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Das Bollwerk soll südlich der Autobahn (oberhalb der A 8) entstehen, unter anderem im Bereich der Anschlussstelle Weyarn in Fahrtrichtung Salzburg. Auch bei Großseeham ist eine Wall-Wand-Kombination geplant. 

Infoabend 

Lärmschutz: Geplantes Bollwerk bewegt Bürger

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Die Planung für den Lärmschutz an der A 8 bei Weyarn hat die Autobahndirektion jetzt bei einem Infoabend vorgestellt. Den Bürger stellten sich viele Fragen.

Weyarn– Es ist kalt im Saal, einige Gäste sitzen in Jacke da, trinken Tee. Doch das Thema ist heiß: Es dreht sich um den Lärmschutz an der A 8. Bevor es losgeht, stehen Bürger vor den Karten, diskutieren. Schließlich tritt Bürgermeister Leonhard Wöhr ans Rednerpult. „Ich bin froh, dass die Autobahndirektion im Vorfeld zum Planfeststellungsverfahren die Bürger aus erster Hand informiert“, sagt er. Die Planung sei frisch, „so brandheiß, wie man sich nur denken kann“.

Die Pläne stellten (l. Bild) Martina Kamischke (v.l.), Gilbert Peiker und Sophie Serbiné von der Autobahndirektion jetzt bei einer Bürgerversammlung vor.

Bei einer Bürgerversammlung im Landgasthof Neukirchen haben Gilbert Peiker, Leiter der Abteilung Planung und Bau der Autobahndirektion Südbayern, sowie seine Kollegen Martina Kamischke, Jürgen Dietz und Sophie Serbiné jetzt die Pläne zum Lärmschutz im Gemeindebereich Weyarn und für einen Teil im Gemeindebereich Irschenberg (Leitzachsenke) vorgestellt. Über 60 Gäste hörten zu.

Peiker erklärte, dass im Bundesverkehrswegeplan 2030 der achtspurige Ausbau der A 8 vom Autobahnkreuz München-Süd bis zum Autobahndreieck Inntal im vordringlichen Bedarf stehe. Dann könnte die Lärmsituation neu geprüft werden, eventuell würde ein neuer Anspruch entstehen. Bis zur Realisierung des Ausbaus werde noch „viel Wasser die Mangfall runterfließen“. So lange wolle die Autobahndirektion mit dem jetzigen Bollwerk nicht warten. Der Planfeststellungsantrag für den Lärmschutz soll im Sommer erfolgen. Von da ab dauere es mindestens eineinhalb Jahre.

Laut Serbiné handelt es sich hier um nachträgliche Lärmvorsorge – dank eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts von 2007 gilt ein Rechtsanspruch auf Nachbesserung. Denn beim sechsspurigen Ausbau der A 8 in den 70ern hatten die Behörden das Verkehrsaufkommen unterschätzt. So ging man damals zum Beispiel bis zum Jahr 2000 von rund 34 000 Kfz pro Tag aus. Tatsächlich waren es dann über 76 000. An insgesamt 76 Gebäuden bestehe nun ein Anspruch auf nachträgliche Lärmvorsorge. Der geplante Lärmschutz bringe eine Reduzierung von bis zu 9,5 dB (A) in der Nacht. An anspruchsberechtigten Gebäuden, an denen trotz der aktiven Maßnahmen wie Wände und Wälle Grenzwerte überschritten werden, bestehe ein Anspruch auf passive Maßnahmen wie Lärmschutzfenster. Im Hauptort Weyarn seien 28 Anwesen anspruchsberechtigt, in Erlach und Standkirchen acht, in Öd, Bach, Bruck und Ried acht, in Großseeham 26 und im Bereich Irschenberg mit den Ortsteilen Brandlberg, Bäck, Brandstätt, und Graßau sechs. Allerdings werden mit den Maßnahmen nur bei insgesamt 52 Anwesen die Grenzwerte eingehalten. Bei den restlichen werde es zwar leiser, aber nicht genug – diese bekommen einen passiven Schutz. An 151 Gebäuden, an denen es jetzt Überschreitungen gibt, werden dann die Grenzwerte mit den Maßnahmen eingehalten.

Und so sieht das Bollwerk südlich der A 8 aus: In Weyarn wird es 1,35 Kilometer lang, in Großseeham 1,6 Kilometer. Es handelt sich um Wall-Wandkombinationen, bis zu 8,50 Meter hoch. Dort, wo bei Seeham bereits ein Schutz bestehe, werden die Anlagen neu gebaut. Hinzu kommt ein Flüsterfahrbahnbelag zwischen Mangfallbrücke und Leitzachsenke. Die Kosten betragen circa 9 Millionen Euro, der Bund zahlt.

Dann eröffnete Wöhr die Fragerunde, viele Bürger meldeten sich zu Wort. Zum Beispiel hatte einer Angst, dass der Schutz den Lärm auf Häuser nördlich der A 8 reflektiert. Laut Peiker ist die Anlage hochabsorbierend. „Es wird nirgends lauter, überall leiser.“ Sorgen bereiteten die Lücke zwischen Ried und Großseeham und Bereiche jenseits der Anlage. Peiker zufolge kann man nur dort eine Anlage bauen, wo Gebäude sind und Grenzwerte überschritten werden. Auch die Frage nach der Grundabtretung beschäftigte einige. „Wir enteignen so gut wie nie. Irgendwann einigt man sich immer“, so Peiker. Ein Bürger wollte wissen, was passiere, wenn die jetzigen Prognosen nicht stimmen. „So verhauen wie in den 70er Jahren tun wir uns nicht mehr“, sagte Peiker. Ob bei einem A 8-Ausbau der Schutz verrückt werden müsse, wollte jemand wissen. Kamischke verneinte. Zum Schluss kam die Frage auf, ob Betroffene den passiven Schutz beantragen müssen. „Wir gehen auf Eigentümer zu“, sagte Peiker. Auch wenn nicht alle zu 100 Prozent zufrieden seien: Entlastung ist unser Ziel.“ So schnell wie möglich.

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