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Seehamer See: Bauwerber kritisiert Gemeinde für Hotel-Pläne

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Von: Dieter Dorby

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Lukas Schwaiger
 wünscht sich eine ortsverträgliche Lösung.
 Aus seiner Sicht bedeutet das: Wohnbebauung.
Lukas Schwaiger wünscht sich am Seehamer See eine ortsverträgliche Lösung. Aus seiner Sicht bedeutet das: Wohnbebauung. © Dieter Dorby

Das freie Seegrundstück am Seehamer See soll mit einem Hotel bebaut werden. Das hat der Gemeinderat Weyarn vor Kurzem beschlossen. Eine Entscheidung, die auf der Eigentümerseite auf Unverständnis stößt.

Seeham – Lukas Schwaiger ist enttäuscht. Vier Alternativentwürfe hat er zusammen mit seiner Mutter Dominique Baumann, der das per Bebauungsplan mit einem Hotel überplante Seegrundstück in Seeham gehört, zeitgleich dem Gemeinderat von Weyarn vorgelegt, um das Grundstück anders nutzen zu können. Vergeblich. Der Gemeinderat lehnte bei nur einer Gegenstimme eine Änderung ab (wir berichteten). Es bleibt beim Sondergebiet Hotel. Die Begründung laut Bürgermeister Leonhard Wöhr: „Für unsere Bürger hätte eine Änderung nichts gebracht.“

Seehamer See: Eigentümer kritisiert Gemeinde für Hotel-Pläne

Schwaiger sieht das anders: „Ein Hotel würde Seeham mehr belasten als eine Wohnbebauung.“ Und das in vielerlei Hinsicht. Bei einem Hotel würde um 5 Uhr morgens der erste Lieferant kommen und um 2 Uhr nachts der letzte Barkeeper heimfahren.

Hinzu komme die bauliche Größe, „denn mit 25 Zimmern lässt sich heute kein Hotelbetrieb mehr führen“. Auch die Auswirkungen auf das angrenzende Naturschutzgebiet wären wohl kritisch zu bewerten, wenn sich Gäste quasi nebenan auf die Suche nach unentdeckten Grünoasen machen. Und ein Zusammenwachsen mit dem Ort wäre ebenfalls unwahrscheinlich. „Eine solche Anlage wäre wohl eher ein eigener Bereich für sich“, vermutet Schwaiger. Alles also keine Vorteile für das Dorf.

Was wird aus dem Seegrundstück? Die Gemeinde hat eine Wohnnutzung jüngst abgelehnt und hält am Sondergebiet Hotel direkt neben dem bewachsenen Naturschutzgebiet (r.) fest.
Was wird aus dem Seegrundstück? Die Gemeinde hat eine Wohnnutzung jüngst abgelehnt und hält am Sondergebiet Hotel direkt neben dem bewachsenen Naturschutzgebiet (r.) fest. © Thomas Plettenberg

Und gerade das Dorf liegt ihm am Herzen. Als Kind und Jugendlicher sei er oft hier draußen gewesen bei seiner Oma. Er kenne viele Nachbarn und schätze den Ort. „Es geht nicht darum, möglichst viel aus dem Grundstück herauszuholen, sondern es so zu verwerten, dass es der Dorfgemeinschaft nicht schadet. Die Frage ist also: Was ist besser für das Dorf?“

Wohnen bei Abwägung erste Wahl

Das habe er auch jüngst beim Dorffest immer wieder in Gesprächen erklärt. „Klar wäre es jedem am liebsten, wenn sich nichts ändert“, berichtet Schwaiger. Aber jeder würde über eine Verwertung nachdenken, wenn ihm ein solches Areal gehören würde. „Und in der Abwägung Hotel oder Wohnbebauung war dann doch das Wohnen erste Wahl. Vor allem wenn es die Möglichkeit gäbe, selbst etwas für die Kinder zu bauen. Auch im Einheimischenmodell.“

Wohnraumnot versus Regionalplan

Der Bedarf an Wohnraum und damit an Baugrundstücken sei bekanntermaßen groß. Deshalb könne er den Verweis auf Regionalplan und Landesentwicklungsprogramm nicht ganz nachvollziehen, zumal ja bereits ein Bebauungsplan besteht. Eine Bebauung könne dabei auch schrittweise erfolgen. Und dass man zum Einkaufen nach Weyarn fahre, sei bislang auch kein Problem.

Auch verneint Schwaiger, dass der Seeblick automatisch Wohnungen im Luxus-Hochpreissegment bedeute: „Solche Projekte werden meist deshalb fast schon unvermeidbar teuer, wenn man das Grundstück zum Höchstpreis einkaufen muss“, erklärt Schwaiger. „Aber das Grundstück haben wir ja.“

Das Ziel: Seehamer See: Absage an Wohn-Projekte - Hotel-Pläne bleiben

Und auch in der Umsetzung bringe seine Familie einiges an Expertise ein. So habe sein Vater Michael Schwaiger 35 Jahre Erfahrung in der Baubranche, und auch Lukas Schwaiger selbst habe mit erst 20 Jahren bereits seine eigene Immobilienfirma.

Schwaiger will die Hoffnung nicht aufgeben, den Gemeinderat doch noch überzeugen zu können. Zuletzt hatte er mit dem renommierten Planer Christian Goldbach vom Münchner Büro Leupold Brown Goldbach vier Ideen entwerfen lassen: Wohnen und Gemeinschaft mit 25 bis 30 Wohnungen (eventuell auch Seniorenwohnen), Seniorenwohnen mit Klinik, nur eine Klinik sowie ein Komplex „Gründerzentrum/leichtes Gewerbe/Dienstleistung Live/Work“. Ohne Erfolg.

Freie Blickachsen zum See

Wie ernst es Schwaiger mit der Verträglichkeit für die Nachbarschaft ist, zeigt ein Detail aus den Plänen: „Unser Architekt hat alles bewusst so arrangiert, dass den Nachbarn freie Blickachsen zum See bleiben.“ Zudem stehe man mit diesen auch im Kontakt.

Es wird also wohl auf einen neuen Versuch hinauslaufen, mit dem es gelingen soll, das Grundstück zu verwerten und dabei die Zustimmung der Nachbarn und des Gemeinderats zu bekommen. Auch künftig soll hierbei die Dorfgemeinschaft mit im Vordergrund stehen. Das liegt Schwaiger aus gutem Grund sehr am Herzen: „Denn eines Tages will ich nach Seeham zurückkommen, um selbst dort zu leben.“

ddy

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