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Eingespieltes Team: Johannes Buitkamp und seine neunjährige Border-Collie-Hündin Holly waren bei der Suche nach einem vermissten 83-jährigen Irschenberger in Seeham im Einsatz.

Eine Nase, die jeden wittert

Rettungshunde: Experte erklärt, wie sie Leben retten

Wenn es bei uns heißt: Polizei sucht vermisste Person, ist meistens auch er am Start: Im Interview erklärt Johannes Buitkamp wie seine Rettungshunde Leben retten.

Seeham – Die Rettungshundestaffeln der BRK-Kreisverbände Miesbach und Rosenheim sowie der Malteser Rosenheim rückten am Dienstag nach Seeham aus. Ein 83-jähriger Irschenberger war zum Schwammerlsuchen gegangen und stundenlang verschwunden. Der Senior tauchte gegen 18.45 Uhr wieder auf. Wir wollten wissen, wie die Rettungshunde trainiert werden, wie ein Einsatz abläuft und haben nachgefragt bei Johannes Buitkamp (54), Leiter der BRK-Rettungshundestaffel im Landkreis.

Herr Buitkamp, wie suchen die Hunde nach vermissten Menschen?

Buitkamp: In diesem Fall waren vor allem Flächensuchhunde im Einsatz. Die Hunde sind so ausgebildet, dass sie in einer vorgegebenen Fläche jeden Menschen finden, der sich dort aufhält.

Wie funktioniert das?

Buitkamp: Die Tiere suchen die menschliche Witterung. Die Feuerwehrleute, die das hier das erste Mal gesehen haben, waren sehr beeindruckt, denn die Hunde laufen dabei frei etwa 50 bis 100 Meter um ihren Führer herum und halten die Nase in die Luft.

Und dann?

Buitkamp: Wenn sie eine Witterung aufgenommen haben, dann laufen sie zu dem gefundenen Menschen hin und bellen in voller Lautstärke.

Die Hunde reagieren also auf jeden Menschen?

Buitkamp: Grundsätzlich ja. In Seeham hat einer der Hunde einen Feuerwehrmann verbellt, der im Gelände noch auf der Suche war.

Die Hunde laufen frei, sagen Sie. Ist das nicht gefährlich?

Buitkamp: Nein. Sie sind sehr gut ausgebildet und lassen sich jederzeit zurückrufen. Wir verwenden aber Laufleinen, wenn beispielsweise Straßen in der Nähe sind. Dann gibt es noch eine zweite Art der Hundeausbildung: die Mantrailer. Die suchen einen Individualgeruch.

Das heißt?

Buitkamp: Mantrailer nehmen den Geruch des Menschen auf, der vermisst wird. Dazu braucht man einen Gegenstand oder ein Kleidungsstück, das möglichst ausschließlich diese Person angefasst hat. Die Suche mit einem Mantrailer ist aber anspruchsvoll, und der Erfolg hängt unter anderem von einem möglichst unkontaminierten Geruchsstoff ab.

Wann kommen Mantrailer trotzdem zum Einsatz?

Buitkamp: Immer, wenn ein Gebiet abgesucht wird, wo viele Menschen sind, zum Beispiel in Innenstädten. Ein Flächensuchhund würde ja jeden anbellen. Mantrailer sind auch wichtig, wenn man gar nicht weiß, in welche Richtung eine vermisste Person gegangen ist. Dann können sie zumindest einen Hinweis auf das Suchgebiet geben.

Kann ein Hund beides lernen?

Buitkamp: Ja, das geht. Man kann einen Hund für die Fläche und als Mantrailer ausbilden.

Und wie sieht dann im Ernstfall ein Einsatz aus?

Buitkamp: Wenn wir alarmiert werden, dauert es natürlich noch eine Zeit, bis alle vor Ort sind. Alle Rettungshundeführer des BRK arbeiten ja rein ehrenamtlich. Ich muss zum Beispiel von der Arbeit (Buitkamp ist Tierarzt und arbeitet an der Landesanstalt für Landwirtschaft, Anmerk. der Redaktion) erst nach Hause, dort meinen Hund holen und fahre dann zur Einsatzstelle. Die Zahl der benötigten Hunde hängt von der Größe des Einsatzgebiets ab. Ein Flächensuchhund kann in einer Stunde etwa 100 000 Quadratmeter absuchen.

Das Suchgebiet wird also aufgeteilt?

Buitkamp: Ja, jedes Team bekommt ein Areal zugeteilt. Im Idealfall sollten die Suchteams dann gleichzeitig starten.

Wer gehört alles zu so einem Team?

Buitkamp: Das sind der Hund und sein Führer und noch ein Helfer. Der passt auf, dass man im zugewiesenen Gebiet bleibt und hält auch den Funkkontakt zum Einsatzleiter. Der Hundeführer muss sich nämlich ganz auf den Hund konzentrieren können.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Suchhund?

Buitkamp: Wenn es optimal läuft, kann der Hund nach zwei Jahren seine erste Prüfung ablegen. Bevor die eigentliche Ausbildung beginnt, müssen die Hunde aber einen Eignungstest bestehen. Wer sich für die Arbeit der Rettungshundestaffel interessiert, darf jederzeit bei mir nachfragen (E-Mail: johannes.buit kamp@web.de). Wir freuen uns immer über Nachwuchs.

Das Gespräch führte Christine Merk

BRK freut sich über Spenden

Beim Brand des Rettungszentrums in Bad Wiessee (wir berichteten) hat die Rettungshundestaffel viel verloren. Der neu angeschaffte Transporter samt Ausstattung – Hundeboxen, Computer, Helme und Funkgeräte – brannte komplett aus. Die Feuerwehr Föching hat der Staffel im Juli für zwei Jahre einen ausrangierten Mercedes-Sprinter zur Verfügung gestellt. Dann brauchen die Suchteams wohl ein neues Auto. Spenden an den BRK Kreisverband Miesbach, Konto DE 78 7115 2570 0000 0241090, Zweck: Brand Bad Wiessee.

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