Als Roaner Sängerinnen waren die drei Schwestern (v.l.) Lisi Vogt, Leni Auracher und Traudl Eck bekannt. 1994 erhielten sie für ihr Wirken um die Volksmusikpflege das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland am Bande. foto: privat (kn)

Sängerin ist tot 

Roaner Traudl: Ein Abschied mit Volksmusik

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Über 30 Jahre prägte sie die Volksmusikpflege mit. Jetzt ist Traudl Eck vom Dreigesang Roaner Sängerinnen gestorben. 

Gertraud Eck (†) starb im Alter von 81 Jahren. foto: kn

Kleinpienzenau – Am Schluss streikten die Stimmbänder. „Der Wille war da“, sagt Tochter Gertraud Kinshofer aus Wackersberg. Wie gerne hätte ihre Mutter Traudl Eck im Alter noch „Zizibe Kohlmoasn“, den „Hi über d’Alm, her über d’ Schneid-Jodler“ oder den beliebten „Hollensteiner Jodler“ gesungen. Aber es ging nicht mehr.

Jetzt ist Gertraud Eck aus dem Fellerhof bei Kleinpienzenau, bekannt als Roaner Traudl und Fellerbäuerin, im Alter von 81 Jahren gestorben. Sie war Mitglied im populären Geschwister-Dreigesang Roaner Sängerinnen, der von den 1950ern bis Ende der 80er-Jahre die oberbayerische Volksliedpflege entscheidend mitgeprägte.

Eck kam 1935 am Roaner Hof in der Gemeinde Fischbachau auf die Welt – als Vorletzte von acht Kindern. „Alle in der Familie waren brutal musikalisch“, erzählt die Tochter. Die fünf Schwestern und drei Brüder spielten alle ein Instrument und sangen. Die Traudl konnte Ziach und Gitarre. Die Roaner Sängerinnen gab es zunächst in verschiedenen Konstellationen. Die bekannteste und längste Phase bestritten Eck und ihre älteren und bereits vor Jahren verstorbenen Schwestern Leni Auracher und Lisi Vogt. Leni sang die erste Stimme, Lisi die zweite und Traudl die dritte.

Die Frauen traten unter anderen mit Sepp Winkler, Sepp Eibl und Sepp Sontheim auf. Bald holte sie der bekannte Volksmusikant Kiem Pauli aus Kreuth zu seinen Veranstaltungen. „Der hat sie entdeckt“, meint Kinshofer. Schon bald war das Trio gefragt und auch in Funk und Fernsehen zu hören. Im Advent gaben sie drei bis vier Aufritte am Wochenende. Sie sangen viel in der Region, auf Hochzeiten, Beerdigungen, aber auch in der Residenz in München, in Berlin, Altötting und Salzburg. Sie brachten mehrere Schallplatten und CDs raus. Die letzte und noch erhältliche mit dem Titel „Unvergängliche Raritäten“ erschien 2006 und war eine Zusammenstellung alter Lieder. Sie gilt als Klassiker der Volksmusik, bei dem die Rupertiwinkler mitwirkten. Das Wirken der Roaner Sängerinnen um die Musikpflege wurde 1977 mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 1994 erhielten sie das Verdienstkreuz der Bundesrepublik am Bande.

Parallel zur Sängerkarriere hatte Eck ein reges Privatleben. Als sie noch ledig war, verbrachte sie ihre Sommer gern als Sennerin auf der Roaner Alm. Vor der Hochzeit arbeitete sie als Hauswirtschafterin in einem Haushalt in Schliersee. 1966 heiratete sie ihren Mann Josef und damit in den Feller-Hof ein. Das Paar bekam mit Josef, Gertraud und Barbara drei Kinder, später kamen sechs Enkelinnen dazu. 2016 feierte das Paar Goldene Hochzeit. „Das letzte große Fest“, sagt die Tochter.

Eck war ein „Arbeitstier ohne Ende“, erzählt Kinshofer. „Die Mama war immer im Stress.“ Tagsüber kümmerte sie sich um den Hof samt Zimmervermietung. In der Freizeit sang sie und tanzte gern. Ihren Kindern hatte sie das Musikgen nicht weitervererbt. „Wir kommen eher nach der anderen Seite“, sagt die Tochter. „Die Mama war ein lustiger und geselliger Mensch.“ Eine Frau, die immer zuerst auf die anderen schaute, und sich selbst hinten anstellte. Ein richtiger Familienmensch. „Sie war sehr harmonisch und wollte nie streiten.“

Jetzt hatte die Traudl ihren letzten Auftritt. Die Riederinger Sänger spielten auf ihrer Beerdigung in Kleinpienzenau auf. „Es war ein schöner Abschied“, sagt die Tochter. Mit viel Volksmusik. Also so, wie es zur Roaner Traudl gepasst hat.marlene kadach

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