachsen beweisen. Die Gruppe setzt sich für mehr Nachhaltigkeit im Landkreis ein. Unter anderem will Initiatorin Anschi Hacklinger aus Weyarn das Foodsharing-Konzept etablieren. Im Interview spricht sie über erschreckende Zahlen, abgelaufenen Joghurt und ihre Hoffnung, dass es ihre Initiative nicht mehr braucht.

Frau Hacklinger, was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Foodsharing?

Hacklinger: Es geht darum, dass man Essen, das noch gut ist, nicht einfach wegschmeißt, sondern verteilt. Allein die jährlichen Zahlen in Deutschland: Pro Kopf schmeißen wir 82 Kilogramm Lebensmittel weg. Das ist immens. Und es ist ein enormer Ressourcenverbrauch, weil die Lebensmittel mit viel Energieaufwand hergestellt, verpackt und durch die halbe Welt transportiert werden – und dann landet doch über ein Viertel davon auf dem Müll.

Anschi Hacklinger Die 44-Jährige hat das Forum zusammen mit Monika Ziegler initiiert.

- Genau da setzt dann der Gedanke des Foodsharings an.

Hacklinger: Richtig. Das ist einfach ein sehr aktuelles Thema, das auch immer wieder erschreckt. Die Tafeln kümmern sich ja schon lange darum, dass Lebensmittel an Bedürftige weiterverteilt werden. Sie nehmen aber nur Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum nicht abgelaufen ist. Beim Foodsharing ist die oberste Priorität, Lebensmittel zu retten und weiterzuverteilen. Seit Gründung der deutschlandweiten Initiative sind das über 11 000 Tonnen.

-Die Initiative ist das eine. Wie kann jeder für sich helfen?

Hacklinger: Generell hoffen wir natürlich, dass bei den Verbrauchern irgendwann ein Umdenken einsetzt. Da kann sich jeder an die eigene Nase fassen. Das Schöne ist ja: Man kann das Thema nicht einfach so wegschieben, jeder kann bei sich anfangen.

-Wie wollen Sie das Thema Foodsharing im Landkreis in Angriff nehmen?

Hacklinger: In München gibt es schon einen Verein, der sehr gut organisiert und strukturiert ist. Wir können uns an diese Struktur anschließen und werden jetzt im Landkreis eine Gruppe bilden. Dabei geht es darum, Betriebe mit ins Boot zu holen und dort Lebensmittel abzuholen, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, die aber noch gut sind und die man noch verwenden kann.

-Gab es bereits erste Gespräche mit Betrieben?

Hacklinger: Wir brauchen erst einen Stamm von Leuten, die bereit sind, Zeit zu investieren und Lebensmittel abzuholen. Derzeit sind wir noch eine kleine Gruppe, sechs Leute, und sind auf der Suche nach Mitstreitern. Erst dann können wir auf die Betriebe zugehen. Es muss so gut organisiert sein, dass sich die Lebensmittelhändler auf uns verlassen können. Wir werden auf jeden Fall erst mal klein anfangen.

-Ist das die grundsätzliche Intention der Projektgruppe: Nicht nur nachdenken und über Ideen reden, sondern tatsächlich etwas anpacken?

Hacklinger: Das war uns von vornherein wichtig. Wir versuchen, das Reden so kurz wie möglich zu halten und ganz konkret ins Handeln zu gehen. Zumindest versuchen wir es. Es darf auch Spaß machen – und vermutlich geht auch mal was schief.

-Bei größeren Supermärkten wie Rewe und Edeka gestaltet sich die Rechtslage schwierig. Dürfen die Märkte abgelaufene Lebensmittel überhaupt weitergeben?

Hacklinger: Es gibt mittlerweile rechtliche Vereinbarungen mit jedem Betrieb, die sie von jeglicher Haftung entbinden. Zuständig und verantwortlich ist derjenige, der die Sachen abholt. Klar darf man kein angelaufenes Frischfleisch weitergeben. Aber es gibt ganz viele Molkerei-Produkte wie Joghurt oder Backwaren und Gemüse, das noch gut ist.

-Erste Supermärkte verschenken abgelaufene, aber noch essbare Produkte bereits. Ein Schritt in die richtige Richtung?

Hacklinger: Das ist wunderbar. Am besten wäre doch, wenn sich die Foodsharing-Bewegung überflüssig macht, wenn es nichts mehr zum Verteilen gäbe.

Forum Anders Wachsen

Das nächste Treffen des Forums findet heute, Donnerstag, um 19.30 in der Weyhalla statt. Neben Foodsharing stehen auch die Themen plastikfreies Einkaufen, Bildung und Mobilität auf der Agenda. Bei Fragen können sich Interessierte bei Anschi Hacklinger melden unter 01 52 / 56 38 38 28.

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