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Sind auch im Schülerverkehr unterwegs: Die Busse der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) GmbH.

„Du fährst heute nicht mit“

Busfahrer lässt Schulbub einfach am Straßenrand stehen

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Er hat eine Jahreskarte und fährt jeden Tag mit dem Bus in die Schule. Doch als David Waizmann (13) nun sein Ticket zuhause vergessen hatte, ließ ihn der Busfahrer nicht einsteigen.

Weyarn – Jeden Morgen um kurz vor halb acht steigt David Waizmann (13) am Alten Wirt in Weyarn in den Schulbus. Am vergangenen Donnerstag musste er draußen bleiben. Weil der Siebtklässler seine Fahrkarte samt Geldbeutel zuhause vergessen hatte, wollte ihn der Fahrer der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) GmbH nicht mit zur Miesbacher Realschule nehmen.

„Du fährst heute nicht mit“, habe er seinen Sohn wissen lassen – und vorsorglich auch noch seinen Kollegen im nachfolgenden Bus informiert, berichtet Davids Vater Alfred Michael Waizmann. Er kann über diesen Vorfall nur den Kopf schütteln, schließlich habe sein Sohn eine Schülerjahreskarte, die er auch problemlos am nächsten Tag hätte vorzeigen können. „Die Busfahrer kennt doch die Kinder“, sagt Waizmann. Dass sein Sohn stattdessen wieder noch Hause gehen musste, hält er für überzogen.

Peter Bartl, bei der RVO zuständig für Planung und Verkehr, kann Waizmanns Ärger nachvollziehen. Auch wenn er mit dem Fahrer noch nicht persönlich sprechen konnte: Gegen die Vorschriften gehandelt habe dieser nicht. „Laut Tarifbestimmungen muss jeder Fahrgast einen gültigen Fahrausweis vorzeigen“, erklärt Bartl.

Dass im Normalfall trotzdem kein Schüler auf der Strecke bleibt, liege an der Kulanz der Busfahrer. „Die meisten drücken ein Auge zu“, sagt Bartl. Dieses Fingerspitzengefühl – vor allem gegenüber Grundschülern – würde ihnen bei Schulungen auch vermittelt. Einen Freibrief gibt es laut Bartl deshalb aber nicht. Weil die 70 Fahrer oft auf wechselnden Routen unterwegs seien, würde man sonst irgendwann den Überblick verlieren. „Es kommt ja auch immer wieder zu Missbrauch“, erklärt Bartl.

Waizmann ärgert sich trotzdem über den Vorfall. Er musste deshalb einen beruflichen Termin verschieben und seinen Sohn mit dem Auto in die Schule fahren. Weil auch seine Frau in die Arbeit geht, hätte es aber auch noch schlimmer kommen können, meint er. Vor allem, wenn David eine Schulaufgabe hätte schreiben müssen. „Soll er dann per Anhalter in die Schule fahren?“

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