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Ortskern im Wandel: Auf dem Klosteranger entstehen insgesamt sieben Mehrgenerationenhäuser sowie Reihen- und Doppelhäuser mit gut 45 Wohneinheiten. Südlich davon befindet sich das Neubaugebiet an der Grafwiese, das bereits gebaut und bezogen ist.

Eine Gemeinde wächst 

„Weyarn ist einfach cool“

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Mehr Bewohner, mehr Gewerbe: Weyarn wächst. Viele Menschen zieht es nach Weyarn, sogar vom Tegernsee. Doch wie verträgt der Ort die rasche Entwicklung?

Weyarn - Bürgermeister Leonhard Wöhr ist ein Mann, der sich vorsichtig ausdrückt. Und so kommentiert er den Wachstumsschub seiner Gemeinde zurückhaltend. „Es tut sich was.“ Fakt ist: Weyarn wächst, und zwar rasant. Durch die Neubaugebiete – Prälaturhof und Grafwiese sind schon bezogen, die Häuser am Klosteranger und am Klosterweg sind am Entstehen – kommen rund 400 neue Bewohner ins Zentrum, schätzt Wöhr. Und das innerhalb weniger Jahre. „Das ist ein Tempo, das in der Taktzahl kein Dauerzustand sein kann“, meint er. „Aber temporär halte ich das für vertretbar.“ Das Gewerbe gedeiht. Am Weiglfeld siedelten sich jüngst Kletterzentrum und zwei Firmen an. Bald vergibt die Kommune dort weitere Parzellen, auch auf der Grafwiese gibt es Gewerbe. Viele Geschäftsleute sind glücklich mit dem Standort. „Ob es boomt, weiß ich nicht“, sagt Wöhr. Trotzdem: Viele Menschen zieht es nach Weyarn.

Die neuen Bewohner

So wie Monika Schlüter (47). Seit zwei Jahren wohnt sie am Prälaturhof. „Ich bin von Weyarn begeistert“, sagt sie. „Es ist eine offene Gemeinde, die viel macht.“ Durch die Beteiligungsmöglichkeiten – Schlüter engagiert sich im AK MuKK – komme man „als Außenstehender schnell rein“. Es gibt einen Stammtisch, bei dem sich Alt- und Neubürger im Klostercafé beschnuppern. Ursprünglich stammt sie aus München. Bei einer Wanderung entdeckte sie zufällig Bautafeln für den Prälaturhof. Nach einem kurzen Intermezzo in Holzkirchen landete sie in Weyarn. „Die Anbindung ist gigantisch“, sagt Schlüter. „Man ist sofort an der A 8, aber man kriegt sie nicht mit.“ Sie pendelt nach München in die Arbeit. Am Darchinger Bahnhof steigt sie in die BOB, sie braucht 45 Minuten, nimmt das gern in Kauf.

Christina Lechner (46) hatte die Schnauze voll vom Tegernseer Tal. 18 Jahre lebte sie in Finsterwald, zwei Jahre in Tegernsee. „Das war eine Katastrophe“, sagt sie. Vor allem an den Wochenenden war es unerträglich: Touristen, Stau, Stress, Hektik pur. Und: „Da geht es nur um Geld und Protz“, schimpft sie. „Da ist viel Blenderei dabei.“ Vergangenen Sommer zog sie daher in die Gemeinde Weyarn, in den Ortsteil Thalham. „Weyarn ist einfach cool.“ Hier findet sie Ruhe, Mangfall und Taubenberg liegen vor der Haustür. „Und die Leute sind total nett.“ Auch beim Bäcker, Metzger oder der Aral-Tankstelle, die sie per Rad oder Auto erreicht. Hier fühlt sie sich daheim.

Die Geschäftswelt

Das Küchenparadies Miesbach zieht Ende Mai in die dritte Gewerbeeinheit auf der Grafwiese, erklärt Inhaber Georg Rau. „Wir erhoffen uns mehr Durchgangsverkehr und Parkplätze vor der Tür.“ Die Schaufenster seien ein Plus. „Weyarn ist attraktiv, und hat eine gute Anbindung an die Autobahn.“

Vor vier Jahren eröffnete Josef Reisinger sein Radgeschäft Tretlager an der Ortsdurchfahrt. „Weyarn wird oft unterschätzt“, sagt er. „Ich finde den Standort super. Ich bin am Tor zu München.“ Er profitiere von den Autos. „Da ist Holzkirchen tot dagegen, da hätte ich nie hin wollen.“

2010 sperrte der Miesbacher Florian Perkmann eine Bäckerei-Filiale in Weyarn auf, er profitiert von der Hauptstraße. „Das ist die Lebensader des Ortes.“ Die Neubürger zählen zu seinen Kunden. „Die Baustelle ist für uns sehr gut.“ Bauarbeiter der Neubaugebiete holen sich was zu Essen. Den entstehenden Supermarkt samt Backshop sieht er nicht als Konkurrenz. „Wir stehen mit dem möglichen Betreiber in Kontakt.“ Eventuell beliefere Perkmann den Markt.

Ursprünglich sollte das Kletterzentrum mal in Miesbach stehen, die Pläne zerschlugen sich. Heute ist dessen Chef Andreas Huber froh, in Weyarn zu sein. Die Nähe zur A 8 vergrößerte das Einzugsgebiet. „Es läuft sehr gut.“ Im Schnitt klettern 140 Personen am Tag. „In Miesbach hätten wir keine Erweiterungsmöglichkeiten gehabt.“ Hier konnte man eine Boulderhalle dazu bauen. „In Weyarn ist eine unternehmerische Energie da, die findet in Miesbach nicht so statt.“

Die Kinderbetreuung

Wöhr glaubt nicht, dass sich durch das Wachstum Engpässe in der Kinderbetreuung ergeben. Weyarn sei gut aufgestellt bei Krippen und Kindergärten. Insgesamt gebe es 246 Betreuungsplätze. „Pro Kopf haben wir das quantitativ höchste Angebot im Landkreis.“ Allerdings: „Eine Herausforderung wird die Nachmittagsbetreuung.“

Die Grundschule

Laut Schulamtsleiter Peter Huber ist in der Schule Luft nach oben da. Die größte Klasse habe 22 Schüler. „Eine Klasse ist bei 28 Schülern voll.“ Insgesamt sind es laut Wöhr 142 Kinder. Viele kämen aus anderen Gemeinden, zum Beispiel Waakirchen. „Wenn es eng werden sollte, müssen wir mit den Gastschulanträgen restriktiver werden.“

Der Verkehr

Wegen der Klosterangerbebauung und den Häusern am Klosterweg gab es viel Kritik. Viele befürchteten mehr Verkehr. „Wir ließen ein Gutachten machen“, sagt Wöhr. Demnach nehme der Verkehr keine „kritischen Pfade“ an. Für den Supermarkt gibt es eine Zufahrt von der Holzkirchner Straße, damit Kunden nicht durch den Ort fahren. Eine weitere Linksabbiegespur führt zum Familienwohnen. Zudem sei das Baugebiet fußläufig gut durchquerbar. „Was bleibt, ist die Belastung an der J.B.- Zimmermannstraße.“ Wöhr: „Es ist die Kunst, nicht zu groß zu werden, um die Infrastruktur nicht zu überlasten. Doch wenn wir zu klein wären, würden wir gewisse Einrichtungen nicht kriegen.“ Etwa einen Zahnarzt oder einen Supermarkt. Es kommt auf die richtige Balance an.

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