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Das Kloster Weyarn und seine Schätze stehen im Fokus des achten Bands der Weyarner Chronik.

Buch und CD über gewichtiges Kapitel der Ortsgeschichte

Neuer Band der Weyarner Chronik: Das Kloster Weyarn und seine Schätze

Wie haben die Augustiner-Chorherren am Kloster Weyarn die heutige Gemeinde geprägt? Der Förderverein Kultur und Geschichte erzählt es im neuen Band der Weyarner Chronik. Dazu erklingt auch die Musik des Klosters.

Weyarn– Klöster bildeten über Jahrhunderte geistige Zentren in Europa. Weyarn war da keine Ausnahme: Die Augustiner-Chorherren wirkten auch als Professoren und Lehrer, als Autoren, Komponisten, Musiker und Verwalter wirtschaftlicher Betriebe. „Klosterschätze“, der achte Band der Weyarner Chronik, den der Förderverein Kultur und Geschichte um Josef Hatzl jetzt herausbringt, wirft einen differenzierten Blick auf dieses Kapitel – und sein jähes Ende. Neben dem Arbeitskreis Geschichte wirkten erstmals externe Experten mit – und alle ehrenamtlich.

In mehreren Kapiteln beleuchtet Florian Sepp die Rolle des Klosters als Bildungsstätte. Wobei auch deutlich wird, dass in Klöstern als religiösen Einrichtungen Bildung und Wissenschaft in erster Linie dem Lob und der Ehre Gottes und auch dem Gewinnen von Nachwuchs dienten – beides Kritikpunkte zur Zeit der Aufklärung. In Weyarn entwickelte sich ein kostenpflichtiges Seminar und später Gymnasium; im Elementarschulwesen beteiligten sich die Chorherren erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts.

Achter Band der Weyarner Chronik: Autorenteam beleuchtet Kloster als geistiges Zentrum

Ein eigenes Kapitel widmet Jan Marbach dem mit Abstand wertvollsten Einzelstück der Weyarner Klosterbibliothek: dem mit Federzeichnungen illustrierten Codex Falkensteinensis, als einziges erhaltenes Traditionsbuch einer weltlichen Herrschaft des Hohen Mittelalters ein Stück Literaturgeschichte. Der Falkensteiner Codex wurde zwischen 1165 und 1196 im Auftrag Graf Sibotos IV. gefertigt, dem Erben des Stifters des Klosters Weyarn, Siboto II. Er zählt Besitz und testamentarische Verfügungen Sibotos IV. auf – für den Fall, dass der damals 40-Jährige aus dem Italien-Feldzug Kaiser Friedrich Barbarossas 1166 nicht zurückkehren sollte. Prächtige Bilder daraus sind im Chronikband abgebildet. Ebenso wie die Rotschmid-Chronik, die hier erstmals gedruckt erscheint: 1514 hatte der Weyarner Propst Georg II. Rotschmid diese kurze Klosterchronik gefertigt.

Stolz aufs Ergebnis der Arbeit: (v.l.) Josef Hatzl, Vorsitzender des Fördervereins Kultur und Geschichte, Bürgermeister Leonhard Wöhr, Katja Klee, Sixtus Lampl und Albert Loeffler mit dem frisch gedruckten Chronikband.

Aufschluss über Wirtschaft und architektonisches Erbe des Klosters gibt Albert Löffler anhand des Baubuchs von Propst Valentin Steyrer (1626 bis 1659) – von dessen erstem Großprojekt, dem Kirchturm der Stiftskirche, über die heute verschwundene „Kapelle im Feld“ in der Nähe des heutigen Alten Wirts, die umgezogene „Mondsichel-Madonna“ und landwirtschaftliche Höfe bis zum Brunnhaus am Mangfallweg, das der Wasserversorgung diente.

Welch musikalische Schätze das Kloster Weyarn barg, erläutert Sixtus Lampl aus Valley, der sich dem Thema seit Jahrzehnten widmet. Im neuen Chronikband gewährt er auch Einblick in die glücklichen Umstände, die dazu führten, dass der Weyarner Notenschatz in einem ramponierten Schrank auf der Empore die Säkularisation überlebte und fast 150 Jahre später wiederentdeckt wurde.

Lesen Sie auch: Kleine Gemeinde mit viel Geschichte: So kam es, dass Weyarn bereits sieben Chronikbände hat

Zum jähen Ende des Klosters mit der Säkularisation 1803 geben Marbach und Matthias Mayer nicht nur eine Einordnung, sondern gewähren auch einen persönlichen Zugang zu den dramatischen Ereignissen: mit Tagebuchaufzeichnungen des Klosterchronisten und Komponisten Laurentius Justinianus Ott. Er schildert, wie Messkelche fortkamen, um daraus Münzen zu pressen, wie die ehedem rund 100 Seminaristen sich in eine ungewisse Zukunft verabschiedeten und wie die Musik im Kloster verstummte – erst, weil sie angesichts der Umstände nicht angemessen schien, schließlich, weil es dafür nicht mehr genügend Musiker gab. Am Ende waren von zuvor 33 nur noch acht Augustiner vor Ort. Die Musik des Klosters, sie wird anlässlich des neuen Chronikbands nun wieder erklingen (siehe Kasten). 

Präsentation des neuen Chronikbands „Klosterschätze“

Die Vorstellung des achten Bands der Weyarner Chronik, „Klosterschätze – Literarische und musikalische Kostbarkeiten aus dem Augustiner-Chorherrenstift Weyarn“, beginnt am Freitag, 8. November 2019, um 19.30 Uhr im Bürgergewölbe (J.-B.-Zimmermann-Straße 5). Das Buch (34,95 Euro, 206 Seiten) gibt’s über den Förderverein Kultur & Geschichte in Weyarn (www.geschichts kultur-weyarn.de) und bei Buchhandlungen. ISBN: 978-3-937425-08-5.

Die Musik des Klosters Weyarn hören – im Konzert und auf CD

Chor und Orchester der Musica di Baviera sorgen unter der Leitung von Sixtus Lampl am Sonntag, 10. November 2019, dafür, dass die Werke von vier Komponisten des Klosters Weyarn wieder an ihrem Originalschauplatz erklingen: um 15 Uhr in der Stiftskirche St. Peter und Paul. Der Eintritt ist frei, die Besucher werden um Spenden gebeten. Zwei Koffer voller Notenblätter wird Lampl dorthin mitnehmen – sie zeugen von der Heidenarbeit, die er in das Projekt gesteckt hat: „Das hat mich mehr strapaziert als alles bisher“, gesteht Lampl. 

Für den achten Chronikband hat der Valleyer nicht nur Beiträge über die Weyarner Kloster-Komponisten Bernhard Haltenberger, Laurentius Justinianus Ott, Herculan Sießmayr und Joseph Christian Willibald Michl verfasst – eine Auswahl ihrer Werke liegt dem Band auch als CD bei. „Was hilft es, einen trockenen Aufsatz zu schreiben, aber keiner hört die Musik?“, sagt Lampl. Er hat mit etwa 45 Sängern und Musikern der Musica di Baviera dafür im Mai in der Zollingerhalle des Valleyer Orgelzentrums zwölf Werke der vier Komponisten aufgenommen – darunter ein Te Deum für Chor und Orchester von Sießmayr, Ausschnitte einer Symphonie Otts und Haltenbergers Missa ruralis sowie das Gloria aus einer Pastoralmesse Michls. Die CD wird auch separat erhältlich sein, beim Konzert am Sonntag und danach in Lampls Orgelzentrum.

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Katrin Hager

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