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Stoff statt Plastik oder Papier: Die Wirkstatt näht Einkaufstaschen – wie hier Maria Dietl (l.) und Zabib Worade am Stand beim Weyarner Zukunftsfest am Wochenende.

Wirkstatt Anders Wachsen 

Einkaufstaschen aus alten Hemden: Lang lebe der Breznbeutel  

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Plastiktüten sind gottlob auf dem Rückzug, Papiertüten sind aber auch nicht der Königsweg.  Eine Gruppe „Freibeutler“ in Weyarn hat eine Lösung gefunden:  den „Breznbeutel“.   

Weyarn – Mittlerweile hat man sich als Kunde daran gewöhnt. Bei großen Mode-Ketten, etwa dem schwedischen Textilkonzern mit zwei Buchstaben, kosten Plastiktüten, in denen man den Einkauf verstaut, zehn Cent, vielleicht 20 Cent. 

In vielen Supermärkten sind die umweltschädlichen Tragehilfen inzwischen gänzlich aus dem Sortiment verbannt. Allein bei Rewe werden deutschlandweit dadurch nach Angaben des Unternehmens jährlich gut 140 Millionen Plastiktüten eingespart. Als Alternative liegen Papiertüten in verschiedenen Größen bereit. Schön umweltfreundlich – möchte man zumindest meinen.

Für die Wirkstatt Anders Wachsen, die sich für Nachhaltigkeit im Landkreis einsetzt, sind die Papiertüten auch nicht der Königsweg. Sie würden zwar als „harmlos“ gelten, da sie aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, jedoch hätten sie – im starken Kontrast zu den langlebigen Plastiktüten – eine viel zu kurze Lebensdauer. Zu oft würden die Papiertüten nach dem Einkauf umgehend im Müll landen. Fünf „Freibeutler“ wollen sich dieses Problems nun annehmen.

Die gleichnamige Arbeitsgruppe der Wirkstatt hat sich mit der Frage beschäftigt, wie Kunden Verpackung einsparen können. Die Lösung: Breznbeutel. Taschen, aus „upgecycelten“ Stoffen. Sprich: ausrangierten Bettwäsche, Geschirrtüchern, Tischlacken – oder Hemden. Die Größe ist egal. Für einen Beutel brauche es lediglich ein 20 auf 30 Zentimeter großes Stück Stoff, erklärt Anschi Hacklinger, eine der Initiatoren der Wirkstatt. Viel wichtiger sei es, Stoffe zu nehmen, die man daheim hat und keine neuen zu kaufen. Hacklinger: „Es geht darum, etwas zu nehmen was schon da ist.“

Und der ausgefallene Name? Der leitet sich aus dem Einsatzbereich der Breznbeutel ab: beim Einkaufen beim Bäcker etwa.

Einen Mitstreiter haben die Freibeutler in Florian Perkmann, stellvertretenden Obermeister der Bäckerinnung, gefunden. Auch für ihn stellt der enorme Verbrauch an Verpackung ein Problem dar. „Wir geben viele Tausend Euro im Jahr für Papiertüten und -becher aus“, sagt Perkmann. Geld, das schnell im Müll landen würde. „Es sind einfach große Mengen Papier, die tagtäglich über die Theke gehen und zwei Minuten später weggeworfen werden.“ Perkmann schätzt, dass allein in Miesbach jeden Tag mindestens 10 000 Papiertüten in Bäckereien ausgegeben werden. Im Jahr wären das über 3,5 Millionen Papiertüten.

Es geht auch anders, findet Hacklinger. „Das ist ein Thema, bei dem wirklich jeder sich problemlos umstellen kann“, sagt sie. Die Freibeutler wollen nun den Anstoß zum Umdenken geben. 1000 Breznbeutel wollen sie bis Ende Juli basteln. Am Wochenende wurde beim Zukunfstfest in Weyarn fleißig genäht. Seit gestern verkauft Florian Perkmann die ersten Breznbeutel der Wirkstatt in seiner Weyarner Filiale. Ab einem Einkaufswert von sieben Euro gibt’s einen Beutel gratis. 

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Kommentare

Grummel
(0)(0)

Jutebeutel, kann man zur Not immer dabei haben, dann hat man auch keinen Papiertütenstress.

Q-Treiberin
(0)(0)

Gibt es schon lange....wird häufig in Werkstätten für behinderte Menschen angeboten....