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Brigitte Dembinski hilft Korbinian am Seil. Die Behindertengruppe trainiert seit einiger Zeit im Kletterzentrum Weyarn. 

Hinauf zu den Träumen

Wie in Weyarn Rollstuhlfahrer das Klettern lernen

Sie sind an den Beinen abwärts gelähmt - und trotzdem klettern sie hoch hinaus. Völlig unmöglich? Nicht im KletterZ in Weyarn - dank Brigitte Dembinski und viel Kraft...

Weyarn– Klettern boomt. Das weiß auch Brigitte Dembinski, die in Weyarn eine besondere Runde etabliert hat. Alle 14 Tage trifft sich die Klettergruppe für Menschen mit Behinderung im Kletterzentrum in Weyarn. „Alle haben wir sehr viel Spaß und freuen uns von einem auf den anderen Termin“, sagt die Trainerin der DAV-Sektion Miesbach.

Vor vielen Jahren habe sie eine Präsentation gesehen, bei der die Huber-Buam die Initiative „Ich will da rauf“ unterstützten. Dass die Extremkletterer aus dem Berchtesgadener Land Menschen mit und ohne Handi-cap motivierten, sich an einen Sport zu wagen, von dem die meisten von ihnen nicht einmal im Traum glaubten, dass sie ihn würden ausüben können, war für die Naringerin die Initialzündung. Fortan geisterte es in ihrem Kopf, dass man die Leute ermuntern müsste, „dass nicht nur Heroes eine Berechtigung in der Kletterhalle haben“.

Als der DAV dann 2016 erstmals eine Ausbildung zu diesem Thema anbot, war Dembinski sofort dabei. Sie lernte, auf welche Einschränkungen sie sich gefasst machen musste und welche Hilfsmittel ihr zur Verfügung stehen. Mit Augenklappen und Spezialbrillen versetzte sie sich in die Rolle von Sehbehinderten und Blinden. Mit rutschigen Plastikschonern lernte sie, die Probleme mit Spastiken einzuschätzen.

„Sag mal, hast du was an den Augen?“

Der Knackpunkt: Für die Ausbildung musste die 57-Jährige behinderte Teampartner finden. Da kam der Weyarner Mathias Carozzi (27) ins Spiel, der im Rollstuhl sitzt. „Sag mal, hast du was an den Augen?“, habe der ihr ungläubig entgegnet, als sie ihn beim Schützen-Stammtisch in Holzolling fragte, ob er Lust zum Klettern habe. Dorthin hatte Dembinski der Darchinger Klaus Edenhofer eingeladen, den sie um Hilfe gebeten hatte. Er gilt als sportlicher Tausendsassa, der sich als erfolgreicher Rollstuhl-Basketballer einen Namen machte. Auch Carozzi erinnert sich gut an diesen Abend. „Ich habe sofort ja gesagt“, erzählt der 27-Jährige. Vom Klettern habe er schon immer geträumt. Aber: „Ich kann meine Beine überhaupt nicht bewegen und wusste nicht, wie das technisch möglich ist.“

Carozzi und zwei weitere Rollifahrer standen Dembinski bei dem Prüfungsprojekt zur Seite. Aufgeregt sei er gewesen, sagt Carozzi. Heute ist es für ihn Routine, sich ganz nah an der Wand zu positionieren, um aus dem Rollstuhl den ersten Griff zu erreichen. Am Anfang war schon das sehr anstrengend. Er erinnert sich gut, wie kaputt er in den folgenden Tagen war: „An Bizeps und Schultern habe ich richtig Muskelkater gehabt.“ Aber was viel wichtiger war: „Es war ein wunderbares Gefühl im Körper, sich so hoch zu ziehen.“

Dembinski, der es ein Anliegen ist, jeden nach seinen Fähigkeiten zu fördern, hat oft besondere Augenblicke erlebt. Die Zielstrebigkeit ihrer Kletterpartner und deren Freude, etwas zu können, das ihnen keiner zugetraut hätte, fasziniert sie. Mittlerweile sind es in der Gruppe jedes Mal sieben bis neun Kletterer: Rollstuhlfahrer, Sehbehinderte und ein Asylbewerber mit einer Schussverletzung am Ellbogen gehören dazu. Zusammen mit Alex Buschbeck und weiteren speziell ausgebildeten Betreuern treffen sie sich regelmäßig in Weyarn. Den Raum stellt der Förderverein Aufwärts zur Verfügung, der das Projekt mit günstigen Eintrittsgeldern und Hilfspersonal unterstützt. Und es kommen immer wieder neue Anfragen, sagt Dembinski, die schon mit einer zweiten Gruppe liebäugelt, „damit jeder zu seinem Vergnügen kommt.“

Die Kurse

H 3-Klettern für Menschen mit Behinderung (ab etwa zehn Jahre) findet im Weyarner Kletterzentrum an den Dienstagen der ungeraden Kalenderwochen statt. Um sich genau auf die individuellen Bedürfnisse einstellen zu können, ist vorab ein Gespräch mit Brigitte Dembinski erforderlich: 0173/5806011. Mehr Infos gibt es beim Förderverein unter0178/4751545 und auf der Webseite der

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