Energie für Weyarn: Die Gemeinde würde gern den Brunnthaler Windkraft-Standort übernehmen.
+
Energie für Weyarn: Die Gemeinde würde gern den Brunnthaler Windkraft-Standort übernehmen.

Bürgermeister reicht Bewerbung bei Ministerin ein

Nach Ausstieg Brunnthals: Weyarn bewirbt sich um Windrad-Standort im Hofoldinger Forst

  • Andreas Höger
    VonAndreas Höger
    schließen

Die Gemeinde Weyarn bewirbt sich um einen Windrad-Standort im Hofoldinger Forst. Nach dem Ausstieg Brunnthals aus der Arge Windenergie Hofoldinger Forst bietet Weyarn an, den Brunnthaler Windrad-Standort zu übernehmen. Noch räumen die Staatsforsten der Standortgemeinde zwar ein Veto-Recht ein. Doch nicht nur Weyarns Bürgermeister geht davon aus, dass dieses Veto bald hinfällig wird.

Weyarn – Die ArGe Windenergergie Hofoldinger Forst ist auf Kurs. Die Gemeinden Otterfing, Aying und Sauerlach, unterstützt von den Landkreisen München und Miesbach, planen je ein Windrad in einem gemeinsamen Cluster entlang der Autobahn. Bis zum Frühjahr war auch Brunnthal mit im Boot. Nach einer 11:8-Entscheidung des Gemeinderats stieg Brunnthal aber aus; die Mehrheit des Gremiums fürchtete, dass zu viel wertvoller Wald für das Windrad geopfert werden müsste. So stehen aktuell nur noch drei Standorte zur Debatte. Im Herbst sollen die Genehmigungsunterlagen eingereicht werden.

Der bereits vorgeplante und auch wirtschaftlich viel versprechende Brunnthaler Standort liegt derzeit brach – so sieht es Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU). Er hinterlegte jetzt brieflich bei Bayerns Landwirtschafts- und Forstministerin Michaela Kaniber (CSU), die zugleich als Aufsichtsrats-Vorsitzende der Bayerischen Staatsforsten fungiert, dass Weyarn sich um den Standort bewerbe, um dort ein Windrad mit Bürgerbeteiligung zu realisieren.

„Solche Standorte gibt‘s nicht viele“

„Das Ganze soll keine feindliche Übernahme werden“, versichert Wöhr. Und er wisse, dass es einen Beschluss des Staatsforsten-Aufsichtsrats gibt, wonach das Staatsunternehmen keine Windräder gegen den Willen einer Standortgemeinde ermöglichen wird. „Doch andererseits kündigte die Staatsregierung im Juli an, in Staatswäldern bevorzugt Windräder errichten zu lassen“, sagt Wöhr. Sollte sich daraus ergeben, dass die Staatsforsten das Veto-Recht für Standortgemeinden kassieren, stehe Weyarn bereit. Der Standort sei geprüft und genehmigungsfähig. „Der Apfel ist ziemlich reif“, findet Weyarns Bürgermeister, „solche Standorte gibt’s nicht viele.“

Das Erstzugriffsrecht solle immer bei Brunnthal bleiben, findet Wöhr. „Doch wenn sie nicht wollen, sollte der Standort nicht meistbietend an Investoren vergeben werden.“ Er bat die Ministerin vielmehr darum, Kommunen aus der Region die Möglichkeit einzuräumen, dort ein „Bürgerwind“-Projekt anzupacken. Weyarn sehe hier eine Chance, dem ehrgeizigen Ziel, bis 2025 den Eigenbedarf mit klimaneutraler Energie zu decken, ein gutes Stück näher zu kommen.

Die Gemeindewerke Weyarn, so Wöhrs Vorschlag, könnten das Projekt federführend übernehmen, eventuell unter Beteiligung der Bürgersolarstrom Feldkirchen-Westerham & Weyarn GbR und anderer Gemeinden im Landkreis Miesbach. „Mobilität ändert sich, wir brauchen mehr Strom denn je“, sagt Wöhr. „wir würden gerne helfen, den Strom in der Region zu produzieren.“

Veto-Recht der Gemeinden könnte bald kassiert werden

Eine Kopie des Briefs schickte Wöhr an Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU), der das Thema prompt auf die Tagesordnung der morgigen Gemeinderatssitzung setzte. Eine neue Abstimmung werde es zwar nicht geben, sagt Kern auf Anfrage, „weil sich an der Sach- und Rechtslage seit März nichts geändert hat“. Doch auch er ist sich sicher, „dass das Veto-Recht der Gemeinden bald wegfallen wird, weil wir in Bayern mehr Windkraft brauchen“. Sollte das der Fall sein, müsse der Gemeinderat neu entscheiden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir zusehen, wie eine andere Gemeinde bei uns ein Windrad baut.“

Kern hatte im Frühjahr vergeblich um einen Verbleib in der ArGe gekämpft. Er prophezeit, dass nach der Bundestagswahl die nur in Bayern angewandte 10H-Beschränkung fällt und mehr Windräder möglich werden. „Ich bin gegen Wildwuchs“, sagt Brunnthals Bürgermeister. Aber ein kleines Windkraft-Cluster im Hofoldinger Forst sei für ihn vertretbar. Die Weyarner Offerte halte er „für ganz nett“ und nimmt sie zum Anlass, um den Gemeinderat auf die Dynamik neuer Entwicklungen vorzubereiten. „Vielleicht wollen die Staatsforsten ja bald sogar selber Windräder bauen.“

Mehr Infos zum Thema finden Sie hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare