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„Die Kinder mochten Dich“: Ruth Pelikan (Mitte) arbeitete 30 Jahre lang an der Grun dschule in Weyarn. Bei ihrer Abschiedsfeier waren auch (v.l.) Pater Stefan Havlik, Bürgermeister Leonhard Wöhr und Schulamtsleiter Peter Huber dabei.

Grundschule Weyarn

Rektorin Pelikan in den Ruhestand verabschiedet

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Die Grundschulleiterin Ruth Pelikan wurde bei einer Feier in den Ruhestand verabschiedet. Alle Anwesenden stellten ihr ein gutes Zeugnis aus

Weyarn – Ruth Pelikan und ihr Mann Klaus sitzen auf Campingstühlen, sie liest ein Buch, er eine Zeitung, dahinter steht das Wohnmobil. Sie sind Rentner und machen Urlaub in Alaska. Doch so richtig können sie sich nicht auf den Eisbären konzentrieren, der vor ihnen herumtollt: Ständig schwelgen sie in alten Erinnerungen. Und so kommt es, dass Ruth Pelikan plötzlich wieder in der Lehrerkonferenz sitzt, sich mit den unverständlichen Anweisungen des Kultusministerium herumplagen oder einen lästigen Scherenvertreter empfangen muss. Der nächste Lehrerausflug soll nach Wunsch des Kollegiums in ein Wellnesshotel führen, bezuschusst von der Gemeinde, mit der Begründung: „Unser Dorf soll schöner werden.“

Dieses Theaterstück haben jetzt Kinder der Grundschule Weyarn – neben anderen gelungenen Aufführungen – bei der Abschiedsfeier ihrer Schulleiterin präsentiert. Pelikan (62) geht in den Ruhestand, am Freitag war ihr letzter Arbeitstag.

Schulamtsleiter Peter Huber stellte Pelikan ein gutes Zeugnis aus. Sie sei eine „echte Münchnerin“, wo sie aufwuchs und erste berufliche Erfahrungen sammelte. Nach Stationen in Schaftlach und Bad Wiessee landete sie 1987 in Weyarn, wo sie zunächst als Lehrerin, ab 2006 als Stellvertreterin und ab 2008 offiziell als Schulleiterin arbeitete. In der Personalakte stehe, dass seine Vorgänger zufrieden mit Pelikan waren. Sie bescheinigten ihr „eine besondere Begabung im musischen Bereich“, eine „große Verantwortungsbereitschaft“ sowie ein „souveränes Agieren als Führungspersönlichkeit“. Huber ergänzte: „Ich persönlich habe Sie als engagierte und gewissenhafte Rektorin erlebt.“ Es habe unter ihrer Regie nie Aufregung gegeben. Ihre Stelle sei ausgeschrieben, werde aber erst zum neuen Schuljahr besetzt. Kommissarisch übernimmt Stellvertreterin Susanne Höllerl das Ruder.

Auch Bürgermeister Leonhard Wöhr teilte Lob aus: „Für uns bist Du eine echte Weyarnerin.“ Immerhin habe Pelikan in den 30 Jahren eine ganze Generation mitgeprägt, teilweise haben Kinder der ersten Stunde schon Schulkinder. In den Anfangszeiten habe Pelikan in der alten Schule im Kloster unterrichtet, wo „Grünspan und Schimmel“ störten, später wirkte sie beim Neubau des jetzigen Schulhauses mit. Pelikan habe Wissen und Werte vermittelt, die Herzensbildung war ihr wichtig. „Die Kinder mochten Dich.“ Und laut Elternbeiratsvorsitzender Heike Seidl war auch Pelikans Verhältnis zu den Eltern stets harmonisch. „Du wirkst so, als könnte Dich nichts aus der Ruhe bringen“, meinte Wöhr. Wie „ein Fels in der Brandung“, sang das Lehrerkollegium.

Dann stellte sich Pelikan ans Rednerpult mit dem Foto, das ein Auto mit dem Kennzeichen „Ruhestand“ zeigte. Da kam die ruhige Frau doch etwas aus dem Gleichgewicht: „Mir ist ein bisschen zwiespältig zumute.“ Einerseits freue sie sich auf die Rente, andererseits sei sie wehmütig. „Ich bin schon mal souveräner gewesen.“ Sie erzählte, dass sie in ihrer Schulzeit oft Lehramtsstudenten im Klasszimmer saßen: „Dort hinten möchte ich auch mal sitzen“, dachte sie damals. Diesen Wunsch habe sie beharrlich verfolgt. 

„Ich habe ein schlechtes Namensgedächtnis.“ Aber sie erinnere sich an jedes Kind, an ihre Augen. Dann wurde Pelikan ernst, kritisierte das Kultusministerium, das sie mit einem Ballon oder Engel verglich, also mit etwas, das über den Dingen schwebt und den Bezug zum Boden verloren hat: „Wie soll eine Schule ohne genug Personal funktionieren?“ Am Schluss aber überwog das Positive: „Ein wunderbarer Abschied war das“, sagte sie. 

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