Fast zwei Jahre haben die Weyarner an ihrem neuen Leitbild geändert. Grundlegendes hat sich kaum verändert. Aber einige Nuancen sind neu.
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Fast zwei Jahre haben die Weyarner an ihrem neuen Leitbild geändert. Grundlegendes hat sich kaum verändert. Aber einige Nuancen sind neu.

Gemeinderat

Weyarn will ländlich bleiben und passt Leitbildgrundsätze an

Nach 24 Jahren hat die Gemeinde Weyarn ein neues Leitbild beschlossen. Es soll ländlich bleiben.

Weyarn - Bürger aus allen Ortsteilen und Altersgruppen haben ihre Ideen eingebracht. Das Leitbild soll Richtlinie sein für das strategische Handeln des Gemeinderats. „Bürgerbeteiligung ist ein Kennzeichen von Weyarn.“ So steht es im Beschluss zum neuen Leitbild der Gemeinde – und so wird es in Weyarn seit Langem gelebt. 1997 hat die Gemeinde ihr erstes Leitbild festgelegt. Die zentralen Ziele damals: „Wir wollen ländlicher Raum bleiben.“ „Wir planen die Zukunft mit den Bürgern.“ Nach mehr als zwei Jahrzehnten war es nun an der Zeit, das Leitbild unter die Lupe zu nehmen. Es hat länger gedauert als geplant. Die Corona-Pandemie hat Treffen verhindert und den Prozess verzögert. Umso glücklicher war Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU), als er das Ergebnis – zusammengefasst auf vier Din-A4-Seiten – nun im Gemeinderat zur Abstimmung geben konnte und ein klares Votum des Gremiums bekam. „Das heißt für mich, dass jeder dahintersteht“, sagte Wöhr, „eine tolle Sache, vielen Dank.“

Bürger aus allen Ortsteilen konnten Ideen einbringen

Die übergeordneten Leitsätze haben sich nicht wesentlich verändert. „Wir gestalten gemeinsam unsere Zukunft. Wir bewahren unsere Umwelt und wollen ländlicher Raum bleiben – wertschätzend, weltoffen und vielfältig.“ So steht es da zu lesen. Die Details der Formulierung zeigen aber dennoch, was bei den Menschen in den vergangenen Jahren mehr in den Fokus gerückt ist: Umwelt, Nachhaltigkeit und Integration. Fünf Themenbereiche greift das Werk auf: „Ländlicher Raum und Bevölkerung“, „Begegnung und Mitgestaltung“, „Wohnen und Bauen“, „Nachhaltigkeit, Umwelt, Energie“ sowie „Wirtschaft, Gewerbe, Infrastruktur“. Für jeden sind allgemeine Leitsätze formuliert und aus diesen abgeleitet konkrete Handlungsziele. Mit wenigen Ausnahme beinhalten alle das Wörtchen „wir“. So heißt es etwa: Wir stärken bäuerliche und kleingewerbliche Betriebe. Wir schaffen innovative Strukturen für das künftige Miteinander der Generationen. Bei Neuansiedlungen achten wir auf geringen Flächenverbrauch mit hoher Arbeitsplatzdichte und geringen Emissionen.

Blauäugig sind die Verfasser des Leitbilds aber nicht. In der Präambel steht auch, dass „ein Leitbild Zielkonflikte beinhalten kann“. Doch kein Leitziel steche das andere aus, heißt es weiter, und „hier ist in Einzelfallentscheidungen abzuwägen“. Für Bürgermeister Wöhr ist das Leitbild kein Papiertiger, sondern ein klarer Auftrag der Bürger und damit Grundlage für politische Entscheidungen. „Es gibt dem Gemeinderat Sicherheit für sein strategisches Handeln“, sagte er.

1997 hat die Gemeinde ihr erstes Leitbild festgelegt

Die Bürger waren in die Entwicklung des neuen Leitbilds maßgeblich eingebunden. Im Gemeindeblatt waren sie aufgerufen, Anregungen zu geben. In einer Bürgerwerkstatt im Januar 2020 haben mehr als 70 Bürger zwei Tage lang diskutiert. Dann aber kam Corona. Die Auswertung der Ergebnisse aus der Bürgerwerkstatt durch Hilmar Sturm und sein Team von der Gesellschaft für Bürgergutachten, die den Prozess begleiteten, stockte, die öffentliche Präsentation konnte nicht mehr stattfinden. Mit einem Jahr Verzögerung ist der Prozess nun also abgeschlossen. Bürgermeister Wöhr kann daran zumindest etwas Gutes finden. Die neuen Gemeinderäte hätten sich bereits gut einbringen können. Ausdrücklich dankte er außerdem Thomas Knollmann als Vorsitzendem des Steuerungsgremiums und Katja Klee vom Mitmachamt der Gemeinde für ihr Engagement und erklärte: „Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“ Jetzt gelte es, dass Gemeinderat und Bürger auch tatsächlich umsetzen, was sie sich gemeinsam erarbeitet haben. (C. Merk)

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