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Hier leben multiresistente Keime: Seehamer See.

Krankenhaus und Landwirtschaft

Multiresistente Keime in Seehamer See entdeckt: Da kommen sie her

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Multiresistente Keime sind deutschlandweit jährlich für 15.000 Todesfälle verantwortlich. Im Seehamer See gibt es sie auch. Woher sie kommen und ob man trotzdem noch baden kann:

Weyarn – In Südbayern gibt es nur zwei Seen, in denen multiresistente Keime gefunden wurden. Einer davon ist der Seehamer See (wir berichteten). Doch woher kommen die Keime? Was kann man gegen sie tun? Und lohnt sich der Aufwand? Auf diese Fragen hat Paul Kröfges vom Bundesarbeitskreis Wasser des Bunds für Umwelt und Naturschutz überraschende Antworten. Kröfges ist beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Experte für multiresistente Keime und hat derzeit bei der Ruhr Uni Bochum eine Untersuchungsreihe in Auftrag gegeben, in der “fast überall Keime“ gefunden wurden. Erste letzte Woche stand er dem WDR Rede und Antwort, nächste Woche folgt die Veröffentlichung der Studienergebnisse.

Was fand manim Seehamer See?

Multiresistente Keime sind immun gegen mehrere Formen von Antibiotika. Die im Seehamer See gefundenen Kulturen sind resistent gegen drei von vier für die Medizin wichtigen Antibiotikaklassen. Außerdem bilden sie Enzyme, die die Wirksamkeit weiterer Antibiotika mindern oder sogar aufheben können.

Begehrter Experte: Wenn es um Keime in Gewässern geht, kennt sich kaum jemand besser aus als Paul Kröfges vom Bund für Umwelt und Naturschutz.

Kröfges erklärt: „Multiresistente Keime machen nicht schneller und nicht schwerer krank als alle anderen – nur bei der Behandlung gibt es große Schwierigkeiten.“ Gegen nicht resistente Keime helfe jedes Antibiotikum, gegen einfache resistente Keime müsse unter Umständen ein zweites Antibiotikum eingesetzt werden, wenn das erste nicht wirkt. Bei mehrfach resistenten Keimen könne es sein, dass gar keine Antibiotika wirken. „Im schlimmsten Fall stirbt der Patient.“ Etwa 15 000 derartige Todesfälle gebe es deutschlandweit jedes Jahr, schätzt Kröfges.

Lesen Sie mehr: Das sagt das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zu den Keimen

Wie kommen dieKeime in den See?

Kröfges überrascht der Fund im Seehamer See nicht. Besonders Gewässer in Gebieten mit viel Landwirtschaft, in die auch Klärwasser aus Krankenhäusern fließt, seien gefährdet. Durch die Zuleitungen aus der Schlierach, an die das Miesbacher Klärwerk angeschlossen ist, erhält auch der Seehamer See gefiltertes Wasser aus dem Krankenhaus Agatharied. Die Landwirtschaft ist in Miesbach weit verbreitet, auch ihr Wasser gelangt in den See.

Was kannman jetzt tun?

Eine Möglichkeit wäre jetzt, in der Kläranlage Miesbach Keime mit UV-Licht und Ozon abzutöten. Alfred Kölbl, Betriebsleiter des Zweckverbands zur Abwasserbeseitigung im Schlierachtal, beurteilt diesen Ansatz kritisch: „Das Wasser von allen Keimen zu befreien, ist teuer, braucht viel Platz und bringt wenig.“ Alleine durch die Behandlung mit Ozon steigen die Gesamtkosten bei der Wasseraufbereitung um 43 bis 87 Prozent, errechnete die TU Berlin.

Kröfges hält die Behandlung mit UV und Ozon zwar für grundsätzlich sinnvoll, sieht allerdings vor allem die Landwirtschaft in der Pflicht: „Zur Lösung des Problems muss man an der Quelle ansetzen.“ In der Landwirtschaft werden so viele Antibiotika eingesetzt, dass sich fast überall resistente Keime bilden. „Das ist die Hauptquelle und muss sich ändern.“ Kröfges fordert unter anderem einen Verzicht auf den Einsatz von Reserveantibiotika und eine Abkehr von der Behandlung ganzer Herden, wenn ein Tier erkrankt ist.

Kann ich nochim See baden?

Laut Kröfges kann man sicher im Seehamer See baden – trotz der Keime: „Keime sind allgegenwärtig. Wenn wir in Seeham vom Baden abraten, müssten wir es überall tun.“ Außerdem gelte: „Multiresistente Keime sind nur gefährlich, wenn viele Faktoren zusammenkommen.“ Für gesunde Menschen mit einem starken Immunsystem bestehe kein Risiko, selbst für gesunde Babys nicht.

Anfällig seien Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Haben sie auch offene Wunden, können Keime ungeschützt in den Körper eindringen. Dazu müssen sie nicht einmal selbst im See baden. Kröfges; „Gesunde Menschen könnten Keime aufsammeln und sie, ohne es zu wissen, in Bereiche mit Kranken tragen, denen sie dann schaden.“ Damit das nicht passiert, müsse die Verbreitung multiresistenter Keime gering gehalten werden.

Lesen Sie mehr: Das fordern die Grünen für die Seen

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