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Grundschüler untersuchen Weltraumblumen: „Sonst haben wir im All nichts zu essen“

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Von: Marlene Kadach

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Es sprießt und grünt: Die Lehrerinnen (v.l.) Lisa Wildgruber und Else Bucher und ihre Schüler der Grundschule Weyarn zeigen die Beete mit den Blumen aus dem Saatgut, das mit Alexander Gerst auf der ISS war.
Es sprießt und grünt: Die Lehrerinnen (v.l.) Lisa Wildgruber und Else Bucher und ihre Schüler der Grundschule Weyarn zeigen die Beete mit den Blumen aus dem Saatgut, das mit Alexander Gerst auf der ISS war. © Andreas Leder

Zwei Kilo Samenmischungen hatte der ESA-Astronaut Alexander Gerst Ende 2018 im Gepäck, als er zu seiner Mission „horizons“ auf die Internationalen Raumstation (ISS) aufbrach. In einem Blindversuch untersuchen nun Grundschüler Wildblumensamen von der Erde und solche, die im Weltall anderen Bedingungen ausgesetzt waren.

Weyarn - Auch die Grundschule Weyarn nimmt an der bundesweiten Mitmachaktion „Space Seeds“ teil, die das Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) organisiert. Lehrerin Else Bucher (35), die mit Kollegin Lisa Wildgruber und 39 Viertklässlern Beete anlegte, berichtet von ersten Forschungsergebnissen.

Frau Bucher, Ihre Schüler haben Pflanzensamen gesät, die schon im Weltall waren. Wie kam es dazu?

Ich habe vor drei Jahren eine Lehrerfortbildung bei der ESA gemacht. Damals zum Thema Informatik und Robotik. Es ist wirklich toll, was die anbieten. Deshalb war ich in deren E-Mail-Verteiler drin und habe von der Mitmachaktion Space Seeds erfahren. Wir haben uns dann für das Projekt beworben und wurden genommen. Das ist schon eine Ehre, wenn man bedenkt, wie teuer es ist, ein Kilo Samen in den Weltraum zu bringen.

Und dann haben Ihre Schützlinge gleich zum Spaten gegriffen...

Nein, eigentlich haben wir die Samen bereits im März 2020 bekommen. Wegen des Lockdowns waren dann aber keine Schüler mehr im Schulhaus. Deshalb haben wir die Aktion verschoben und erst heuer im Frühling damit begonnen.

Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Wir haben rote und gelbe Tütchen mit Samen zugeschickt bekommen. Da es sich um eine Blindstudie handelt, wissen wir aber nicht, welche Samen nun wirklich im Weltall waren und welche nicht. Wir wollen ja auch unabhängig forschen. Dann haben wir vier Beete auf dem Schulhof angelegt – je zwei für die Samen aus den roten und den gelben Tütchen – und einen Weidenzaun drumherum gebaut, damit nichts kaputt geht. Inzwischen sieht man schon, wie die Pflanzen sprießen.

Und auf dem Schulhof sprießt nun...

So genau wissen wir das noch nicht. Auf jeden Fall ist eine große Anzahl an Wildkräutern und Gräsern mit dabei. Es geht ja um die Themen Artenvielfalt, Biodiversität und Umweltbewusstsein, die auch Alexander Gerst am Herzen liegen. Das hat er in einer Videobotschaft an die Schüler erklärt. Vom Weltall aus hat er gesehen, wie zerbrechlich unsere Erde ist.

Zu welchen Ergebnissen sind Ihre kleinen Forscher bislang gekommen?

Viele Kinder vermuten, dass die Samen aus dem Weltall schlechter wachsen, weil sie dort mehr Strahlung ausgesetzt waren. Wir werden am Ende ein Plakat mit unseren Forschungsergebnissen gestalten und an die ESA schicken.

Ein wichtiger Beitrag für künftige Raumfahrtmissionen?

Nicht alle Pflanzen reagieren gleich auf die äußeren Bedingungen. Es ist spannend zu beobachten, welche Pflanzen es im Weltall aushalten und welche nicht. Wenn wir eines Tages auf dem Mars oder auf einem anderen Planeten leben wollen, müssen wir wissen, welche Pflanzen den Transport durchs All überstehen würden. Sonst haben wir ja nichts zu essen.

Was wollen Sie als Lehrerin den Kindern mit der Aktion näherbringen?

Ich möchte die Kinder für das naturwissenschaftliche Arbeiten begeistern, das an Grundschulen häufig zu kurz kommt. Sie sollen lernen, wie man Thesen aufstellt und beweist, wie man in Versuchen Dinge beobachtet und Ergebnisse dokumentiert. Damit sie sehen, dass man später keine Angst vor Physik, Chemie oder anderen Naturwissenschaften haben muss.

Macht es den Kindern Spaß?

Die meisten sind begeistert und kümmern sich liebevoll um unsere Pflanzen. Auch Schüler aus anderen Klassen bleiben im Pausenhof oft vor unseren Beeten stehen und schauen, was sich dort getan hat.

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