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Zu Stoßzeiten ein Auto am anderen: Das Verkehrsaufkommen auf der A 8 bei Weyarn wurde bei der Planung des sechsspurigen Ausbaus Ende der 70er-Jahre unterschätzt. Statt wie prognostiziert 34 000 Fahrzeugen pro Tag donnern mehr als doppelt so viele an Weyarn vorbei. 

Planfeststellungsverfahren für Weyarn und Teile Irschenbergs startet

Lärmschutz an der A8: Jetzt geht‘s an die Genehmigung

Lange haben lärmgeplagte Anwohner entlang der Autobahn in der Gemeinde Weyarn und Teilen Irschenbergs auf diese Nachricht gewartet: Das Planfeststellungsverfahren für den Lärmschutz entlang der A 8 beginnt.

Weyarn – Die Autobahndirektion Südbayern, die die Lärmschutzmaßnahmen plant und umsetzt, hat die Unterlagen für das Projekt in Weyarn und einem nordwestlichen Teil Irschenbergs bei der Regierung von Oberbayern eingereicht, die jetzt den Startschuss für das Verfahren gab, das Baurecht schaffen soll. 

Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr ist erleichtert: „Ich bin froh, dass die Planung jetzt die Reife erreicht hat, damit das Verfahren durchgeführt werden kann.“

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Das Lärmschutzpaket sieht eine bis zu 8,50 Meter hohe Kombination aus Lärmschutzwall und -wand südlich der Autobahn vor: bei Weyarn auf 1,35 Kilometern Länge, bei Großseeham auf 1,6 Kilometern. Das Bollwerk gegen den Lärm, das die Autobahndirektion bereits Anfang 2017 den Bürgern vorgestellt hatte, sollte dieses Stadium eigentlich schon Mitte vergangenen Jahres erreichen. Doch dann kam die Zauneidechse dazwischen – und nicht nur die, wie aus den Planfeststellungsunterlagen hervorgeht: Mit der Haselmaus wurde eine weitere geschützte Tierart im Bereich der Anschlussstelle Weyarn entdeckt, wo auch ein Teil der Wall-Wand-Kombination gebaut werden soll. Der Artenschutz erforderte eine Umplanung – was den Fortschritt verzögerte.

Inzwischen haben sich Autobahndirektion und Naturschutz auf eine Lösung verständigt, erläutert Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern, auf Nachfrage. Die Bestände werden minimal umgesiedelt. Ein Regenrückhaltebecken wird um wenige Meter nach Westen verschoben, um nicht mehr direkt im Lebensraum der geschützten Arten zu liegen. Die Lärmschutz-Wall-Wand-Kombination im Osten des Lebensraumes kann indes nicht versetzt werden. Hier sollen die Tiere zunächst vergrämt werden, um sie zum freiwilligen Umzug auf das Gelände weiter westlich zu bewegen. Funktioniert das nicht, werden die Tiere eingefangen und etwa 40 Meter umgesetzt. Mehrkosten für das auf etwa neun Millionen Euro geschätzte Projekt entstehen dadurch nicht. „Aber Arten- und Naturschutz kostet in solchen Verfahren eben Zeit“, erklärt Seebacher.

In der Sitzung am morgigen Donnerstag will der Rathauschef den Gemeinderat informieren. Die Fraktionen sollen sich dann Gedanken über die Stellungnahme der Gemeinde Gedanken machen, die der Gemeinderat in der Sitzung am 8. November beschließen soll, um diese bis zum Ende der Einwendungsfrist am 29. November bei der Regierung von Oberbayern einreichen zu können. Auch Weyarner Bürger können bis dahin Einwendungen geltend machen.

Wöhr geht davon aus, dass Betroffene etwa aus Fentbach und Ried, denen die Autobahndirektion bislang nur passiven statt aktiven Lärmschutz nachrüsten will, sich zu Wort melden – schließlich schützen Lärmschutzfenster nicht vor dem Lärm im Garten. Der Gemeinderat sei bisher immer hinter ihren Forderungen gestanden, so Wöhr. „Ich will das Verfahren aber auch nicht soweit verzögern, dass man die Pläne nochmal auslegen muss“, warnt der Bürgermeister. „Es soll jetzt schon auch mal was passieren.“ Dass der Lärmschutz nachgerüstet werden muss, weil der Verkehr nach dem sechsspurigen Ausbau der A 8 ab 1979 viel stärker als von den Behörden prognostiziert zugenommen hat, steht seit Jahren fest. Für 76 Anwesen, die damals bereits standen, greift der Anspruch.

Die Gemeinde Weyarn hat die Planfeststellungsunterlagen samt Grunderwerbsplänen auf ihrer Homepage unter „Bekanntmachungen“ bereits verlinkt. Die Pläne auf Papier werden im Rathaus von Montag, 15. Oktober 2018, bis 15. November 2018 ausgelegt.

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In Irschenberg hat die Auslegung am Dienstag begonnen; in der Gemeinde greift die Maßnahme für die Ortsteile Brandlberg, Bäck, Brandstätt und Graßau. Die Pläne sind auf Papier bis 9. November 2018 im Rathaus einsehbar, online auf der Seite der Regierung von Oberbayern. Die Einwendungsfrist für Irschenberg endet am 23. November 2018.

Katrin Hager

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