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Auf geht’s zum Scheiwadz: Hans Triebel veranstaltet am Ostersonntag und Ostermontag ab 14 Uhr ein öffentliches Oarscheim im Garten seiner Gotzinger Trommel. Bahnen sind aufgebaut, Eier sind mitzubringen.

Früher hat man dabei angebandelt

Das „Oarscheim“ is zurück: Alter Brauch auf schiefer Bahn

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Für Kinder war’s früher ein Höhepunkt des Osterfests: Das „Oarscheim“, lange in Vergessenheit geraten, lebt wieder auf. Hans Triebel, Wirt der Gotzinger Trommel, freut’s.

Gotzing Sind am Ostersonntag alle Eier gefunden, wird’s höchste Zeit, die Wettkampfarena aufzubauen: Zwei Rechen oder Besenstiele bilden eine schiefe Bahn, auf der hart gekochte Eier Tempo aufnehmen und auf Gras ausrollen. Wer das Ei gestartet hat, legt ein Geldstück drauf. Die Spieler versuchen, mit ihrem Ei andere Eier so anzustoßen, dass die Münze herunterfällt. Das Geldstück darf der Schütze behalten.

Für Hans Triebel ist das Oarscheim Ausdruck bayerischer Lebenskultur. Der 66-Jährige hat vor 30 Jahren den Förderverein „Bairische Sprache und Dialekte“ mitgegründet, hat 2003 die Gotzinger Trommel gepachtet und dort eine „tschüssfreie Zone“ ausgerufen. Übers Oarscheim sei wenig zu sagen, man müsse es nur spielen, sagt der Hobby-Schauspieler. Aber gut, schaden könne ein Interview auch nicht. Also dann.

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Das „Oarscheim“ is zurück: Alter Brauch auf schiefer Bahn

Herr Triebel, die Scheiwadz-Tage stehen an. Zweifellos der härteste Wettkampf, den Ostern zu bieten hat.

Ist halt eine Gaudi. Vom Kindergartenkind bis zur Tante und dem 85-jährigen Opa, alle können mitscheim. Mich freut, dass es wieder mehr gespielt wird. Und das, obwohl’s mit dem Material schwerer wird.

Mit den Eiern?

Nein, nicht mit den Eiern. Mit den Rechen.

Wieso das denn?

Wo gibt’s denn heute noch die alten Holzrechen? Die überkreuzt man, dann stehen sie von alleine und bilden die ideale schiefe Bahn.

Aber Besenstiele tun’s doch auch.

Schon irgendwie, aber das ist nur die zweitbeste Lösung. Man braucht dann schon wieder ein Klebeband und einen Stuhl. Ich empfehle: Nehmt’s zwei Rechen, was Besseres gibt’s nicht.

Wo liegen die Ursprünge vom Oarscheim?

Meines Wissens gibt’s den Brauch schon viele hundert Jahre. Früher, da haben sie keine Fernseher und Computer gehabt, dafür Fantasie und Kreativität. Aus wenig viel machen. Ich kann mich erinnern, dass die Dirndl früher ein Scheiwadz ogricht haben, damit die Burschen vorbeischauen.

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Das „Oarscheim“: Beim Eierrollen wurde früher angebandelt

Aha, beim Eierrollen kann man gut anbandeln?

Auch, durchaus. Man kommt sich näher, ist doch schön. Früher sind wir am Ostermontag oft zu den Dirndln gefahren, die haben einem dann gefärbte Eier geschenkt. Wer ein rotes oder blaues Ei bekommen hat, der zählte zu den Favoriten.

Und? Selber viele rote und blaue Eier heimgebracht?

Waren schon immer einmal welche dabei (Triebel lächelt genießerisch). Es war halt eine Gaudi. Manche haben sogar 30 Eier heimgebracht, war damals unter Burschen ein richtiger Sport. Wer bekommt die meisten. Schade, dass das aus der Mode gekommen ist.

Zurück zum sportlichen Aspekt: Ist Oarscheim ein reines Glücksspiel oder geht’s um Technik?

Spitze nach rechts oder links, dorthin rollt das Ei – meistens. Man will ja andere Eier treffen. Es empfiehlt sich auch, auf Unebenheiten in der Wiese zu achten.

Gespielt wird um Cent – oder auch um Euro?

Nein, großes Geld ist nur im Fußball zu verdienen. Es geht um die Gaudi, um das Miteinander einer Familie. Oder Nachbarn kommen zusammen, man hat ein bisserl Unterhaltung.

Es sollen schon Gipseier eingesetzt worden sein, um sich Vorteile zu verschaffen.

Habe davon gehört, aber so ein Doping ist natürlich nicht in Ordnung.

Außer farbige Eier: Was muss man zu einem Scheiwadz mitbringen?

Ein paar gute Sprüche heben die Stimmung, das schadet auf keinen Fall. Und Salz- und Pfefferstreuer sollte man in Reichweite haben. Beim Oarscheim dauert es zwar meistens recht lang, bis die Schale richtig bricht. Aber irgendwann dabröselt’s jedes Ei. Und dann darf’s auch schmecken.

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