Er soll den Schlüssel für das Feuerwehrhaus geklaut haben

Weyarner Feuerwehrmann (42) wegen Diebstahls verurteilt

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Ein Weyarner Feuerwehrmann saß auf der Anklagebank, weil er einem Kameraden den Schlüssel für das Feuerwehrhaus gestohlen haben soll. Was er damit vorhatte, blieb unklar. 

Weyarn - Ein Schlüssel verschwindet vom Schlüsselbund eines Feuerwehrmanns und taucht ein Jahr später am Bund eines Kameraden wieder auf. Etwas gestohlen wurde in der Zwischenzeit wohl nicht, trotzdem ist auch das Stehlen eines Schlüssels eine Straftat. Warum er den Besitzer wechselte, konnte in der Verhandlung am Miesbacher Amtsgericht nicht geklärt werden. “Eine skurrile Geschichte“, fand auch Richter Walter Leitner.

Tatort: das Feuerwehrhaus in Weyarn bei einer Versammlung der Gruppenführer. Tatzeit: Januar 2015. Ein Weyarner Feuerwehrler (30) kam schon vor Beginn der Versammlung und sperrte mit seinem Hauptschlüssel, den ein grüner Gummiring zierte, auf. So erzählte er es als Zeuge vor Gericht. Der Schlüssel soll dann während der Versammlung im Büro gelegen haben. Als der 30-Jährige später das Haus abschließen wollte, funktionierte der Schlüssel mit dem grünen Ring nicht. „Der ging nur an der Bürotür“, sagte der Feuerwehrmann.

Daraus schlossen er und auch das Gericht: Den Schlüssel hatte jemand abgenommen und den grünen Ring auf einen ähnlich geformten Schlüssel - eben  den Büroschlüssel - gesteckt. Der Hauptschlüssel des 30-Jährigen tauchte nirgends mehr auf. Etwa zum gleichen Zeitpunkt bemerkten die Weyarner Kameraden, dass mehrere Ordner mit Abrechnungen der vergangenen Jahre verschwunden waren. Sie erstatteten Anzeige gegen Unbekannt.

Staatsanwalt: „Nutzen vollkommen schleierhaft“

Ein gutes Jahr später, im Februar 2016, fand erneut eine Versammlung im Feuerwehrhaus statt. An den gestohlenen Schlüssel dachte da wohl keiner mehr. Bis einigen Feuerwehrlern der Schlüsselbund eines Kameraden (42) auffiel. Daran: der Hauptschlüssel mit der entsprechenden Schlüsselnummer. Berechtigt zum Besitz eines Schlüssels wie diesem, der so gut wie jede Tür im Feuerwehrhaus öffnet, war der 42-Jährige allerdings nicht. Er sollte lediglich einen Büroschlüssel haben. Wie der Schlüssel dorthin gekommen war, konnte der 42-Jährige nicht erklären. Er streitet ab, den Schlüssel genommen zu haben. Sein Verteidiger Lutz Ernst sagte: „Er vermutet, dass ihm da jemand übel mitspielen wollte.“ 

Auch die anderen geladenen Zeugen, ebenfalls von der Feuerwehr Weyarn, konnten kein Licht ins Dunkel bringen. „Der Nutzen ist vollkommen schleierhaft“, sagte auch Staatsanwalt Büscher. Trotzdem fragte er sich: „Warum sollte eine andere Person nach der langen Zeit dem Angeklagten den Schlüssel unterschieben?“ Das fragte sich auch Richter Leitner. „Es gibt keine vernünftige Erklärung. Für mich sind Sie der Täter.“ Den 42-jährigen Feuerwehrmann verurteilte er zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 50 Euro. 

Mit dem Verschwinden der Ordner hatte die Sache mit dem Schlüssel wohl nichts zu tun. In die Kammer, in der die Ordner gelagert waren, kommt man auch nur den Büroschlüssel - den hatte der Angeklagte ja sowieso. Mit eingeflossen in seine Bestrafung war allerdings eine Vorstrafe: 2011 war der 42-Jährige zu einer Haftstrafe verurteilt worden - wegen Untreue in 37 tatmehrheitlichen Fällen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass erzum Beispiel Rechnungen an Kunden für Bank-Beratungsgespräche verschickt und seine private Kontonummer angegeben hatte. Richter Leitner sagte: „Auch das ist ja ein Vermögensdelikt.“

nip

Rubriklistenbild: © PantherMedia / Olga Traskevych

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