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Interview

Mehrgenerationenwohnen in Weyarn: „Der Wunsch muss aus dem Haus kommen“

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Am Klosteranger entstehen heuer die letzten Mehrgenerationen-Häuser. Ob der soziale Gedanke, der hinter dem Bauprojekt steckt, inzwischen Fuß fast, verrät Betty Mehrer im Interview.

Weyarn – Das Bauprojekt „Mehrgenerationenwohnen am Klosteranger“ in Weyarn biegt auf die Zielgerade ein. Im Frühjahr startet der zweite und finale Bauabschnitt. Zwei Mehrfamilienhäuser à zehn Wohnungen baut die Immobilien-Firma Quest im Norden des Baugebiets. Wie bisher können sich Weyarner Bürger vorab Wohnraum sichern. Heute startet die vierwöchige „exklusive Vorreservierungsfrist“. Das Angebot sei bislang immer recht gut angenommen worden, teilt eine Quest-Mitarbeiterin auf Anfrage mit.

Ob der angedachte soziale Gedanke innerhalb der Häuser, die Wohn-Symbiose aus Jung und Alt, von den Bewohnern auch angenommen wird, daran gab es zuletzt allerdings Zweifel. Wir haben bei der SPD-Fraktionsvorsitzenden Betty Mehrer nachgefragt, die das Projekt begleitet.

-Frau Mehrer, nachdem die Umsetzung des Konzepts hinterfragt wurde, sagten Sie, es brauche Zeit, bis sich der Gedanke entfalte. Hat er das inzwischen?

Wir hatten im Februar eine Informationsveranstaltung für die Bewohner der bisher bezogenen Häuser. Es waren 32 Teilnehmer da, was ja ein gewisses Interesse zeigt. Wir haben die Idee den Menschen noch mal nahegebracht. Viele haben gesagt: Das wussten wir ja gar nicht. Die anderen haben gesagt: Genau deswegen sind wir hier eingezogen. Eine gute Mischung.

- Welche Erfahrungen haben die Bewohner denn bislang gemacht?

Die ersten beiden Häuser sind im August bezogen worden. Dort ist inzwischen relativ viel passiert. Von einem der Häuser waren nahezu alle Bewohner da. Die hinteren Häuser sind noch sehr mit Einziehen beschäftigt. Teils sind die Küchen noch gar nicht da. Die haben sich noch gar nicht eingelebt. Für viele war der Info-Abend aber der Startpunkt, zu sagen: Wir machen jetzt was.

-Gibt es konkrete Pläne?

Es wurde einiges geplant. Ein Grillfest im Frühjahr etwa, um sich kennenzulernen. Und eine ältere Dame hat bald Geburtstag, und ihre Tochter will im Gemeinschaftsraum einen Sektempfang organisieren, zu dem die Hausbewohner eingeladen sind.

-Was sagen Sie zu der Kritik, es laufe zu schleppend an?

Ein konkreter Hilfebedarf ist derzeit noch nicht da. Die Personen, die momentan dort wohnen – mit Ausnahme der über 90-jährigen Dame –, sind alle noch in einem rüstigen Alter beziehungsweise jung und in der Lage, sich selbst zu organisieren.

-Der soziale Gedanke etabliert sich somit erst in den kommenden Jahren?

Genau, wenn sich die Bewohner eingelebt haben. Mehrgenerationenwohnen ist nichts, was kurzfristig geht. Man hat verschiedene Stufen. Die erste ist das Kennenlernen, das Vertrauen fassen.

-Und diese Kennenlernphase ist demnach noch voll im Gange.

Ja. Da habe ich das Gefühl, das wollen die Leute selber machen. Sie ergreifen die Initiative, planen selber etwas. Sie sitzen nicht da und warten, bis von der Gemeinde etwas kommt.

-Was kann die Gemeinde dennoch von außen tun, um die ersten Funken zu entfachen?

Die Gemeinde hat ja mit Frau Ute Haury eine Gemeinwesenarbeiterin angestellt, die Unterstützungsmöglichkeiten für alle Bürger im Ort organisiert. Und damit auch für die Menschen, die am Klosteranger wohnen und es brauchen. Bislang ist es eben nur die ältere Dame. Aber die bekommt Unterstützung. Sie wird abgeholt zum Kaffeetrinken, zum Essen oder für Ausflüge. Auf Wunsch der Bewohner wird die Gemeinde künftig in unregelmäßigen Abständen Treffen organisieren. Wir müssen darauf achten, dass die Menschen selbst aktiv werden können, und nicht denken, die Gemeinde sorgt für alles. Sonst funktioniert es nicht.

-Ein Antrieb aus den Häusern heraus sozusagen.

Der Wunsch muss aus dem Haus kommen. Die Idee ist rübergekommen. Jetzt muss sie im Haus wachsen, es muss eine Vertrautheit entstehen. Die Bewohner müssen den Mut entwickeln, zu sagen: Ich bin krank und brauche Hilfe. Ich weiß, dass das bei den ersten Häusern, die gebaut wurden, schon funktioniert.

Das Gespräch führte
Florian Prommer.

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