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Ein „Familienbetrieb“ zieht die Reißleine: Getränkehändler Gerhard Dietl aus Weyarn – hier mit Frau und Kindern – hat seinen Agentur-Vertrag mit der Post gekündigt. Ende November soll Schluss sein. 

Ende November ist Schluss

Zu wenig Verdienst: Post-Partner kündigt Zusammenarbeit

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Briefe, Einschreiben und Pakete, Pakete, Pakete: Gerhard Dietl hat mit seiner Postagentur in Weyarn immer mehr Arbeit – und fühlt sich unterbezahlt. Der Frust war so groß, dass er den Vertrag kündigte. Die Post sucht jetzt neue Partner im Ort.

Weyarn Lang ist’s her, als die Deutsche Post noch nicht mit dem Zusatz DHL Group, sondern als öffentliches Amt firmierte und in der Ignaz-Günther-Straße in Weyarn selbstverständliche Präsenz zeigte. Das Erbe traten Postagenturen an, kleine Schalter in Einzelhandelsgeschäften.

Gerhard Dietl, Getränkehändler in der J.-B.-Zimmermann-Straße, übernahm den Job 1999. Abgesehen von einer zweijährigen Unterbrechung bekommen die Kunden bei ihm seit fast 20 Jahren Briefmarken, können Nachsende-Anträge stellen und Pakete abgeben. „Außer Postbank der komplette Service“, sagt der 52-Jährige.

Doch damit soll Schluss sein. Dietl hat fristgerecht gekündigt, Ende November hat sein gelber Schalter ausgedient. „Das Weihnachtsgeschäft läuft ohne mich“, sagt der Geschäftsmann. Das klingt erleichtert, aber auch frustriert. 500 Pakete sind im September durch die Agentur gelaufen. Amazon und Co. lassen grüßen. Die viele Arbeit, die anwachsende Paketflut, der Ärger mit den Kunden sind für den Weyarner aber nicht das Problem. „Die Bezahlung stimmt nicht mehr“, klagt er.

150 Euro Grundvergütung zahlt die Post für 29 Wochenstunden; dazu gibt es Provisionen für jeden Vorgang, nach festem Schlüssel. „Ich komme durchschnittlich auf 500 Euro im Monat“, sagt Dietl, „das steht absolut in keinem Verhältnis zu meinem Aufwand.“ Überdies verlange die Post eine genaue Dokumentation aller Vorgänge und bestehe auf regelmäßigen Schulungen. 

Dietl argwöhnt sogar, dass ihm die Post größere Kunden abspenstig machte, indem sie diesen das Online-Angebot schmackhaft machte. Will die Familie Urlaub machen, muss eine teure Aushilfe bezahlt werden.

Die Kündigung erfolgte im Mai, seitdem sucht die Post in Weyarn nach einem neuen Partner. „Wir führen Gespräche mit anderen Einzelhändlern“, sagt Pressesprecher Klaus-Dieter Nawrath. Die Post ist dabei durchaus in Zugzwang, wie Nawrath einräumt. Die „Post-Universal-Dienstleistungsverordnung“ (PUDLV) verpflichtet das Unternehmen, in Orten mit über 2000 Einwohnern eine postalische Anlaufstelle zu unterhalten.

Sollte sich kein Partner finden, müsste die Post wieder einen Eigenbetrieb aufbauen. Vorsorglich sucht das Unternehmen sogar schon Minijobber (7,17 Stunden die Woche).

Räumlich wäre sogar eine Container-Lösung denkbar, für die im Rathaus auch schon eine Anfrage einging, wie Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) bestätigt. Es bräuchte aber nicht nur eine Stellfläche, sondern auch Parkplätze, eine mitnutzbare Toilette, Strom und eine Baugenehmigung. „Dürfte schwierig werden“, glaubt Wöhr. Die Gemeinde könne leider keine Angebote machen. „Wir platzen selbst aus allen Nähten.“

Ein Container, neues Personal – all das koste viel Geld, rechnet Dietl vor. „Bevor die Post dafür Geld ausgeben muss, könnte man ja noch einmal mit mir reden“, schlägt der 52-Jährige vor. Bekäme er 14 Euro die Stunde, würde er mit seiner Agentur wohl weitermachen, lässt der Weyarner durchblicken. „Wir sind immer zu Gesprächen bereit“, sagt Post-Pressesprecher Nawrath zu diesem Angebot, „der Ausgang ist aber offen.“

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