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Das Bier fließt: Als Wirtshaus-Bedienung stand Katharina Kink acht Jahrzehnte hinter dem Tresen.

„Das ist Ihr Leben“

Diese Bedienung feiert 80-jähriges Arbeitsjubiläum im Wirtshaus - die Geschichte einer Liebe

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Katharina Kink war 16 Jahre jung, als sie in „ihr“ Wirtshaus in Naring kam. Heute ist sie 96 – und feiert ihr 80-jähriges Arbeitsjubiläum als Bedienung. Es ist die Geschichte einer Liebe, die schleppend begann, dann aber umso schöner wurde.

Naring – Kein Geschäft, keine Kirche, nichts. Am Anfang fand es Katharina Kink in Naring bei Weyarn (Kreis Miesbach) furchtbar langweilig. Als sie vor 80 Jahren als 16-jähriges Mädchen von Prien am Chiemsee (Kreis Rosenheim) in den kleinen Weiler kam, wollte sie schnell wieder weg von dort. Unter den Nationalsozialisten war ein hauswirtschaftliches Pflichtjahr vorgeschrieben – und Kink musste es bei dem Wirtspaar Albert und Anna Huber in Naring absolvieren. „Zuerst hat es mir nicht so gefallen, da war ja nichts los“, erinnert sie sich. Dass sie ihr ganzes Leben dort verbringen würde – sie hätte es sich nicht vorstellen können.

Doch genau so ist es gekommen: Noch immer hält Katharina Kink, bekannt als Kathi, der Familie und der Wirtschaft „Zum Goldenen Tal“ die Treue. Anlässlich ihres 80-jährigen Arbeitsjubiläums wurde sie jetzt in der Münchner Residenz von der Staatssekretärin für Familie, Arbeit und Soziales, Carolina Trautner (CSU), ausgezeichnet.

Naring bei Weyarn: Katharina Kink hat die Erde mehr als zwei Mal umrundet

Gleich dreimal hätte sie überprüft, ob bei der Zahl der Jahre auch wirklich kein Fehler passiert ist, erzählte Trautner. Doch es hatte alles seine Richtigkeit. „Sie sind Ihren Weg in beispielhafter Weise gegangen. Schritt für Schritt. Etappe für Etappe“, würdigte die Staatssekretärin alle Jubilare. Für Kink gilt das ganz besonders. 1977 hatte sie sich einen Schrittzähler gekauft, um zu messen, welche Strecke sie als Bedienung zurücklegt. Ende 2016 war die Strecke mehr als zweimal so lang wie der Erdumfang.

Eine Ehrenurkunde bekam Katharina Kink von Staatssekretärin Carolina Trautner überreicht.

Als Kink 1939 nach Naring kam, hatte sie viele Aufgaben. Für zehn Reichsmark im Monat musste sie unter anderem auf dem Feld, bei den Fremdenzimmern und in der Wirtsstube anpacken. Jeden Morgen schälte sie erst einmal die Kartoffeln, jeden Montag war Waschtag. Auch bei der Betreuung der Kinder der Wirtsfamilie half sie mit. Als sie nach dem Pflichtjahr wieder gehen wollte, war die Wirtin gerade mit dem dritten Mädchen schwanger. „Deshalb bin ich geblieben“, erinnert sie sich. Bereut hat sie es nie: „Ich bin immer sehr gerne da gewesen.“ Fünf Wirtskinder und vier Pflegekinder hat sie aufwachsen sehen und sich mit viel Liebe um sie gekümmert. Eine eigene Familie hat sie nie gegründet. „Die Kinder haben immer gesagt, ‚Du gehörst zu uns‘“, erzählt sie, und grinst verschmitzt.

Naring bei Weyarn: Katharina Kink kehr zwei Mal pro Woche ins Wirtshaus zurück

Und sie gehört in das Wirtshaus „Zum Goldenen Tal“. „Das Wirtshaus ist Ihr Leben“, sagte Staatssekretärin Trautner. „Sie haben sich auch einmal zu Gästen zum Ratschen an den Tisch gesetzt.“ Kink ist gerne gereist, sie war schon in Singapur, der Dominikanischen Republik, an der Côte d’Azur und vielen weiteren schönen Orten in der ganzen Welt. Doch immer wieder hatte sie Heimweh nach Naring.

Inzwischen lebt Kink in einem Seniorenheim, aus gesundheitlichen Gründen musste sie das regelmäßige Bedienen aufgeben. „Aber zwei Mal in der Woche lassen Sie es sich nicht nehmen, an Ihre alte Wirkungsstätte zurückzukehren und nach dem Rechten zu schauen“, verriet Trautner.

Naring bei Weyarn: Katharina Kink fühlt sich unter Stammgästen wohl

„Mir macht die Arbeit eben Spaß“, sagt Katharina Kink. „Mir gefällt es, dass ich dort so viele Leute treffe.“ Wenn sie jeden Sonntag in das Wirtshaus kommt und die Stammgäste am Stammtisch sitzen, dann fühlt sie sich wohl. Und dann lässt sie es sich auch noch immer nicht nehmen, mit anzupacken. „Das Geschirr trage ich schon noch weg“, sagt sie. „Die Gäste freuen sich auch immer, wenn ich da bin.“ Zur Ehrung hat Katharina Kink natürlich ihr fesches Dirndl angezogen, ganz so, wie es sich für eine Bedienung gehört.

Veränderungen stehen derweil bei einem anderen Wirtshaus in Weyarn an. Die Wirtschaft am Seehamer See steht vor einem Pächterwechsel. Und in Münsing musste ein Traditionsgasthaus gleich ganz schließen. In dem Ort brach kürzlich eine unbekannte Frau in einen Kuhstall ein, um Tiere zu befreien

Claudia Schuri

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