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Das Thema Rente ist komplex, die Details schwer verständlich. Deshalb kommt für viele Bürger im Ruhestand oft plötzlich das böse Erwachen. 

Auch andere Mitarbeiter der Stadtwerke München betroffen

Weyarner Rentner fühlt sich von Ex-Arbeigeber abgezockt - den SWM

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Pankratz Feicht fühlt sich ungerecht behandelt. Weil er einst falsch beraten worden sei, müsse er in der Rente Abstriche machen. Auch viele andere SWM-Mitarbeiter seien betroffen.

Thalham – Pankratz Feicht zittert, die Sache regt ihn auf. Nervös kramt er in seinen Unterlagen. Seit Ende 2016 befindet er sich im Ruhestand. Eigentlich ein Grund zu Freude, doch: Seine Rente wurde ihm gekürzt. „Ich zahle jetzt drauf“, sagt der 63-Jährige. „Ich fühle mich falsch informiert.“

Was den Weyarner so ärgert: Knapp 40 Jahre arbeitete er bei den Stadtwerken München (SWM), größtenteils in Thalham. Vor zehn Jahren habe der Arbeitgeber den Angestellten geraten, eine zusätzliche Altersvorsorge in Form einer Entgeltumwandlung abzuschließen. Damals fanden Beratungsgespräche mit der Stadtsparkasse München statt.Was laut Feicht unerwähnt blieb, ist, dass damit später ein Teil der Eigenversorgung, einer weiteren Altersvorsorge, abzogen wird. Und, dass er nach Renteneintritt kräftig Steuern und Geld an Kranken- und Pflegeversicherung zahlen muss. „Dass wir später negative Folgen haben, wurde uns nicht gesagt“, behauptet Feicht. Er habe den Leuten vertraut.

Ein Betriebsrat, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, erklärt die Sache genauer. Für SWM-Mitarbeiter, die vor 1978 eingestellt wurden, habe der Arbeitgeber eine Eigenversorgung als Altersvorsorge angeboten. „Weil die so schlecht verdient haben.“ Eigentlich „eine super Sache“. Nur der Arbeitgeber habe eingezahlt.

Im Tarifvertrag stehe drin, dass ein Teil der Eigenversorgung abgezwackt wird, wenn der Arbeitnehmer sich für eine weitere Altersvorsorge entschließt. Genau dieser Punkt sei bei der Beratung unter den Tisch gefallen. Fakt ist: Dieser Abzug ist vertraglich fesgehalten: „Er ist rechtens.“ Sage auch die Gewerkschaft. Man könne daher wenig machen.

Was die Entgeltumwandlung an sich betrifft, standen die Bedingungen ebenso fest, sagt der Betriebsrat. Hierbei fließt in der Ansparphase ein Teil des Bruttogehalts – bei Feicht waren es 100 Euro im Monat – in die betriebliche Altersvorsorge – zunächst steuerfrei und ohne Sozialabgaben. Auch der Arbeitgeber zahlte ein. Was auf den ersten Blick verlockend klingt, stellt sich für viele Rentner – das Thema Rente ist schwer verständlich – oft als böses Erwachen heraus: Denn in der Auszahlungsphase fallen Einkommensteuer und die vollen Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherung an. Bedeutet: Von den rund 11 900 Euro, die Feicht angespart hat, muss er ein paar tausend Euro abführen.

Joachim Fröhler, Sprecher der Stadtsparkasse, sagt: „Unsere Tochter SVS, die Sparkassen Versicherungsgesellschaft, hat seinerzeit alle Mitarbeiter der SWM einheitlich und ausführlich über die Funktionsweise der Entgeltumwandlung der betrieblichen Altersvorsorge informiert und entsprechend beraten.“ Die Sparkasse war als Vermittler für die Versicherungskammer Bayern aktiv. Es gab Infoveranstaltungen und Einzelberatungsgespräche. „Jedes der Einzelgespräche haben wir dokumentiert.“ Generell dienten bei der betrieblichen Altersvorsorge Gehaltsbestandteile für die Rente. „Diese Sparbeiträge mindern die Höhe des Bruttoeinkommens und senken damit die individuelle Steuerlast.“ Später würden die Auszahlungen mit der Einkommenssteuer-Erklärung versteuert. „Im Ruhestand ist normalerweise der Grenzsteuersatz des Rentenbeziehers niedriger als zur aktiven Berufszeit.“ Fröhler betont: „Auch diese nachgelagerte Besteuerung im Rentenalter ist mit jedem Mitarbeiter besprochen und dokumentiert.“

Die Pressestelle der SWM erklärt: Bei Mitarbeitern, die zusätzlich zur gesetzlichen Rente eine Betriebsrente auf Grundlage eines Tarifvertrages (Eigenversorgung) beziehen, werde ein Arbeitgeberzuschuss zur Entgeltumwandlung bei der Schlussberechnung angerechnet. Dies stehe im Tarifvertrag. Von den über 8 000 Mitarbeitern seien nur sehr wenige betroffen. Die SWM gehen in Kürze auf diese Kollegen zu.

Der Betriebsrat reichte für Feicht Einspruch ein. „Jetzt wird ihm weniger abgezogen.“ Statt 48 Euro monatlich 28 Euro. „Der Arbeitgeber kann nichts dafür und unterstützt uns.“ Man sei dabei, die Sache zu bereinigen. Geschätzt 50 bis 70 Mitarbeiter mit Eigenversorgung haben laut dem Betriebsrat den Vertrag zur Entgeltumwandlung abgeschlossen. Feicht sei nun einer der ersten, die im Ruhestand sind. „Das kommt jetzt erst noch.“

Verbraucherzentrale warnt vor Tücken

Merten Larisch, Projektleiter Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Bayern, warnt vor den Tücken der Entgeltumwandlung. „Es gehen regelmäßig Beschwerden von betroffenen Verbrauchern ein“, sagt er. Für Arbeitnehmer, die vor 2004 eine betriebliche Altersvorsorge begonnen hatten, habe sich diese Vorsorgeform als Falle herausgestellt – da sie für Altverträge, die seinerzeit unter anderen Voraussetzungen abgeschlossen wurden, von der Beitragspflicht überrascht wurden. „Alle Arbeitnehmer, die ab 2004 in eine Entgeltumwandlung Beiträge gezahlt haben, konnten ja theoretisch eine Berechnung anstellen, ob sich diese Vorsorgeform lohnt.“ Aber: „In der Praxis haben viele Arbeitnehmer einfach ihrem Arbeitgeber und dem Staat vertraut.“ Die Bundesregierung plädiere für das Modell – damit mehr Bürger privat für ihre Rente vorsorgen.

„In der Summe macht diese Übung nur Sinn, wenn durch diesen Sparvorgang eine höhere Rendite erzielt wird als bei einer gleichen Vorsorge ohne Entgeltumwandlung“, erklärt der Experte. „Nach unseren Berechnungen ist dies für die meisten Konstellationen nur möglich, wenn der Arbeitgeber mindestens 40 Prozent des Gesamtbeitrages beisteuert.“ Denn: „Wenn nur der Arbeitnehmer Beiträge aus seinem Brutto zahlt, lohnt sich das nie.“

Betroffene könnten sich nicht wehren. Es gab bereits eine Menge Urteile, die den Beitragsabzug als rechtmäßig anerkannt haben. „Dies wurde sogar vom Bundesverfassungsgericht bestätigt.“ Er rät: „Arbeitnehmer, die jetzt Entgeltumwandlung betreiben oder mit dem Gedanken spielen, sollten sich lieber genau beraten lassen, ob dies Sinn macht.“

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