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„Manche meinen, es sei eitel“: Dieses Bild hat Pater Stefan als Titelbild für seinen Facebook-Auftritt ausgewählt. Es zeigt ihn bei der Leonhardi-Fahrt in Reichersdorf und wurde per App so bearbeitet, sodass es wie ein Gemälde aussieht. 

Der Geistliche hat 3500 Freunde bei Facebook 

Pater Stefan: „Kirche gehört in soziale Medien“

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Der Weyarner Pater Stefan Havlik (37) ist bei Facebook sehr aktiv. Im Gespräch erklärt er, dass Kirche in sozialen Medien präsenter sein sollte. Doch nicht allen gefällt das.

Pater Stefan, auf Ihrem Facebook-Titelbild sind Sie hoch zu Ross mit einem langen schwarzen Umhang zu sehen. Ihr Lieblingsfoto?

Pater Stefan: Ich fand das mit dem Pferd, der guten Bernadette, ein gelungenes Bild. Der Ordensmantel fällt gut über das Pferd. Ich darf die Pferdedame öfters reiten, sie ist ein Süddeutsches Kaltblut und eher gemütlich unterwegs. Aber bei einer Leonhardifahrt – das Foto entstand vergangenes Jahr in Reichersdorf – muss es ja nicht schneller gehen. Das Foto wurde mit einer App bearbeitet, daher sieht es wie ein Gemälde aus.

Öfters posten Sie auch einen Hund.

Pater Stefan: Das ist meine Hündin Cognak. Die ist bei meinen Facebook-Freunden sehr beliebt. Sie fragen mich oft nach ihr. Ein blonder Labrador wirkt immer sympathisch.

Stört es Sie nicht, den Leuten einen so tiefen Einblick in Ihr Privatleben zu geben? Schließlich ist man als Pater ja auch eine Respektsperson.

Pater Stefan:  Man muss schon sehr diszipliniert sein und sich genau überlegen, was man rein stellt. Auch wenn man es nicht öffentlich zugänglich macht, findet das irgendwie seinen Weg im Internet. Ich poste daher nur in positiven Formulierungen.

Sie sind ja recht aktiv, bei Facebook, haben dort 3500 Freunde. Gehört das zu einem modernen Pfarrer dazu?

Pater Stefan:  Ich finde, dass die Kirche generell in den sozialen Medien präsent sein sollte. Auch dort findet heutzutage das Leben statt. Das Kloster Heiligenkreuz bei Wien zum Beispiel ist sehr aktiv bei Facebook. Und die haben im Moment über 100 Mönche – das ist seit Jahrhunderten der Höchststand.

Selbst Papst Franziskus hat ja mal gesagt, das Internet sei „ein Geschenk Gottes“, das neue Möglichkeiten für Begegnung schaffe...

Pater Stefan: Richtig. Der Internet- und Facebookauftritt ist ein Aushängeschild; die Schwelle, Kontakt aufzunehmen, ist relativ niedrig. Ich verheirate zum Beispiel viele Paare aus München im Oberland. Die schauen sich vorher meine Facebook-Seite an, wollen sich ein Bild von mir machen und wissen, was ich für ein Vogel bin. Ich nutze Facebook auch, um meinen Horizont zu erweitern. Ich bin dort mit vielen Leuten aus unterschiedlichen Ländern, Alters- und Berufsgruppen „befreundet“.

Machen das andere Kollegen auch? Oder gibt es konservativere, die das bedenklich finden?

Pater Stefan: Viele andere machen das auch. Manche aber meinen, mein Facebook-Profil sei eitel. Aber damit kann ich leben. Auch unter Priestern gibt es Neid.

Versuchen Sie so auch, junge Gläubige wieder näher an die Kirche zu führen?

Pater Stefan: Ich glaube, dass das passiert. Manche Leute finden es super, mit einem Priester befreundet zu sein. Und sie brauchen einen Eindruck, wie normal er ist: Er schaut Fußball, trinkt Bier und so weiter.

Diskutieren Sie online mit den Leuten über religiöse Fragen oder gehört so was nicht ins Netz?

Pater Stefan: Manche schreiben mich persönlich an, wenn es um seelsorgerische Fragen geht, was mich sehr freut. Was meiner Meinung nach nicht ins Netz gehört ist, wenn katholische Priester bei Facebook über Papst Franziskus herziehen. Ich finde, das ist eine Frage der Loyalität. Schließlich ist er der gewählte Papst.

Der Pfarrverband Weyarn hat noch keinen Facebook-Aufritt.

Pater Stefan: Das Problem ist, man bräuchte jemanden, der ihn pflegt. Denn schlimmer als gar kein Aufritt ist ein schlechter Auftritt.

Die evangelische Kirchengemeinde in Holzkirchen stellt ihre Predigten als Audiodateien online. Wäre das nicht auch was für Sie?

Pater Stefan: Prinzipiell ja, das wäre nur eine Frage der Technik.

Das Gespräch führte

Marlene Kadach

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