Beim Kletterzentrum

Tesla will 20 E-Ladesäulen bauen - aber Naturschutz kommt in die Quere

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Auto-Hersteller Tesla möchte in Weyarn eine E-Tankstelle bauen. Doch der Naturschutz macht einen Strich durch die Rechnung, und auch die Gemeinde hat Punkte zu beanstanden.

Weyarn – Die E-Mobilität schert aus auf die Überholspur. Um jedoch endgültig Fahrt aufzunehmen, hapert es noch an der Infrastruktur. Eine Überzeugung, zu der nicht zuletzt die Teilnehmer der 3. E-Mobilitätskonferenz in Holzkirchen, organisiert vom Verein Metropolregion München, gekommen sind. Der Tenor: Über Gemeinde- und Landkreisgrenzen hinweg muss elektrische Fortbewegung gefördert werden. Dazu zählt insbesondere der sukzessive Ausbau der Ladestationen für E-Autos.

Bei der Konferenz im Oberbräu-Festsaal saß Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) in der ersten Reihe. Er war also noch voll im Thema, als in der jüngsten Gemeinderatssitzung eine entsprechende Anfrage für die Kletterhalle am Weiglfeld auf dem Ratstisch landete. Nördlich davon plant Elektroauto-Hersteller Tesla, eine autobahnnahe E-Tankstelle für den überregionalen Verkehr einzurichten. An sich vorstellbar, urteilte der Gemeinderat, doch was Platzierung, Ausführung und Zahl der Säulen angeht, gab es Bedenken.

Der Hauptkritikpunkt: Die Tesla-Entwürfe sehen bis zu 18 Schnellladesäulen, sogenannte Super-Charger mit einer Ladezeit von 30 Minuten vor, an denen ausschließlich E-Autos aus eigener Produktion mit Strom betankt werden können. Modelle anderer Hersteller wären nicht kompatibel, „weil sie die Ladung nicht vertragen“, erklärte Wöhr. Zwar habe der Autobauer angeboten, auch zwei „langsamere“ Säulen zu errichten, was den Gemeinderäten allerdings als nicht ausreichend erscheint. „Es ist nicht sinnvoll, nur Tesla-Autos zu fördern“, sagte UWG-Fraktionsvorsitzender Ernst Weidl. „Wir wollen ja die E-Mobilität insgesamt voranbringen.“

Doch nicht nur das Verhältnis von Schnell- und Langsamladesäulen beanstandeten die Gemeinderäte, sondern auch deren Gesamtzahl. „Das waren uns zu viel“, erläuterte Betty Mehrer (SPD) das Urteil des Bauausschusses, der vorab bereits über die Anfrage beraten hatte. Sie plädiert für zehn Säulen, und zwar in einem Verhältnis von sechs für Tesla, vier für andere Modelle, wie Georg Huber (CSU) anfügte.

Nun ist es freilich nicht so, dass der Weyarner Gemeinderat die Notwendigkeit an Auflademöglichkeiten für E-Autos verkennt und deswegen die Zahl drücken möchte. Jedoch sieht das Gremium sich einen Parkplatz-Engpass rund um die Kletterhalle anbahnen. Schon jetzt werde der Wendehammer am Ende der Straße am Weiglfeld häufig zweckentfremdet und zugeparkt, monierte Weidl. Dass öffentliche Parkplätze, wie im aktuellen Konzept vorgesehen, für E-Lade-Plätze geopfert werden, sollte man daher tunlichst vermeiden, so der Tenor im Gemeinderat. Wo also die Stellplätze samt Ladesäulen unterbringen?

Eine Option fällt vorerst flach: Das für den Elektro-Parkplatz vorgesehene, derzeit unbebaute Areal im Norden der Kletterhalle wurde laut Wöhr ehedem als Ausgleichsfläche für das Zentrum ausgewiesen. Wie die Untere Naturschutz Behörde nun wissen ließ, führte der Bürgermeister aus, lehne sie die Überplanung von festgesetzten Ausgleichsflächen ab.

„So wie das Konzept jetzt ausschaut, ist es nicht realisierbar“, fasste Wöhr zusammen. Tesla muss also nochmal ran. Die Entwürfe werden zurückgeschickt mit dem Vermerk, dass die E-Tankstelle grundsätzlich vorstellbar sei, allerdings nur in geringerer Anzahl, nicht zu Lasten von bestehenden Parkplätzen und mit einer breiteren Kompatibilität für andere Modelle.

fp

Rubriklistenbild: © dpa / Chuck Burton

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