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„Konkrete Darstellung hilft Menschen“: Pater Stefan Havlik vor einem Engel.

Interview mit Pater: „Die Sehnsucht nach ihnen ist da“

Warum Engel für die Menschen von heute so wichtig sind

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Viele stellen sie sich als wohlgenährte Kinder vor: Über Engel hält der Weyarner Pater Stefan Havlik (36) einen Vortrag. Ein Gespräch über Sehnsüchte, Kitsch, Esoterik und Trump.

Pater Stefan, vor was hat Ihr persönlicher Schutzengel Sie schon bewahrt?

Pater Stefan: Ich habe wie jeder andere Mensch auch einen persönlichen Schutzengel. Gott schickt sie uns. Bislang habe ich keine dramatische Erfahrung gemacht, vor der mich mein Engel gerettet hat. Aber ich bin mir sicher, dass er mich schon vor vielen Dingen bewahrt hat, die gefährlich hätten sein können.

Muss man sich Engel als niedliche, etwas kitschige Putten vorstellen, so wie man sie häufig in Kirchen oder auf Kunstwerken sieht?

Pater Stefan:  Das ist ein wichtiger Punkt: Die Putten stammen aus der Barockzeit und haben unser Engelbild stark geprägt. Der Barock war eine Zeit, in der es eine hohe Kindersterblichkeit gab, viele starben an Unterernährung. Für deren Eltern musste die Kirche einen Trost anbieten. Daher stehen in vielen Kirchen wohlgenährte, fast übergewichtige Kinder-Figuren. Die Flügel suggerieren, dass sie zum Hofstaat Gottes gehören. Streng genommen sind Putten aber gar keine Engel.

Werden sie also nur als ausgewachsene Männer dargestellt?

Pater Stefan:  Auch. Erzengel Gabriel zum Beispiel ist der Botschafter, der Maria ihre Empfängnis Jesu verkündet. Erzengel Raphael gilt als Urvater der Schutzengel und Michael als Anführer der himmlischen Heeresscharen. Eigentlich haben Engel jedoch kein Geschlecht, die konkrete Darstellung hilft den Menschen aber dabei, sie sich besser vorzustellen. In den Kunstwerken wurden sie eben meist männlich dargestellt.

Müssen sie auch so hart arbeiten wie Erwachsene?

Pater Stefan:  Sie sind in erster Linie die Willenserfüller Gottes. Derjenige aber, der so sein will wie Gott, wird gestürzt. So wie Luzifer.

Welche Rolle spielten diese überirdischen Wegbegleiter früher?

Pater Stefan:  Aus Gottessicht spielen sie die ganze Menschheitsgeschichte über eine wichtige Rolle. Die Frage ist: Wie nehmen wir sie wahr? Auch heute haben viele Menschen eine Sehnsucht nach ihnen.

Und wie drückt sich diese Sehnsucht aus?

Pater Stefan:  In jedem Gartenmarkt gibt es Engels-Figuren, viele haben einen kleinen Schutzengel im Auto. Und in vielen modernen Liedern ist von „angels“ die Rede.

Klingt nach Kitsch...

Pater Stefan:  Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde in der Kirche wenig über Engel gesprochen, sie wurden als Kitsch des 19. Jahrhunderts angesehen. Das finde ich schade, weil die Sehnsucht der Menschen ist ja da. Wenn die Kirche ihnen hier nichts anbietet, besteht die Gefahr, dass die Leute sich in die Esoterik flüchten.

Stimmt. Oft sind diese himmlischen Wesen heutzutage in der esoterischen Ecke zu finden. Wie lässt sich das mit kirchlichen Vorstellungen vereinbaren?

Pater Stefan: Esoterik bedeutet übersetzt „Geheimlehre“. Jeder kann sich hier sein eigenes Bild basteln. Die Esoterik verspricht den Menschen – zum Beispiel über sogenannte Engelskarten – dass jeder jedem einen Engel schicken kann. Das stimmt aber nicht. Nur Gott sendet Engel.

Ihr Rat: Wie kann man den kleinen Helfern im Alltag begegnen?

Pater Stefan: Wir können Gott bitten, dass er uns einen Engel spürbar macht. In einer Welt von Fake-News, wo Menschen so vielen Einflüssen ausgesetzt sind, brauchen sie jemanden, der die schlechten abwehrt.

Der amerikanische Präsident Donald Trump verbreitet ja auch gerne unbelegte Wahrheiten. Brauchen seine Anhänger vielleicht dringend einen Engel?

Pater Stefan:  Die Menschen brauchen Wesen, die sie auf den Boden der Tatsachen zurückbringen – angesichts der Hysterie, des Hypes. Die einen sehen Trump als Messias der Welt, die anderen befürchten einen Weltuntergang. Beides wird nicht eintreten. Vielleicht braucht es hier einen Engel, der Gelassenheit bringt.

Seinen Vortrag

„Engel – zwischen Kitsch, Kunst und Kirche“ hält der Weyarner Pater Stefan Havlik vom Deutschen Orden am Mittwoch, 1. Februar, um 20 Uhr im Mariensaal des Klosters Weyarn. Der Eintritt beträgt vier Euro.

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