Bekannte Band mit neuem Namen: Wolfgang Hierl, Tobias Öller und Erich Kogler haben sich von Ciao Weiss-Blau in 3 Kritische umbenannt. Zusammen mit Christine Eixenberger traten sie auf der Open-Air-Bühne der Weyhalla auf.
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Bekannte Band mit neuem Namen: Wolfgang Hierl, Tobias Öller und Erich Kogler haben sich von Ciao Weiss-Blau in 3 Kritische umbenannt. Zusammen mit Christine Eixenberger traten sie auf der Open-Air-Bühne der Weyhalla auf.

„Mia langt‘s mit Me Time“

Vorpremiere in Weyarn: Christine Eixenberger und 3 Kritische bei Open Air

  • VonHeidi Siefert
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Einen amüsanten Rückblick auf den Lockdown-Wahnsinn haben Christine Eixenberger und die Band 3 Kritische beim Open Air an der Weyhalla gezogen.

Weyarn – Was ist eigentlich aus dem Mülleimer geworden, den Christine Eixenberger eingangs des Abends am Bühnenrand platziert hatte, um dort eine „nationale Reserve“ anzulegen? Sprich „wir sammeln unhygienische, unbrauchbare Dinge, die wir dem Jens Spahn verkaufen“. Gesungen zur Melodie der „Schwäb’schen Eisenbahn“ kam da zumindest gedanklich von gebrauchten Taschentüchern über Wadenwickel mit Quarkresten bis zu Hühneraugenpflastern einiges zusammen und setzte sich als hartnäckiger Ohrwurm fest, bis es vom nächsten musikalischen Intermezzo der während der Pandemie von „Ciao Weiss-Blau“ zu „3 Kritische“ umfirmierten Wolfgang Hierl (Gitarre, Flöte), Erich Kogler (Kontrabass, Steirische, Trompete) und Tobias Öller (Gitarre, Ukulele, Loop Station) ersetzt wurde.

Ohne viel Vorlauf hatten sich „Christine Eixenberger & Band 3 Kritische“ Weyhalla-Wirt Girgl Ertl zur Vorpremiere ihres neuen, was die Spieldauer angeht, coronatauglichen Programms angeboten. Der wiederum habe spontan zugesagt („kemmt’s vorbei“) und so saßen sie, teilweise unter einem besonders intensiv leuchtenden Regenbogen und bisweilen von lautem Vogelgezwitscher begleitet, auf der neuen Open-Air-Bühne, um in zwei Schichten live vor einem sichtlich dankbaren Publikum zu spielen und diesem gleich noch mal das monatelange Homeschooling vor Augen zu führen. Manch einer wird ein Aha-Erlebnis gehabt haben, wenn Lehrerin Eixenberger versucht, ihre Klasse am Bildschirm zu versammeln.

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Auf jeden Fall amüsierte es diejenigen sichtlich, die selbst zuletzt digital unterrichtet wurden, wie die temperamentvolle Kabarettistin parallel Fortnite-Abenteuer besteht, vom Bildschirm-Hintergrund mit dem Fischbachauer Knödelfest sichtlich gerührt ist („des war no vor’m Kriag“) und die verbleibenden Schüler noch verliert, weil beim einen der Vater den Laptop braucht und beim anderen die Mama den Pausenverkauf mit Presssacksemmeln eröffnet. Da ist der bedächtige Simon, der davon träumt „Computerspielfachzeitschriftenchefredakteur“ zu werden und mit seiner langsamen Art einen wohltuenden Gegenpol zum hyperaktiven Durchschnitt darstellt.

„ADHS gilt mittlerweile als Statussymbol“, sinnierte Eixenberger und erzählte vom Overkill an „Me Time“ während des Lockdowns. „Ich bin mit mir selbst spazieren gegangen. Ich hab mir selbst vorgelesen. Ich hab mit mir selbst Mensch-ärgere-Dich-nicht gespielt.“ Verstörend sei das, gleichzeitig für und gegen sich zu sein. Unwesentlich besser wurde die Lage durch eine Beziehung, die sich ausschließlich in Wohnzimmer und Wald abgespielt habe und in der ob dieser Intensität ein Jahr für fünf zähle. Kritisch sei es geworden, als sie sich gerade noch zurückhalten konnte, als sie fünf Jugendlichen aus mehr als zwei Haushalten aus dem Fenster ein befehlendes „ausanand!“ zuschreien wollte. „Mia langt’s mit Me Time!“ lautet das Fazit, das sie mit Musikern und Publikum teilt.

Und wenn auch manches im Programm noch ein wenig holperte, machte es insgesamt Spaß. Vor allem im Zusammenspiel mit der Musik, die mit dem Groupie-Song als Zugabe einen wunderbaren Schlusspunkt setzte.  

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