Weihnachtsstrümpfe am Kachelofen: Loretta und Gunnar Matysiak haben eine eigene Melange von Weihnachtstraditionen entwickelt – mit deutlichen Anklängen an Christmas in USA. Dazu gehören die Strümpfe, aber auch die Weihnachtskarten-Sammlung und der Adventskalender mit 25 Türchen.
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Weihnachtsstrümpfe am Kachelofen: Loretta und Gunnar Matysiak haben eine eigene Melange von Weihnachtstraditionen entwickelt – mit deutlichen Anklängen an Christmas in USA. Dazu gehören die Strümpfe, aber auch die Weihnachtskarten-Sammlung und der Adventskalender mit 25 Türchen.

Weyarnar Familie pflegt kulturübergreifende Weihnachtstraditionen

Die Mischung macht‘s: Christmas auf gut bayerisch

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Weihnachtstraditionen sind, was man daraus macht. Besonders wenn man wie die Amerikanerin Loretta Matysiak und ihr aus Norddeutschland stammender Mann Gunnar zwei Ländertraditionen unter einen Hut zu bringen hat. Ihre Lösung: Eine Melange fröhlicher und besinnlicher Rituale.

Holzolling – Seit 42 Jahren sind die gebürtige New Yorkerin und der Hagener ein Paar und haben die aus ihrer Sicht besten Weihnachtstraditionen ihrer Kulturkreise zusammengefügt. „In Amerika ist Christmas wahnsinnig kommerziell“, sagt Loretta, die mit fünf Geschwistern aufgewachsen ist. Heiligabend ist ein ganz normaler Tag, allerdings dürfen die Kinder nach dem Abendessen ein Geschenk aufpacken.

Traditionell kommt Santa Claus in der Nacht zum 25. durch den Kamin gerutscht, weshalb Kinder in USA ihre Geschenke erst am 25. Dezember in der Früh öffnen. „Am Zweiten Feiertag rennen die meisten Amerikaner dann in die Malls zum Umtauschen“, sagt sie kopfschüttelnd über ihre Landsleute. Dem wollte sie entgehen – zum Wohl der eigenen Kinder, die Weihnachten als Familienfest und nicht als Konsumrausch erleben sollten.

Die Weihnachts-Deko besteht aus besonderen Sammlerstücken

Das bedeutet nicht, dass Loretta auf spezielles Weihnachtsgeschirr verzichtet. Und das traute Heim wird natürlich weihnachtlich dekoriert. Aber dazu setzt die Familie auf spezielle Stücke, die Bedeutung haben und die sie und ihr Mann, Künstler und Grafiker, über die Jahre zusammengetragen haben.

Da hängen etwa drei Weihnachtskugeln in Form von König Ludwig II., Kaiserin Sissi und der bayerischen Königskrone. Die hat sich das junge Ehepaar gekauft, nachdem der Entschluss stand, künftig im Landkreis Miesbach zu leben. Im Fenster steht ein Lichterbogen aus dem Erzgebirge von Gunnars Mutter, in der Ecke der Sitzbank zwei Weihnachtswichtel der schwedischen Keramikkünstlerin Lisa Larson, die Gunnar aus Wanderurlauben in Norwegen mitbrachte, und auf dem Fensterbrett Figuren des amerikanischen Volkskünstler Leo R. Smith.

Als Kernstück der speziellen Weihnachtstradition fungiert der Kachelofen, an dem selbstbestickte Christmas-Kissen lehnen und die selbst gestrickten und mit Namen versehenen Weihnachtsstrümpfe hängen, auch die der Enkel. In die stecken sich die Matysiaks scherzhafte Geschenke, die sich auf Begebenheit unterm Jahr beziehen – etwa Superman-Unterhosen oder eine Zahnbürstensammlung für Tochter Johanna. Die hat sich mit kleinen Zettelchen im Adventskalender revanchiert, auf denen sie die Geschenke beschreibt, die nicht ihren Vorstellungen entsprachen. Die Zettel bleiben in ihren Fächern und sorgen jedes Jahr für Heiterkeit.

Weihnachtskarten machen Freude - auch in Zeiten des Internets

Auf dem Kachelofen stehen die Weihnachtskarten mit all den guten Wünschen, die jedes Jahr eintreffen. „Aber nur, wer selbst welche schreibt, bekommt im Zeitalter von Social Media auch schöne und selbst gebastelte geschickt“, weiß Loretta. Auch in den USA sei die Tradition, Weihnachtskarten an Familie und Freunde zu schreiben, deutlich zurückgegangen. „Das ist sehr schade, denn die guten Wünsche wirken ja auch auf die Zeit danach“, sagt Loretta über die liebste all ihrer Weihnachtstraditionen, die anfängliches Heimweh vergessen ließ. Heute schrieben die Leute Bestellungen ans Universum anstatt sich Karten mit guten Wünschen zu schicken.

„Wir feiern gerne und sehr bewusst die Zeit, in der wir als Familie zusammen sind“, sagen die Matysiaks. Zu den Familientraditionen gehört das Aufstellen des Christbaums durch Vater und Tochter, während eine alte LP mit Ludwig Thomas „Heiliger Nacht“ erklingt. Loretta bereitet derweil Kartoffelsalat und Würstl vor.

Unverzichtbar an Weihnachten sind ebenso der Kirchgang in Weyarn, die Kerzenbeleuchtung und „Santas verlorene Geschenke“ auf dem Weg zur Haustür, was stets die Nachbarn übernommen hatten. Vor der Bescherung wird die Weihnachtsgeschichte aus der Familienbibel gelesen – und kräftig gesungen: „I‘ll be home for Christmas“ und „Stille Nacht“. Die Weihnachtsgans kommt, nach norddeutscher Tradition, mit Grünkohl auf den Tisch. „Das mag alles extrem sentimental sein“, sagen die Matysiaks, „aber so feiern wir traditionell unser Weihnachtsfest.“

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