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Anwohner Konstantin Klages steht an der Stelle, an der der Hang abzurutschen droht.

Hang bei Breitmoos 

Streit um Zuständigkeiten oder: Kampf der Gewalten

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Der Feldweg bei Breitmoos droht wegzubrechen – die Mangfall kommt immer näher. Dass etwas geschehen muss, steht für die Anwohner außer Frage. Dieser Weg ist der einzige Zugang zu ihren Häusern.

Weyarn-Breitmoos – Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) seufzt. Ein Thema, das ihn seit seinem Amtsantritt in Weyarn beschäftigt, lässt sich einfach nicht klären. Es geht um die Mangfall bei Breitmoos. Neben dem Fluss liegt ein geteerter Feld- und Waldweg, und weil sich das Ufer der Mangfall nach Osten verschiebt, kommt das Wasser dem Weg immer näher. „Der Hang geht ab“, sagt Wöhr. 

Bei Breitmoos macht die Mangfall einen Knick. Dort prallt das Wasser ans Ufer, jeden Tag wird ein kleines Stück mehr Land abgetragen. Seit dem Jahrhundert-Hochwasser 2013 ist der Fluss ganz an den Weg herangerückt. Und der musste in der Vergangenheit schon des Öfteren weichen. Grundstücksbesitzer haben immer wieder Fläche dafür hergegeben, damit die Straße versetzt werden konnte. Jetzt scheint das bald wieder notwendig zu werden. 

Schon Wöhrs Vorgänger Michael Pelzer beschäftigte sich damit. Ohne Erfolg. „Beim nächsten Hochwasser ist die Straße vielleicht nicht mehr da“, gab Wöhr kürzlich im Gemeinderat zu bedenken. Die Familie Klages hat dort aber Firma und Wohnhaus, rund sechs Grundeigentümer besitzen dort Waldflächen. Und auch die Wassergemeinschaft nutzt die Straße. „Und von der anderen Seite kann man das nicht erschließen“, sagt Wöhr. 

Eine Lösung muss also her, und zwar nicht erst nach dem nächsten Hochwasser. Nur: „Der politische Weg ist ausgeschöpft“, sagt der Rathauschef. Er würde das Mangfallufer an der kritischen Stelle am liebsten befestigen. Bei einer Besichtigung vor wenigen Wochen hat Wöhr wieder einen Rückschlag einstecken müssen. Die Naturschutzbehörde spreche bei der Mangfall von einem Wildfluss. „Aus fachlicher Sicht sei es sogar wünschenswert, dass der Hang abrutscht.“ Wöhr schüttelte den Kopf. Auch das Wasserwirtschaftsamt stand nicht auf seiner Seite, auch hier war man dagegen, ein Wildflussufer zu befestigen. 

Lediglich das Forstamt versuchte es mit einem Lösungsansatz: ein Bypass zur Mangfall. „Das hält dann vielleicht wieder eine Generation“, sagte Wöhr, der ironische Unterton war kaum zu überhören. Wöhr will das Problem endgültig lösen. Jetzt wartet er auf die rechtliche Beurteilung aus dem Landratsamt, das als Straßenbaulastträger zuständig ist. Bis eine Lösung in Sicht ist, hat der Gemeinderat die zulässige Gewichtsgrenze auf der Straße auf 7,5 Tonnen beschränkt. 

Ein kleiner Lichtblick: Wöhr hatte Gelegenheit, das Anliegen nochmals persönlich bei Ministerin Ilse Aigner vorzubringen. „Mir wurde zugesagt, dass man sich die Sache nochmal ansieht.“ Konkrete Pläne gebe es dafür aber nicht. „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.“

Das sagen die Anwohner

Konstantin Klages (30), Unternehmer

Meine Familie und einige Landwirte nutzen den Weg als Zufahrt zu den Anwesen. Außerdem ist das ein stark frequentierter Wanderweg. Ich habe in einem Brief an die Gemeinde schon erklärt, dass der Weg im Moment eher an eine afrikanische Bürgerkriegsstraße erinnert. Das Horrorszenario ist, dass der Hang abrutscht während ein Öllaster auf der Straße unterwegs ist. Da geht es 15 Meter weit runter. Wir fühlen uns alleine gelassen, niemand scheint zuständig. Die Gemeinde verweist auf das Wasserwirtschaftsamt, das wiederum sieht die Anwohner in der Pflicht. Mit Betonstützen könnte man das in den Griff bekommen, das würde Jahrhunderte überdauern.

Martin Rummel sen. (67), Landwirt 

1946 ist der Hang das erste Mal abgerutscht. 1960 hat mein Vater Grund hergegeben, damit dagegen etwas unternommen werden kann. Bis heute ist aber nichts passiert. Einen alternativen Weg zu bauen, macht für mich keinen Sinn. Das ist bestenfalls eine temporäre Lösung. Auch Betonpfeiler halte ich nicht für die geeignete Lösung. Die Mangfall ist an dieser Stelle sehr breit, man müsste Kies rüberschieben und das dann mit Steinen verbauen. Momentan scheitert so eine Lösung am Wasserwirtschaftsamt, das die Kosten tragen müsste. Eine Verlegung des Weges müssten dagegen Anwohner und Gemeinde bezahlen. 

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