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Der Fentberg in Weyarn

Lärmaktionsplan in Weyarn 

Kein Platz mehr für Ruhe

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Weyarn - Die Gemeinde Weyarn ist fast nur noch eine einzige Schutzzone. Eine weitere einzurichten, lehnte der Gemeinderat jetzt ab. Für Bürgermeister Leonhard Wöhr mit gutem Grund.

 Leise muss es sein, nahezu ruhig. Ohne lärmende Geräusche von irgendwo. Bürokratisch ausgedrückt: Der Geräuschpegel darf den Grenzwert von 40 Dezibel nicht überschreiten. Erst dann qualifiziert sich ein Gebiet als ruhige Zone nach dem sogenannten Lärmaktionsplan. Diesen stellt die Regierung von Oberbayern auf. Ziel ist es, den Umgebungslärm zu verringern. 

Nun war es an Weyarn sich mit dem Geräuschpegel zwischen Mangfall und Leitzach auseinanderzusetzen, gegebenenfalls eine ruhige Zone auszuweisen und an die Regierung von Oberbayern zu melden. Der Gemeinderat lehnte dies jetzt einstimmig ab. 

Grund dafür ist die Infrastruktur der Gemeinde mit Autobahn, Eisenbahnlinie, Staatsstraße und etlichen Kreisstraßen. „Was bleibt da noch übrig?“, fragt Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU). Zudem sind bereits mehr als 30 Prozent des Gemeindegebiets als Schutzzone ausgewiesen: Wasserschutzzone, gesetzlich geschützte Biotope, Landschaftsschutzgebiete, Bodendenkmalsfläche sowie so genannte FFH- und Vogelschutzgebiete. Das alles auf 47 Quadratkilometern. „Wir hätten über drei oder vier andere noch eins drüber legen können.“ In einem Schutzgebiet dürfe ohnehin nichts passieren, da verschlechtere sich auch der Lärm nicht, so der Rathaus-Chef. Zudem verpflichtet eine ruhige Zone. Die Entwicklungsmöglichkeiten sind gering. Da die Regierung von Oberbayern aber zuvor angedeutet hatte, dass es nicht zwingend sei, dass Weyarn eine ruhige Zone ausweist, habe die Gemeinde dies auch nicht getan. „Wir sind bereits gut bedacht mit unserer breiten Sammlung“, so Wöhr. 

Etwas unglücklich mit der großen Schutzwürdigkeit in seiner Gemeinde ist Wöhr schon. Vor allem: Die meisten Gebiete seien ihr von den Nachbargemeinden aufgezwungen worden, wie der Wasserschutz im Nordosten (Feldkirchen-Westerham) und im Südwesten (Miesbach). Einzig der Landschaftsschutz an der Leitzach im Osten an der Gemeindegrenze war von den Bürgern selbst gewollt. 

Zudem hat Weyarn schon so seine Erfahrung mit Schutzzonen gemacht. Erst im Oktober des vergangenen Jahres traf sich der Bürgermeister, wie berichtet, mit dem Landratsamt vor dem Verwaltungsgericht München. Die Behörde hatte ein 600 Quadratmeter großes Grundstück in Wattersdorf aus dem neuen Flächennutzungsplan gestrichen. Der Grund: Es liegt im Landschaftsschutzgebiet. Die Gemeinde hatte die Klage schließlich zurückgezogen, weil sie keine Aussicht auf Erfolg hatte. 

Der Bürgermeister möchte sich aber nicht falsch verstanden wissen. Er halte den Schutz der Umwelt für gut, wisse ihn zu schätzen und sei sich der Verantwortung bewusst, ihn auch einzuhalten. „Aber wir brauchen noch Luft zum Schnaufen.“ Und die sei gerade bei den Entwicklungschancen der Gemeinde recht dünn. Es stünden kaum Flächen zur Verfügung, um neue Gewerbebetriebe anzusiedeln. Dabei ist die Haupteinnahmequelle die Einkommensteuer, bei der Gewerbesteuer kommt Weyarn gerade mal auf 66 Prozent des bayerischen Landesdurchschnitts. Derzeit gibt es im Gemeindegebiet 422 Unternehmen, darunter 75 Handwerks-Betriebe „Wir bekommen nicht mehr Geld dafür, dass wir etwas für die Umwelt tun“, sagt Wöhr zähneknirschend. Dabei habe er eine „Mords-Infrastruktur“ zu unterhalten mit all den vielen Straßen, die seine Gemeinde erschließen, insgesamt rund 49 Kilometer. „Wir sind auf regelmäßige Einnahmen angewiesen.“ 

Deshalb setzt der Rathaus-Chef auf den Breitbandausbau, der in diesem Jahr kommen soll. Dadurch erhofft er sich, „umweltfreundliches Gewerbe“ anzulocken, das nicht auf eine allumfassende Infrastruktur angewiesen ist – das heißt Unternehmen, die vor allem Büros brauchen. Außerdem hält die Gemeinde an ihrem dezentralen Gewerbekonzept fest. Mit dem will sie dazu beitragen, dass sich in allen Ortsteilen Gewerbe ansiedeln kann und es nicht nur eine zentrale Fläche gibt.

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