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Das Wasserschloss in Thalham liegt mitten im Wasserschutzgebiet auf Weyarner Flur.

„Eine Emotionalisierung bringt wenig“

Stellungnahme: Das kritisiert Weyarn an der Ausweitung der Wasserschutzzone

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Die Gemeinde Weyarn schlägt in ihrer Stellungnahme zur Ausweitung der Wasserschutzzone Thalham-Gotzing-Reisach ruhige Töne an. In der Hoffnung, gehört zu werden.

Weyarn – Es könnte so einfach sein. Man nehme: einen kleinen, örtlichen Wasserversorger, vier Grundeigentümer und den Wunsch zur Ausweitung einer Wasserschutzzone. „Die setzten sich an einen Tisch – und schon ist das ausgekartelt“, sagte Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) jüngst im Gemeinderat. Doch so einfach ist es im Fall der Neufestsetzung des Wasserschutzgebietes Thalham-Gotzing-Reisach nun mal nicht. Das weiß freilich auch Wöhr.

Denn an besagtem Tisch sitzt nicht nur eine Handvoll Grundeigentümer. An diesem Tisch sitzen vier Kommunen, das Landratsamt Miesbach, etliche Behörden, betroffene Bürger – und natürlich die Stadtwerke München (SWM). Und zwischen den Beteiligten ging es zuletzt hoch her. Vorwürfe, Diskussionen, viel Lärm seitens der Betroffenen. Die Gemeinde Weyarn schlägt in ihrer Stellungnahme, die eine Rechtsanwältin für sie verfasst hat, ruhigere Töne an. In der Hoffnung, gehört zu werden.

„Eine Emotionalisierung des Verfahrens bringt wenig“, sagte Wöhr. Dabei ist seine Gemeinde betroffen wie kaum eine andere, liegt nicht nur geografisch im Zentrum der Debatte. Im Gemeindegebiet betreiben die SWM, die seit 1883 Trinkwasser im Mangfalltal fördern, drei Wassergewinnungsanlagen. Die bestehende „gute Kooperation“ will die Gemeinde nicht torpedieren. Gegen die Wasserentnahme habe man per se auch gar nichts einzuwenden, sagte Wöhr. Dennoch berge der aktuelle Verfahrensstand deutliches „Optimierungspotenzial“.

Konkret beanstandet die seitenlange Stellungnahme unter anderem die angedachte Gebietskulisse. Für die landwirtschaftlichen Flächen entlang der Staatsstraße von Thalham bis zur Gemeindegrenze Miesbach, an der Kreisstraße von Gotzing nach Wall, bei Langenegg sowie bei Gotzing und Ferdinand schwebt der Kommune daher eine Abstufung in eine geringere Schutzstufe vor. Oder die Herausnahme einzelner Bereiche. Dadurch, sagte Wöhr, wären 80 Prozent der Probleme erledigt.

Neben Stellungnahmen des Staatlichen Bauamtes und der Deutschen Bahn sind bei der Verwaltung auch Einwände betroffenere privater Grundeigentümer eingegangen, die die Gemeinde in weiten Teilen in allgemeiner Form in ihr Schreiben aufgenommen hat. Im Kern, führte Wöhr aus, fürchten die Grundbesitzer eine Wertminderung ihrer Flächen und bemängeln die fehlende Transparenz in Bezug auf Ausgleichsleistungen und die Übernahme von Kosten für Wasserschutzauflagen in der Landwirtschaft. Auch der Bestandsschutz ist Thema. „Darf ein Haus nach einem Brand wieder aufgebaut werden?“, fragte Wöhr exemplarisch.

Freilich ist auch die Gemeinde selbst betroffen. Kommunale Flächen und Liegenschaften fallen ins neue Wasserschutzgebiet. Deren künftige Entwicklung will man sichern. So soll etwa der Breitbandausbau „gewährleistet sein“, genauso wie die Sanierung des Straßennetzes. „Wenn ich das ertüchtigen will, wäre es verboten“, sagte Wöhr. Und das Gotzinger Feuerwehrhaus? Was, wenn Bauarbeiten anfallen?

Mit den anderen involvierten Kommunen sei man sich in einem einig: Am Verbotskatalog muss gefeilt werden. Zentrales Element: Befreiungen dürfen nur abgelehnt werden, wenn die SWM nachweisen können, dass ein Vorhaben den Wasserschutz gefährde.

Bis Donnerstag hat die Verwaltung Zeit die Stellungnahme, die der Gemeinderat ohne Diskussion einstimmig absegnet hat, beim Landratsamt einzureichen. Im Anhang: die Hoffnung, dass die beanstandeten Punkte am Tisch beim Erörterungstermin „intensiv“ diskutiert werden.

fp

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