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Deutliche Worte, für die Pater Stefan viel Zuspruch erntet.

Die sind ihr zu laut

Neubürgerin verlangt, dass Kirchenglocken schweigen - so cool reagiert der Pfarrer auf Facebook

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Eine Neubürgerin stört sich am Glockengeläut der Weyarner Kirche. Die Glocken sollen schweigen, verlangt sie. Pater Stefan reagiert deutlich - und ziemlich cool via Facebook.

Weyarn – Für die einen ist es das akustische Selbstverständnis von Heimat, das es grundsätzlich zu verteidigen gilt. Andere stören sich an vermeintlich unnötigem „Gotteslärm“ – ein Ausdruck, den der unnachahmliche Fredl Fesl 1978 in seinem „Glockensong“ prägte. Besonders neu zugezogene Bürger haben zuweilen ihre Probleme mit dem Kirchengeläut – so geschehen jüngst in Weyarn.

Eine Dame, seit einiger Zeit im Ort wohnhaft, klopfte bei Weyarns Seelsorger Pater Stefan Havlik an und forderte ihn auf, das Geläut der Stiftskirche einzustellen, weil sie das Geräusch störe. 

Pater Stefan ließ sich auf keine Diskussion ein. In dreifacher Weise, so ließ er die Weyarnerin via Facebook wissen, werde ihrer Forderung entsprochen: „Nicht, gar nicht und überhaupt nicht.“

Lesen sie dazu auch unsere aktuelle große Hintergrundgeschichte zum Thema Kirchenglocken und Anwohner: Wie gehen andere Pfarreien damit um? Was sagt der Lärmschutz? Wir haben uns in der Region umgehört. Und siehe da: Weyarn ist nicht allein. In vielen Orten in der Umgebung gehören Beschwerden zur Tagesordnung. Einmal sogar mit Schrotflinte. Teils schweigen die Glocken deshalb auch. Auch juristisch ist das gar nicht so eindeutig. Andernorts, in Holzkirchen oder Irschenberg, haben die Anwohner ein ganz anderes Problem mit ihren Kirchenglocken.

Die Glocken der Weyarner Stiftskirche St. Peter und Paul verkünden vergleichsweise fleißig, wie die Zeit verrinnt. Laut Pater Stefan schlagen sie alle Viertelstunde, tagsüber und auch nachts; zudem läuten sie zum morgendlichen (6 Uhr), mittäglichen und abendlichen (19.45 Uhr) Angelusgebet.

„Das Glockengeläut zu reduzieren, ist für uns keine Option“, sagte Pater Stefan auf Anfrage. Gebe die Pfarrei hier ein wenig nach, verleite das womöglich schnell zu weitergehenden Forderungen: „Wenn wir das einmal anfangen, gibt es kein Halten mehr.“

Sichtbare und hörbare Tradition: Am Glockenschlag-Rhythmus der Weyarner Kirche lässt die Pfarrei nicht rütteln.

Die Kirche mit ihren Glocken steht seit über 300 Jahren im Dorf. Eine Tradition, die es laut Havlik zu verteidigen gilt. „Ein Ort hat immer auch ein akustisches Charakteristikum“, sagt der Seelsorger.

Die Anfrage der Weyarner Neubürgerin bezüglich der Glocken war nicht die erste, wie Pater Stefan berichtet. Unter anderem habe der am benachbarten Klosteranger aktive Bauträger Quest einmal vorgefühlt, ob sich das Glockenläuten reduzieren lasse.

Der Ärger über Glockenklang – für Pater Stefan gründet er meist am Ungewohnten, das Neubürger aufschreckt, die aus einem glockenfreien Umfeld zuziehen. „Regelmäßige Geräusche nimmt der Mensch bald nicht mehr als störend wahr“, glaubt der Pater, der selbst direkt neben der Stiftskirche wohnt. Nur wenn man sich zu sehr auf ein Geräusch konzentriere und fixiere, werde es zum Problem. 

Pater Stefan Havlik ist in seiner Gemeinde äußerst beliebt. Doch seine Vorgesetzten wollen ihn nach Hessen versetzen. Die Kirchengemeinden laufen dagegen Sturm. Mit einer Unterschriftenaktion kämpfen sie dafür, dass er daheim bleiben darf - neben seinen geliebten Kirchenglocken.

Die Region hat allgemein so ihre Probleme mit Neubürgern, die mit den hiesigen Gepflogenheiten nicht immer gut klar kommen. So tobt im Nachbarort seit Jahren ein Kuhglockenkrieg. Ein neu zugezogener Anwohner störte sich am Glockengeläut der benachbarten Kuhweide - und klagt und klagt und klagt seitdem. Schon lange nicht mehr nur gegen die Glocken.

Am nahe gelegenen Tegernsee störte sich wiederum lange ein direkter Nachbar einer Traditionsbäckerei am Backgeruch - und nahm sich einen Anwalt. Die Geschichte sorgte deutschlandweit für Empörung.

avh

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