Projekt abgeschlossen: Am Weyarner Bauhof ist eine neue Lagerhalle kurz vor dem Jahreswechsel abgenommen worden.
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Projekt abgeschlossen: Am Weyarner Bauhof ist eine neue Lagerhalle kurz vor dem Jahreswechsel abgenommen worden.

Bilanz und Ausblick zum Jahreswechsel in Corona-Zeiten

Motor läuft, Navi streikt: So geht die Bürgerbeteiligungs-Gemeinde Weyarn ins Jahr 2021

  • Christine Merk
    vonChristine Merk
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Man könnte sagen, der Motor läuft rund, aber das Navi streikt: Die Gemeinde Weyarn steuert solide durchs Tagesgeschäft – was dem Bürgermeister der Mitmach-Gemeinde seit der Corona-Krise aber fehlt, ist der rege Austausch, um die Routen für die Zukunft auszutüfteln.

Weyarn – Eigentlich wäre in dieser Woche am Dreikönigstag der Neujahrsempfang der Gemeinde Weyarn auf dem Programm gestanden. Das Dankeschön an verdiente Bürger war nicht das einzige, das heuer ausfiel, auch einzelne Projekte hat die Pandemie ins Stocken gebracht. Recht viel mehr als das Tagesgeschäft sei leider oft nicht gegangen, bedauert Bürgermeister Leonhard Wöhr. Doch seine Bilanz zeigt auch: Das war gar nicht so wenig.

Bei den Bau- und Erschließungsmaßnahmen sei fast alles fertiggestellt worden, was auf der Agenda stand, berichtet Wöhr. „Da haben wir 2020 richtig Gas gegeben, auch um den verminderten Mehrwertsteuersatz im zweiten Halbjahr zu nutzen.“ Noch kurz vor Jahresende wurden die neue Lagerhalle am Bauhof und die Außenanlage am Klosteranger abgenommen. Weitere abgeschlossene Projekte seien in Weyarn die Erschließung des Gewerbegebiets Am Weiglfeld, wo aktuell die Hochbauarbeiten der sich ansiedelnden Firmen im Gange sind, und die Sanierung der Raiffeisenstraße sowie in Bruck die Verlegung der Wasserleitungen. Beim Umbau im Rathaus seien die Gewerke zu 95 Prozent fertiggestellt. Wöhr zeigt sich damit durchaus zufrieden: „Es hat zwar wegen Corona auch bei einigen Firmen Einschränkungen gegeben, aber im Großen und Ganzen ist es gut gelaufen.“

Weniger zufrieden ist er mit dem, was über das Tagesgeschäft im Rathaus hinaus vorwärtskommen sollte. „Konzeptionelle und strategische Entscheidungen, für die man sich persönlich zusammensetzen muss oder eine größere Anzahl an Personen notwendig ist – diese Dinge stocken einfach“, sagt Wöhr mit Bedauern. „Da fahren wir weiterhin auf Sicht.“

So wäre der Bürgermeister gern mit dem neuen Gemeinderat in Klausur gegangen. „Wir haben acht neue Gemeinderäte im Gremium, das sind 50 Prozent. Die sind alle sehr engagiert und wollen etwas bewegen.“ Doch dazu bräuchte man grundsätzliche strategische Festlegungen, und die setzen voraus, dass sich die Gemeinderäte abseits der laufenden Aufgaben intensiv mit bestimmten Themen auseinandersetzen können. Doch das war nach der Kommunalwahl nicht mehr möglich. „Ich hoffe, dass das 2021 besser wird, denn das vermisse ich sehr“, sagt Wöhr.

So hätte etwa der Leitbildprozess schon abgeschlossen werden sollen. Doch nach der Bürgerwerkstatt, die im Januar noch stattfinden konnte, hat Corona vieles verzögert oder gar verhindert. Die Auswertung der Ergebnisse aus der Bürgerwerkstatt stockte, deren öffentliche Präsentation konnte gar nicht mehr stattfinden.

Die Definition eines neuen Leitbilds für Weyarn ist also eines der Projekte, die für das neue Jahr auf der Agenda stehen. Wöhr nennt außerdem das Thema „ortsnahe Pflege“, bei dem der Arbeitskreis Altersplanung bereits mit einer Umfrage in Vorarbeit gegangen ist. Sprich: Wo können Senioren ihren Ruhestand verbringen, wenn sie nicht mehr alleine wohnen können und wollen, aber gerne in der Gemeinde bleiben möchten? Wohnraum für Einheimische – gleich welches Alters – ist ebenfalls ein Thema. Soll die Gemeinde selbst in den Wohnungsbau einsteigen? Und wenn ja, in welcher Form? Der Preisdruck aus München schlage sich zunehmend aufs Umland nieder, stellt Wöhr fest. „Das macht uns hier im Landkreis große Sorgen.“

Weitere Planungen fordert außerdem die Kinderbetreuung. Ein Dauerthema, dem die Kommunen ständig hinterherlaufen, so Wöhr. Er möchte auch gerne eine Lösung für den Mangfallsteg finden – und natürlich eine Möglichkeit, außerhalb der „Tagesgeschäfte“ mit dem Gemeinderat zusammenzukommen. Denn viele dieser Themen verlangen strategische Entscheidungen – damit das Navi der Gemeinde wieder die richtigen Routen anzeigen kann.

Der Jahreswechsel

ist Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und nach vorne zu schauen. Was war trotz Corona möglich, was musste warten und wird nachgeholt? Wir haben uns in den Rathäusern umgehört.

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