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Von oben fällt er fast nicht auf: Der Edeka-Supermarkt am Klosteranger in Weyarn reiht sich nahezu perfekt in das Ortsbild ein. So wollte es der B ürgerwille. 

Serie zur Kommunalwahl

Politik in Weyarn: Bürgerwille als oberste Prämisse

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In keiner Landkreis-Kommune sind die Bürger so sehr in Entscheidungen eingebunden, wie in Weyarn. Darum ist das so.

Weyarn – Einen Supermarkt? Ja, klar. Aber so, dass er nicht auffällt. Diese Forderung stellten die Weyarner für die Bebauung des Klosterangers. Und „die Weyarner“ sind dabei nicht die Gemeinderäte, sondern die Bürger. Denn was die kleine Gemeinde tatsächlich zu einer besonderen macht, ist die gelebte Bürgerbeteiligung.

Die Forderung nach einem unauffälligen Supermarkt kam aus dem Bürgerbegehren, in dem sich die Weyarner zur Bebauung des Klosterangers bekannten. Konfrontiert wurde damit Max von Bredow von der Quest AG, die den Klosteranger als Investor beplante und bebaute. Als die öffentlichen Flächen des neuen Wohngebiets, das für alle aus Richtung Autobahn Kommenden gut sichtbar ist, an die Gemeinde übergeben wurden, erzählte er davon. „Wie soll das gehen? Ein Vollsortimenter, den man nicht sieht“, hatte er sich gefragt. „Grabt ihn doch ein“, habe ihm jemand geraten.

Bürger entscheiden bei vielen Projekten mit

Und so kam es dann auch. Der Supermarkt am nördlichen Ende des Klosterangers wurde zum Teil in die Erde versenkt. Von den Wohnhäusern aus gesehen „verschwindet“ er sogar unter einem grünen Hügel – ein herrlicher Spielplatz für Kinder. Der Wunsch der Bürger ist wahr geworden.

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Überhaupt haben die Weyarner viel mitgeredet beim Klosteranger: Mehrgenerationenhäuser, öffentliche Grünflächen, die Durchlässigkeit des Wohngebiets mit Fußweg zum Supermarkt – all das waren Vorgaben, die der Investor umzusetzen hatte. Eine Basis für diese Bürgerbeteiligung sind Arbeitskreise (AK) und Bürgerwerkstätten. Zunehmend setzen Kommunen auf diese Werkzeuge, um die Bevölkerung mit ins Boot zu holen. In Weyarn ist diese Bürgerbeteiligung gar als Satzung festgeschrieben. Die Bürger dürfen nicht nur, nein, sie sollen mitreden, sich Gedanken machen, ihre Ideen und ihr Wissen einbringen. Die 13 AK – etwa „Energie und Umwelt, „Altersplanung“ oder „Ortsgestaltung und Verkehr“ – sind ein wichtiger Baustein. Für die Bewohner am Klosteranger hat sich zum Beispiel ein AK gegründet, dessen Mitglieder einen gemeinsamen Garten bewirtschaften.

Bürger überarbeiten Leitbild

Die AK informieren sich gegenseitig und den Gemeinderat monatlich über ihre Aktivitäten – auch das ist in der Satzung festgeschrieben. Sie haben Rederecht im Gemeinderat, das Recht auf ein eigenes Budget und auf professionelle Begleitung. Ein Sprecher sitzt im sogenannten Steuerungsgremium, wo die Pläne der AK abgestimmt werden – auch mit Blick auf das Leitbild der Gemeinde.

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Zusätzlich gibt es das Mitmachamt, eine Informations-Drehscheibe für Gemeinderat, Verwaltung, AK und Steuerungsgremium. Das Leitbild wiederum spiegelt den Willen der Bevölkerung wider, wie sich die Kommune entwickeln soll. Zurzeit wird das alte Leitbild, in dem es zum Beispiel heißt „Wir wollen ländlicher Raum bleiben“, überarbeitet. Bei der Entwicklung des neuen sitzen selbstverständlich die Bürger mit im Boot. 72 Frauen und Männer haben bei einer Bürgerwerkstatt ihre Ideen eingebracht. 

Weyarn steuert auf 4000 Bürger zu

Bürgermeister Leonhard Wöhr ist von der Bürgerbeteiligung überzeugt. „Die Menschen sind angetan, dass sie auch bei wichtigen Themen miteinbezogen werden“, sagt er. Damit diese Botschaft auch bei Neubürgern ankommt, stellen sich AK und Vereine jedes Jahr bei einem Empfang vor. Beim nächsten werden wohl viele da sein, die am Klosteranger ihr neues Zuhause gefunden haben. Wie viele Neubürger das sind, kann Wöhr nicht sagen. Denn ein nicht unerheblicher Teil der Wohnungen ist an Weyarner Familien verkauft worden und ein Teil an ehemalige Gemeindebürger.

Auch wenn der Klosteranger ins Auge fällt, so sei mit ihm die Einwohnerzahl der Gemeinde nicht mehr gewachsen als in den Jahren zuvor, sagt der Gemeindechef. Bis zum Jahresende rechnet er mit etwa 4000 Bürgern – und mit einem zumindest teilweise neuen Leitbild.

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Bis zur Kommunalwahl am 15. März sind wir in jeder der 17 Städte und Gemeinden im Landkreis zu Gast, um die Bedeutung kommunalpolitischer Themen an praktischen Beispielen zu erläutern.

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