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Seelsorger auf dem Laufsteg: Pater Stefan Havlik zeigte zum Ausklang des Darchinger Pfingstfests, dass er sich als Teil des gesellschaftlichen Lebens „seiner“ Pfarreien sieht – und auch als Model einer Trachtenmodenschau eine gute Figur macht.  

Unterschriftenaktion gestartet

Soll versetzt werden: Zwei Gemeinden kämpfen, damit ihr Pater Stefan bleiben kann

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Pater Stefan ist so beliebt wie kaum ein anderer in Weyarn und Valley. Warum der 37-Jährige nach Hessen versetzt wird, versteht niemand – auch er selbst nicht. Jetzt regt sich Protest.

Weyarn/Valley Die Neuigkeit ist mittlerweile einen Monat alt, für viele aber noch immer schwer verdaulich. Pater Stefan Havlik, der seit fünf Jahren als Kaplan im Pfarrverband Weyarn die Pfarreien Unterdarching (1200 Gläubige), Oberdarching (800) und Weyarn (900) betreut, muss auf Weisung des Deutschen Ordens im Oktober eine Stelle in Hessen antreten (wir berichteten). Der Pfarrgemeinderat (PGR) Unterdarching lässt den beliebten Seelsorger aber nicht kampflos ziehen.

Vier PGR-Mitglieder, darunter Gabi und Wolfgang Neuner, verfassten einen Brief an Prior Christoph Kehr, der als Vorgesetzter die Versetzung veranlasste. Das Pfingstfest nutzten sie, um 345 Unterschriften für ihre „Petition“ zu sammeln. „Pater Stefan soll bleiben“, sagt Wolfgang Neuner. Er sei „der rechte Mann am rechten Ort, zur rechten Zeit das rechte Wort“, wie es im Brief heißt.

Seine Predigten, so sagt die stellvertretende PGR-Vorsitzende Renate Weindl, erreichen die Menschen. Pater Stefan stehe für eine eher konservative Vermittlung katholischer Botschaften, die Leute würden das sehr schätzen. 

„Authentisch, aufrecht, kritisch und humorvoll“, nennt das Wolfgang Neuner. Zudem punktet der junge Pater durch seine Volksnähe, als wortwitziger Ansager bei Konzerten, als Fastenprediger oder als Laufsteg-Model.

Mit Pater Stefan sei personell endlich Stabilität in die Seelsorge eingekehrt, sagt Neuner. „Die ständigen Wechsel in den fünf Jahren davor waren belastend.“ Umso unverständlicher wirke die Entscheidung des Ordens, die gegen den Willen der Gläubigen und des Betroffenen erfolgt sei. Wichtig ist dem PGR, dass sich der Protest nicht gegen den Prior oder den Orden richte, „sondern nur gegen diese Entscheidung, die keiner versteht“.

Prior Christoph Kehr kann den Unmut verstehen, tritt aber Gerüchten entgegen, dass es sich um eine „Strafversetzung oder Abschiebung“ handle, weil Pater Stefan zu beliebt geworden sei. Die Versetzung sei der Ausbildung Pater Stefans geschuldet, der als Kaplan noch zwei Jahre in einer anderen Region mit anderem pastoralem Zuschnitt Erfahrungen sammeln soll. Mit Pater Michael De Koninck bekomme der Pfarrverband einen ebenso volksnahen neuen Seelsorger, „der sicher auch schnell die Herzen erobern wird“. 

Der Wechsel ist mit einer Umstrukturierung im Pfarrverband verbunden. Pater Michael übernimmt die Leitung von Pater Norbert Thüx, dem ehemaligen Prior, den sein Nachfolger offenbar ins zweite Glied zurückversetzt.

Ist Pater Stefan auch ein Opfer dieser Personal-Rochade? „Die Versetzung kommt mir sehr willkürlich vor“, sagt Weyarns Mesner Gerhard Klein. Sein Ärger darüber ist so groß, dass er nach 19 Jahren hinwirft. Zum 30. Juni hört Klein als Mesner auf. „Pater Stefan war der beste Seelsorger, den ich erlebt habe.“ Sein Rücktritt wird aber wohl ebenso wenig bewirken wie die Fürsprache von Staatsministerin Ilse Aigner und von Altbürgermeister Michael Pelzer für einen Verbleib Pater Stefans. „Ich werde an der Versetzung festhalten“, stellt der Prior klar.

Pater Stefan selber hat sich Gehorsam verordnet, räumt aber ein, dass ihn der Abschied sehr traurig stimme. „Es ist die alleinige Entscheidung des Priors, meine Gefühlslage spielt da keine Rolle.“ Die Unterschriften-Aktion wertet er als Anerkennung seiner Arbeit.

„Wir wollen die Stimme von Pater Stefan sein“, sagt Wolfgang Neuner. Die Aktion solle zudem zeigen, sagt Renate Weindl, „dass es uns Gläubige auch noch gibt und dass wir eine Meinung haben. Hier ist sie.“

Die Unterschriften-Liste zum Verbleib von Pater Stefan im Pfarrverband liegt im Valleyer Rathaus aus. Eintragen kann man sich voraussichtlich bis Ende Juni.

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