Viele Baumstämme stapeln sich vor Haus in Seiding bei Weyarn
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Jede Menge Holz wird auf einem Anwesen in Seiding bei Weyarn gelagert. Nachbarn beschweren sich über laute Holzarbeiten.

Im Hintergrund schwelt ein anderer Konflikt

Zoff in Seiding: Größere Holzarbeiten erzürnen Nachbarn

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Größere Holzarbeiten sorgen für einen Streit unter Nachbarn in Seiding. Dahinter schwelt ein Konflikt zwischen der Familie des Hofbesitzers und dessen Betreuer. 

  • Ratternde Kettensägen, brummende Traktoren und gestapelte Baumstämme bringen Nachbarn auf die Palme
  • Im Hintergrund schwelt ein Konflikt zwischen der Familie des Hofbesitzers und dessen gesetzlichen Vertreter
  • Betreuer setzt sich für Abriss des Hofes und Neubauten ein

Weyarn - Das Rattern auf dem Hof nebenan startet um 7.30 Uhr. „Da brauchen wir gar keinen Wecker“, erzählt eine Nachbarin bitter. Seit Wochen würde auf dem benachbarten Anwesen ganztägig eine riesige Menge von angelieferten Baumstämmen mit Kettensägen und Traktoren gesägt, gespalten und auf einer Höhe von fast drei Metern aufgestapelt, berichtet ein anderer Anlieger, der der Betreuer des Hofbesitzers ist. „Verbunden mit einem infernalischen Lärm, der als Terror zu bezeichnen ist.“ Zudem müsse man Angst davor haben, „von einem umkippenden Holzstapel erschlagen zu werden“. Ein Nachbar könne wegen des Lärms den eigenen Garten nicht mehr betreten. „Ich kann mich im Homeoffice kaum noch konzentrieren.“ Nach Ansicht der beiden Nachbarparteien handelt es sich bei den Holzarbeiten offensichtlich um eine „unrechtmäßige gewerbliche Tätigkeit“.

Es geht um einen ehemaligen Bauernhof im Weyarner Weiler Seiding. Seit 2012 ist ein Nachbar und einstige Freund der Familie als gesetzlicher Vertreter des Hofeigentümers eingesetzt. Dieser erlitt einen Schlaganfall und befindet sich in einem Pflegeheim. Sein Sohn wohnt auf dem Hof. Familie und der Betreuer zoffen sich seit Langem.

Die Holzarbeiten führt laut dem Betreuer der Sohn des Eigentümers mit einem Unternehmer aus der Region durch. Seine Befugnisse „reichen leider nicht aus, um diesbezügliche Verbote auszusprechen“. Also hat er sich zusammen mit dem direkten Nachbarn bei Gemeinde und Landratsamt beschwert. Das Rathaus leitete die Sache ans Landratsamt weiter, das für Bauaufsicht und Emissionsschutz zuständig sei, erklärt Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU).

Das Landratsamt schickte einen Mitarbeiter vorbei. „Da die Beschwerde sich zunächst auf den Lärm bezog, hat unser Mitarbeiter vor Ort geprüft, ob Richtwerte überschritten werden“, berichtet Pressesprecherin Beate Faus. Da dem so war, wurde der Sohn aufgefordert, die lärmträchtigen Arbeiten auf eine andere Grundstückshälfte zu verlegen. „Dem kam er unseres Wissens auch nach.“ Der direkte Nachbar bestätigt das. „Es ist jetzt besser geworden.“ Grundsätzlich seien in dem Bereich derlei Arbeiten in gewissem Umfang erlaubt, so das Landratsamt. Ob eine gewerbliche Nutzung erfolge, hat die Behörde beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen angefragt. Eine Antwort hierzu stehe noch aus.

Die Nichte des Hofeigentümers beteuert: „Das ist alles für den Eigenbedarf. Weil das ganze Haus mit Holz geheizt wird.“ Es handle sich um geschenktes Holz. Der Mann, der ihrem Cousin helfe, sei ein alter Freund. Gegenüber unserer Zeitung möchte sich der Unternehmer – der ein Gewerbe für Holzfällungen betreibt – nicht dazu äußern. Der direkte Nachbar protestiert. „Das ist in dem Umfang kein Eigenbedarf.“

In den Augen der Nichte sind die jüngsten Beschwerden eine „Racheaktion“ des Betreuers. „Es wurmt ihn“, dass die Familie versuche, dessen Einfluss auszubremsen. Die Vorgeschichte ist kompliziert: Wie berichtet, kochte der Konflikt 2019 hoch, nachdem der Betreuer sich für die Möglichkeit eingesetzt hatte, den alten Hof abzureißen und Baurecht für Doppelhäuser zu schaffen. Der Gemeinderat beschäftigte sich mit einer entsprechenden Bebauungsplanänderung, die das Mischgebiet mit landwirtschaftlicher Fläche in ein reines Wohngebiet umwandelt. Diese Änderung ist laut Wöhr inzwischen rechtskräftig. Die Familie aber will den Abriss verhindern, betont die Nichte. Das sei auch im Sinne ihres Onkels. Es bestehe keinerlei Bedarf für eine Veränderung.

Der Betreuer streitet es ab, gegen die Interessen des Hofbesitzers zu handeln. „Ich habe für dessen Sohn gekämpft“, beteuert er. Schließlich sei der Hof baufällig. Die Bebauungsplanänderung sei eine Wertsteigerung des Anwesens, ein Teil könnte später verkauft, der andere selbst von dem Sohn genutzt werden. „Ich verfolge hier keine persönlichen Interessen.“ Sein Einfluss sei ohnehin begrenzt, müsse er doch vieles mit Landratsamt und dem für Betreuungssachen zuständigen Amtsgericht abstimmen. Es gebe von Seiten der Familie Versuche, ihn als Betreuer abzusetzen. Er aber will weitermachen. „Mein Ziel ist es, dem Sohn eine gesicherte Heimat zu schaffen.“

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