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Vier Chronisten und ihr Werk: Sieben Bände sind unter der Regie von (v.l.) Katja Klee, Josef Hatzl, Jan Marbach und Leonhard Wöhr erschienen. Einige Exemplare sind schon vollends ausverkauft, andere noch zu haben.

Die Historie einer Chronik

Kleine Gemeinde mit viel Geschichte: So kam es, dass Weyarn sieben Chronik-Bände hat

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Mit 3700 Einwohnern zählt Weyarn zu den kleinsten Gemeinden im Landkreis. Dennoch strotzt sie nur so vor Geschichte. Ein Beleg: Die Chronik umfasst sieben Bände, bald acht. So kam es dazu.

Weyarn – Der Plan war ursprünglich ja ein anderer, damals Mitte der 90er. „Wir wollten eigentlich eine einzige Chronik herausbringen“, erinnert sich Bürgermeister Leonhard Wöhr. Je intensiver er und seine Mitstreiter sich aber mit der Ortsgeschichte befassten, desto mehr Material häufte sich an. So viel, dass sie letztlich darin versanken. „Wir haben recht schnell festgestellt, wie vielfältig unsere Geschichte ist“, sagt Wöhr. Es reifte der Entschluss, statt einer mehrere, themenbezogene Bände zu verfassen. Dass es so viele werden, wie es heute sind, damit hatte damals wohl niemand gerechnet.

Das Resultat liegt nun auf dem Tisch im Büro von Bürgermeister Wöhr: sieben Bände in blauem Leineneinband, von der ersten bis zur letzten Seite gefüllt mit Weyarner Geschichte. Von den Anfängen des Klosters über die Weltkriegsjahre bis zur Dorfentwicklung um die Jahrtausendwende. Über die schweren Bücher gebeugt sitzen der Rathauschef, Katja Klee, Jan Marbach und Josef Hatzl. Die Vier sind die treibende Kraft hinter der Chronik. Kommen sie auf ein Unterkapitel zu sprechen, blättern sie zielsicher durch den jeweiligen Band. Sie springen hin und her, zwischen Räterepublik und Keltensiedlung, zwischen Augustinermönchen und Adolf Hitler. Ein anderthalbstündiger Streifzug durch Weyarns Historie, und ja, auch durch die Historie der Chronik selbst.

Sieben Bände sind seit 2002 erschienen, je in einer Auflage von 1000 Exemplaren. Um das einmal ins Verhältnis zu setzen: Die Gemeinde Weyarn zählt 3700 und ein paar Einwohner, verteilt auf 21 Ortsteile. Sie rangiert im landkreisweiten Einwohnervergleich auf Platz fünf. Aber: „Keine Gemeinde hat seine Geschichte so detailliert aufgearbeitet wie wir“, sagt Hatzl, Vorsitzender des Fördervereins Kultur und Geschichte. Wenn er das sagt, dann klingt er stolz. Stolz, weil er weiß, dass es keine Auftragswerke sind. „Das sind Chroniken, geschrieben von Weyarner Bürgern“, betont Wöhr. „Es ist ein riesiges Gemeinschaftswerk.“

Das redaktionelle Team setzte sich je nach Ausgabe aus bis zu zwölf Autoren zusammen. Die Besetzung variierte, abhängig davon, wer sich für was interessiert. Neben ihren ortsgeschichtevernarrten Mitstreitern spannten Hatzl und Co. auch die örtlichen Vereine und ihre Archive ein. Die Wasserbeschaffungsverbände beteiligten sich an Band IV („Wasser und Natur“), die Veteranenvereine an den Bänden V und VI, den Weltkriegsausgaben. Sie haben die jeweiligen Themen ausgesucht, aufgearbeitet und aufbereitet. Fachlich angeleitet von der Gemeinde in Person von Katja Klee, die in Geschichte promoviert hat und heute das Mitmachamt betreut.

Den Anfang im Jahr 2002 machten „Die Augustiner Chorherren an der Mangfall“. Die Initialzündung fiel vier Jahre eher. Es war ein vergleichsweise einfacher Bild-Band, veröffentlicht aus einem Zweck: „Wir mussten die Bürger animieren, uns Material zu schicken“, erzählt Hatzl, „wir haben ja bei null angefangen.“ Der Aufruf hatte den erhofften Erfolg: ein reichhaltiger Fundus an Dokumenten, Fotos und Ideen. Es zeigte sich: Die Geschichten, sie schlummern irgendwo da draußen. Man muss nur hartnäckig genug graben.

Eine gewisse Hartnäckigkeit zeichnet einen Chronisten aus, gerade in der Quellenarbeit. Zeitzeugen interviewen zu können, wie Jan Marbach zum Weyarn während des Zweiten Weltkriegs, blieb die Ausnahme. Klee wühlte sich durch einen Packen Feldpost, während Hatzl das Kriegsstammrollen-Archiv durchforstete, um den Weg und Schicksale der Weyarner Soldaten im Ersten Weltkrieg aufzudecken. „Auf den Denkmälern stehen Namen, aber Namen vergisst man schnell“, sagt Hatzl, einst selbst Schriftführer im Veteranenverein: „Ich wollte ihnen ein Gesicht, eine Geschichte geben.“ Sie bekamen es, in Band VI.

Für Band acht ist die Recherche beinahe abgeschlossen. Er widmet sich der einstigen Klosterbibliothek, die „in ihrer Blüte“ im Zuge der Säkularisierung aufgelöst wurde. Erscheinen soll er kommendes Jahr vor Weihnachten. Er wird nicht der letzte sein. An Ideen, verrät Wöhr, mangelt es nicht. Auch wenn der Plan ja ein anderer war.

fp

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