+
Es wuselt am Taubenberg: Forstmaschinen haben Wege in Beschlag genommen, wie hier auf einer Route hinunter ins Fahrnbachtal. Bei einem Ortstermin wiesen (v. l.) Stefan Kramer (Abteilungsleiter Forsten im Landwirtschaftsamt), Jan Linder (Betriebsleiter städtische Forstverwaltung), Michael Lechner (WBV Holzkirchen) und Rainer List (Abteilungsleiter Wassergewinnung Stadtwerke) darauf hin, dass in nächster Zeit höchste Vorsicht geboten ist.

Ausnahmezustand am Taubenberg 

Schneebruch wird aufgeräumt: Radler und Wanderer müssen aufpassen

  • schließen

Die Motorsägen glühen. Seit Wochen schuften Forstarbeiter am Taubenberg, um den verheerenden Schneebruch aus dem Wald zu bekommen. Wanderer und Radler, die den Taubenberg gerne als Freizeitrevier nutzen, müssen bis Ende Mai höchste Wachsamkeit mitbringen.

Weyarn Jan Linder, Betriebsleiter der städtischen Forstverwaltung München, kennt den Taubenberg seit über zwölf Jahren. 1500 Hektar, etwa zwei Drittel des ganzen Taubenberg-Reviers, hat er für seinen Arbeitgeber zu pflegen und zu bewirtschaften. „Aber so etwas, das gab’s hier noch nie“, sagt er, steigt aus seinem Jeep und zeigt auf unzählige Fichten und Tannen, die der schwere Schnee und Winterstürme niedergelegt haben. „Uns blutet das Herz“, sagt Linder, „das waren gepflegte Bestände – und jetzt sieht’s aus, als hätten hier Bomben eingeschlagen.“

Etwa 10 000 Festmeter Holz, verteilt auf unzählige Plätze, sind umgefallen. Acht Einsatztrupps mit je zwei bis drei Mann sind im Dauereinsatz. Motorsägen jaulen, große Harvester greifen sich zerborstene Stämme, Rückewagen sortieren, Seilzüge rattern, große Transporter rollen mit gewaltigen Tonnagen über die Forstwege.

„Abgesehen von Hubschraubern haben wir alle Geräte im Einsatz, die bei Waldarbeit denkbar sind“, sagt Linder. Eine solche Betriebsamkeit im Frühjahr erlebt der Taubenberg zum ersten Mal. „Es wuselt im Wald“ sagt Linder, „und das leider zur Unzeit.“

Zur Unzeit deswegen, weil sich der Einschlag nicht wie sonst üblich auf die Wintermonate konzentriert, sondern sich weit ins Frühjahr zieht. Im Frühjahr, wenn der Untergrund matschig wird – und wenn auch Wanderer und Biker „ihren“ Taubenberg genießen wollen. Sie werden in den nächsten Wochen aber keine vorbildlich gepflegten, sondern von schwerem Gerät zerpflügte Wege vorfinden. Und sie werden öfter vor Absperrbannern stehen. „Bitte diese Banner unter keinen Umständen missachten“, betont Stefan Kramer, Abteilungsleiter Forsten im Landwirtschaftsamt Holzkirchen, „wer’s doch tut, riskiert sein Leben.“

Diese Warnung kann Michael Lechner, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen, unterstreichen. Auch im Privatwald werde derzeit geschuftet, um dem Borkenkäfer kein Futter im Wald zu lassen. „Wir stehen unter Zeitdruck“, sagt Lechner, „deswegen wird auch mal abends und an Wochenenden im Wald gearbeitet.“

Wie Linder weist er darauf hin, dass die Arbeiten kurzfristig auch mal unschöne Schneisen verursachen können. Auf ein ästhetisches Walderlebnis dürften Naherholer deswegen vorübergehend nicht überall hoffen. „Wo gehobelt wird, da fallen auch mal Späne“, sagt Lechner. „Der Wald ist verwundet“, sagt Linder, „und das sieht man zurzeit auch sehr deutlich.“ Wenn ab 20. April die Buchen ausschlagen, vermittle der Wald hoffentlich wieder eine entspanntere Atmosphäre.

Am Taubenberg ist schon viel geschafft. Jede Woche verlassen 1500 Festmeter den Wald in Richtung der großen Sägewerke in Tirol. „Ende Mai wollen wir fertig sein“, sagt Linder. Das derzeitige Überangebot, verursacht nicht nur durch den Schneebruch im Oberland, sondern etwa auch durch massivste Borkenkäfer-Probleme in Tschechien, ließ den Holzpreis um über 20 Prozent einbrechen. Statt 90 Euro zahlen die Säger aktuell nur 70 Euro für den Festmeter. „Der Preis ist total am Boden“, seufzt Lechner.

Und ob’s mittelfristig besser wird? Lechner ist skeptisch: „Wir Waldbauern sind Hauptbetroffene des Klimawandels.“ Besonders die Fichtenbestände, jahrelang der „Brotbaum“, leiden zusehends. „Es ist der Treibhauseffekt“, sagt Förster Stefan Kramer, „es wird wärmer und trockener, Stürme häufen sich.“

Schon jetzt pflanzt die städtische Forstverwaltung in der Münchner Schotterebene gezielt Baumarten, die mit weniger Wasser und höheren Temperaturen zurechtkommen, etwa die Elsbeere. Längst ächzen viele Wälder unter dem Klimawandel, sagt Linder und zitiert einen Kollegen: „Am Pol schmelzen die Eiskappen, bei uns schmilzt der Wald.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Frau will Tesla parken: E-Auto startet plötzlich durch und rast in Haus - Ermittlungen dauern an
Unfall mit Tesla: Dramatische Szenen spielten sich in einem Garten in Otterfing (Bayern) ab. Als eine Frau ihr Auto abstellen wollte, kam es zu einem Unglück.
Frau will Tesla parken: E-Auto startet plötzlich durch und rast in Haus - Ermittlungen dauern an
Lauter Knall wirft Anwohner rund um A8 aus Bett - dahinter steckt gruseliges Relikt
Der Knall war im Umkreis von vielen Kilometern zu hören: Unweit der A8 bei Holzkirchen hatte er seinen Ursprung. Die Polizei verrät auf Nachfrage Details.
Lauter Knall wirft Anwohner rund um A8 aus Bett - dahinter steckt gruseliges Relikt
Haibike eines Schülers aus Bushäuschen in Schmidham gestohlen 
Sind in der Gemeinde Valley professionelle Radldiebe unterwegs? Von einem Bushäuschen in Schmidham ist das „Haibike“ eines Buben verschwunden. Im Umfeld fiel ein …
Haibike eines Schülers aus Bushäuschen in Schmidham gestohlen 
Radler (49) rutscht auf Kürbisfalle aus 
Weil Unbekannte offenbar mutwillig auf dem Radweg zwischen Weyarn und Mitterdarching Kürbisse zerschlugen, rutschte am Samstag ein Radler weg und verletzte sich dabei. …
Radler (49) rutscht auf Kürbisfalle aus 

Kommentare