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„Der eine darf bauen, der nächste nicht“: Martin Pemler, Verwaltungschef im Landratsamt, bekam in Reinthal Baurecht, ein Haus errichtete er selbst, die Restfläche verkaufte er. Sein Nachbar Thomas Landerer hingegen kann das Grundstück daneben (r.), von wo man einen Blick auf den Seehamer See hat, nicht bebauen. 

„Der eine darf bauen, der nächste nicht“

Landerer blitzt ab – Pemler auch

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Thomas Landerer fühlt sich ungerecht behandelt. Er darf seinen Grund nicht bebauen, nebenan stehen Häuser. In einem wohnt der Verwaltungschef im Landratsamt. Mit weiteren Anträgen blitzten nun beide ab. 

Weyarn – Im Moment wohnt Thomas Landerer in Hausham, doch er leidet an Heimweh. Ursprünglich kommt er aus dem Goldenen Tal. „Weyarn ist und bleibt meine Heimat“, sagt er. Deswegen möchte der 55-Jährige seinen Lebensabend hier verbringen. Vor zehn Jahren kaufte er ein Grundstück im Ortsteil Reinthal. „Ein traumhaftes Grundstück mit Blick auf den Seehamer See.“ Seither kämpft er darum, dieses zu bebauen.

Jetzt hat Landerer einen weiteren Anlauf gestartet. Der Gemeinderat behandelte eine Anfrage zum Neubau eines Einfamilienhauses mit Garage auf dem Grundstück am südlichen Ortsrand. Außerdem lag ein Antrag von Martin Pemler vor, in dem er um Einbeziehung der östlichen Teilfläche seines Grundstücks bittet, das direkt neben Landerers liegt. Laut Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) möchte er dort ein drittes Haus genehmigt bekommen. Allerdings hatte Pemler seinen Antrag unter folgenden Vorbehalt gestellt: „Wenn wir das Gebiet nicht beplanen, wird der Antrag zurückgestellt.“

Die Vorgeschichte: Der Gemeinderat hatte Landerers Ansinnen mehrmals abgelehnt, weil seine Fläche im Außenbereich liegt (wir berichteten). Kurz darauf wollte Pemler das Grundstück nebenan bebauen. Einige im Gemeinderat witterten Ungleichbehandlung. Das Pikante: Pemler ist Leiter der Verwaltung im Landratsamt, Landerer ein gewöhnlicher Bürger. Der Gemeinderat lehnte Pemlers Bauwunsch zunächst ab – hinterher aber ersetzte das Landratsamt das verweigerte gemeindliche Einvernehmen. Die Fläche befinde sich im Innenbereich und dürfe bebaut werden, hieß es. Um Spekulationen vorzubeugen, ließ sich die Behörde ihre Entscheidung von der Regierung von Oberbayern bestätigen. Pemler durfte bauen, einen Teil seines Grunds verkaufte er. Inzwischen stehen dort zwei Einfamilienhäuser – während auf Landerers Fläche gähnende Leere herrscht. Der 55-Jährige fühlt sich ungerecht behandelt: „Einen Normalbürger muss man genauso behandeln wie einen Direktor vom Landratsamt.“ Pemler sah sich baurechtlich stets im Recht: Sein eigenes Grundstück liege im Innenbereich, weil dort bereits eine Bebauung existiere (die er abreißen ließ), erklärte er damals gegenüber unserer Zeitung. Den Vorwurf der Bevorzugung qua Amt hielt er für „völlig ungerechtfertigt“. Eine Sonderbehandlung wäre ihm auch gar nicht recht.

Dank der fertigen Häuser auf dem Nachbargrund witterte Landerer nun eine neue Chance, er setzte auf eine Ortsabrundung. Kanal, Wasser, Strom seien vorhanden. Er wäre bereit, der Gemeinde einen Teil seines Grunds für Einheimischenbauland abzugeben, um bodenpolitische Grundsätze zu erfüllen.

Trotzdem blitzte Landerer nun erneut im Gemeinderat ab. Pemler erging es genauso. Wöhr betonte, dass beide Flächen im Außenbereich liegen. Um sie baureif zu machen, müsste die Gemeinde eine Ortsabrundungssatzung erlassen oder einen Bebauungsplan aufstellen. Doch die Mehrheit dachte gar nicht daran. Betty Mehrer (SPD) meinte: „Für die Gemeinde gibt es keinen Grund, den Ort da zu erweitern.“ Eine Zustimmung wäre „eine Gefälligkeitsplanung.“ Franz Demmelmeier (SPD) sagte, dass es nun mal einen Ortsrand gebe. „Irgendwann geht es nicht mehr.“ Alles andere wäre eine „städtebaulich falsche Planung“. Klaus Pelikan (CSU) sah das genauso. Ernst Weidl (UWG) brach eine Lanze für Landerer. Regierung und Landratsamt hätten der Gemeinde Pemlers Bebauung „aufs Auge gedrückt“, sagte er. „Da sind wir über den Tisch gezogen worden.“ Schon damals kam Weidl Pemlers Bebauung – statt einem alten Haus sollten zwei entstehen – zu massiv vor. Und: „Der eine darf bauen, der nächste nicht.“ Auf Anfrage sagt er, dass er es für „wenig feinfühlig“ hält, dass Pemler sofort seinen Antrag stellte – und nicht die Entscheidung über Landerers Vorhaben abgewartet habe.

Am Ende stimmte der Gemeinderat mehrheitlich – mit Ausnahme von Weidl – dafür, Landerers Antrag abzulehnen. Pemlers Antrag wurde einstimmig zurückgewiesen. Enttäuscht ist Landerer nicht. „Ich habe damit gerechnet“, sagt er. Er will eines Tages trotzdem einen weiteren Anlauf starten. „Wenn es einen neuen Gemeinderat gibt“, meint er. „Da gebe ich ja nie auf.“

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