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Privilegierung: Pferdehof contra Landwirtschaft?

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Von: Christine Merk

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Nicht zu übersehen: der Protest gegen die Erweiterung des Pferdepensionshofes an der Straße zwischen Holzolling und Westerham.
Nicht zu übersehen: der Protest gegen die Erweiterung des Pferdepensionshofes an der Straße zwischen Holzolling und Westerham. © Thomas Plettenberg

Im Außenbereich darf nur bauen, wer eine Privilegierung nachweisen kann. Die können auch Pferdehöfe bekommen. Der Konkurrenzdruck um landwirtschaftliche Fläche sorgt nun in Weyarn für Protest.

Weyarn – Ist es zeitgemäß, einen „freizeitorientierten Pferdestall“ im Baurecht gleichzustellen mit lebensmittelproduzierender Landwirtschaft? Diese Frage stellte Martin Fertl (UWG) in der jüngsten Sitzung des Weyarner Gemeinderats zur Diskussion. Auslöser waren die Bauwünsche des Pferdepensionshofes Nagota im Goldenen Tal. Der möchte sich vergrößern. Doch das stößt offensichtlich nicht überall auf Zustimmung.

Zu übersehen ist dieser Protest nicht. Auf einer an das Areal des Pferdepensionshofes angrenzenden Wiese steht seit einigen Tagen eine roh gezimmerte Holzwand, dicht an der Straße zwischen Holzolling und Westerham. Auf eine Seite ist ein dickes Pferd gemalt und in pinker Farbe das Wort „Privilegierung?“ geschrieben. Auf der anderen Seite der Holzwand steht „Nachhaltige Landwirtschaft geht anders“.

Pferdehof plant Neubauten

Bereits im August hatte die Betreiberin des Pferdehofes drei Bauanträge gestellt: für eine Reithalle (20 mal 30 Meter) anstelle des bestehenden Sandplatzes, einen zweiten Offenstall (12 mal 28 Meter) im hinteren Bereich des Grundstücks und die Verlängerung der bestehenden Miststatt. Die Anträge wurden zurückgestellt, weil die Gemeinderäte die Platzierung von Halle und Stall nicht optimal fanden. Der Bauwerberin wurde eine Beratung beim Landratsamt nahegelegt, die sie laut Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) wohl auch in Anspruch nimmt.

Grundsätzlich hat die Gemeinde in diesem Fall sowieso kein Entscheidungsrecht. Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt, und essenziell ist hier zusätzlich die Einschätzung des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen, weil dieses die Privilegierung feststellen muss.

Auf eben diese Privilegierung spielte Fertl an. Auf der Tagesordnung der Sitzung stand nämlich nur der Antrag zur Verlängerung der Miststatt. Dem Gemeinderat der Unabhängigen Wählergemeinschaft Goldenes Tal (UWG) war es aber ein Anliegen, „ein Zeichen in Richtung AELF zu senden“ und einen Diskurs anzustoßen, ob die Privilegierung von Pferdeställen zeitgemäß sei.

Franz Demmelmeier (SPD), dessen Familie selbst einen Pferdehof betreibt, erklärte, warum diese Privilegierung besteht. Viele landwirtschaftliche Höfe, die in den vergangenen Jahren aufgegeben wurden, seien inklusive ihrer Flächen weiter bewirtschaftet worden, oder die Landwirte hätten sich mit der Pferdehaltung ein zusätzliches Standbein geschaffen, sagte er. „Das ist vielleicht hier bei uns weniger der Fall, aber in anderen Teilen des Landes durchaus.“ Pferdepensionsbetriebe seien außerdem ein wirtschaftlicher Faktor, naturgemäß könnten sie aber nur im Außenbereich betrieben werden.

Konkurrenz um landwirtschaftlich nutzbare Fläche

Anian Rutz (UWG) sah die Privilegierung dennoch kritisch und brachte den Mangel an landwirtschaftlicher Nutzfläche ins Spiel. Wenn ein Landwirt sich mit der Pferdehaltung ein zweites Standbein schaffe, sei das etwas anderes, fand er. Denn der gehe dann hinsichtlich der Fläche mit sich selbst in Konkurrenz. Rutz spielte zudem auf die Dimensionen der im Goldenen Tal geplanten neuen Gebäude an. „Wir reden hier von 1560 Quadratmetern Dachfläche“, sagte er, „das ist Supermarktgröße.“ Er sehe in so einem Betrieb absolute Konkurrenz zur Lebensmittelherstellung. Es müsse ein Umdenken her, dass Gemeinden mitreden dürften, forderte er.

Lebensmittel würden auch nicht auf den Feldern produziert, auf denen Grüngut für Biogasanlagen angebaut werde, warf Johannes Wieser (WiGW) ein. Freilich könne man da noch argumentieren, dass sie der Energieproduktion dienen. Dennoch: „Ein Pferdehof ist ein Gewerbe, und die Landschaft wird gepflegt“, sagte er.

Angesichts der Tatsache, dass die Gemeinde keine Entscheidungsbefugnis habe, beendete Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) die Debatte mit einem Vorschlag. In den Beschluss zum Antrag für eine Verlängerung der Miststatt wurde die Bemerkung aufgenommen, dass sich aus der Zustimmung hierfür keine Zustimmung zu den anderen, noch zu erwartenden Bauanträgen ergebe. Diesen Beschluss befürwortete das Gremium – denn gegen eine längere Miststatt hat keiner etwas einzuwenden.

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cmh

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