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750 Euro statt 150 Euro: Hans Gemmer ärgert sich über eine exorbitante Verteuerung der Grabgebühren auf dem Gotzinger Friedhof.

Der Rebell vom Gotzinger Friedhof

Pfarrei erhöht Grabgebühren aufs Fünffache - Gotzinger bricht mit seiner Kirche

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Die Pfarrei Neukirchen hat diese Gebühren für ihre Friedhöfe drastisch erhöht. Ein Unding, schimpft der Gotzinger Hans Gemmer. Sein Groll richtet sich gegen das Ordinariat.

Gotzing – Ein Jahr ist es her, da bekam Hans Gemmer (75) Post von der Pfarrei Neukirchen, die Rechnung für die Friedhofsnutzung. Für das 15-jährige Nutzrecht eines Doppelgrabs soll er 750 Euro zahlen – eine Erhöhung auf das Fünffache gegenüber 2002. Bezahlt hat er bis heute nicht. „Das geht nicht gegen Pfarrer oder Kirchenverwaltung“, betont der Rebell von Gotzing. Er wittert hinter der Erhöhung ein Diktat des Erzbischöflichen Ordinariats. „Mit aller Macht wird da Geld eingetrieben“, sagt Gemmer. „Aber wofür – das sagt keiner.“

Beschlossen wurde die ab Januar 2017 wirksame Erhöhung von der Kirchenverwaltung Neukirchen – für alle fünf Friedhöfe der Pfarrei und „einstimmig“, wie Kirchenpfleger Sebastian Meier berichtet. Ganz freiwillig fiel die Entscheidung nicht. „Das Ordinariat hat Druck gemacht“, sagt Meier. Den Prüfern in Freising war aufgefallen, dass sich der Friedhofsbetrieb in Gotzing seit 2005 nicht mehr selber trägt und nur noch aus Rücklagen finanziert wird. „Eine Überprüfung der Gebührenhöhe durch die Kirchenverwaltung war also unumgänglich“, ließ das Ordinariat wissen und wies den Einspruch Gemmers zurück.

Den 75-Jährigen überzeugen diese Argumente nicht. Er saß selbst bis 2012 in der Kirchenverwaltung. „Damals war immer Geld da.“ Seine Bitte, Einblick in den Friedhofshaushalt nehmen zu dürfen, sei ihm abgeschlagen worden. Das Ordinariat, so Gemmers Vorwurf, verlange immer nur das Teuerste und Beste. Da das Stiftungsvermögen keine Zinsen mehr abwerfe, hole man sich das Geld jetzt über höhere Gebühren. „Eine arrogante Art“, schimpft der 75-Jährige.

73 Gräber zählt der Gotzinger Friedhof, 58 davon sind belegt. Wenn größere Sanierungen im Friedhof nötig seien, so das Ordinariat, müsse genug Geld als Rücklage zur Verfügung stehen; die Gebührenerhöhung diene auch dazu, solche Reserven zu bilden.

Einen Handwerker oder Gärtner habe man noch nie gebraucht, kontert Gemmer: „Wir erledigen sämtliche Arbeiten rund um den Friedhof selbst.“ Er erinnert sich an einen Kostenvoranschlag für eine neue Mauer in Höhe von 40 000 Mark. „Wir haben’s in Eigenregie gemacht und gerade mal 1600 Euro gebraucht.“ Falls künftig teure Handwerker eingesetzt würden, „geht ein Teil unserer Gemeinschaft verloren“.

Gemmer ist nicht der Einzige in der Pfarrei, den die neuen Grabgebühren auf die Palme bringen. „Es gab massive Beschwerden“, sagt Kirchenpfleger Meier, „einige Mitglieder der Kirchenverwaltung wurden scharf angegangen.“ Dem Gremium sei aber keine andere Wahl geblieben, sonst hätte das Ordinariat den Haushalt nicht genehmigt. Gemmer weiß von zwei weiteren Grabbesitzern, die Widerspruch eingelegt haben.

Für Verärgerung sorgen nicht nur die teuren Gebühren. In der Kritik steht ebenfalls die neue Friedhofsordnung mit ihren beschränkten Öffnungszeiten. Von Oktober bis März ist der Friedhof nur während der seltenen Abendmessen zugänglich. „Wann soll man denn das Grab für Allerheiligen herrichten?“, fragt Gemmer. „Das kommt einer Aussperrung gleich.“

Das Ordinariat verweist hingegen auf die Räum- und Streupflicht. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten würde nur noch höhere Gebühren bedeuten. Aus dem Pfarramt war zu erfahren, dass ein Betreten des Friedhofs ja nicht verboten sei, außerhalb der Öffnungszeiten aber auf eigene Gefahr erfolge.

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