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Seit 40 Jahren sitzt Werner Flügel (2.v.r.) am Stammtisch des Bartewirts in Kreuzstraße. Mit dem namensgebenden, ehemaligen Wirt Max Aichler (l.) verbindet ihn von Anfang eine Freundschaft.

Unterföhringer kommt seit 40 Jahren in den Bartewirt

Per Zufall an den Stammtisch

Kreuzstraße – Woche für Woche sitzt Werner Flügel im Bartewirt am Stammtisch - und das seit 40 Jahren. Hier fühlt er sich wohl. Der Zufall war es, der ihn zu seinem Glück brachte. 

Woche für Woche sitzt Werner Flügel im Bartewirt am Stammtisch. So weit so gut. Doch der 71-Jährige wohnt nicht einfach ein paar Straßen weiter oder im Nachbarort. Nein, Woche für Woche setzte er sich erst ins Auto, dann in die S-Bahn und nun in ein Taxi, um von seinem Wohnort Unterföhring zu seinem Stammtisch in Kreuzstraße zu kommen. Begonnen hatte es zufällig 1976. Jetzt feierte Flügel sein Stammtischjubiläum. 

Flügel, ein gepflegter Mann in Hemd und Stoffhose, ist seit 40 Jahren festes Mitglied am Stammtisch. Seit jenem Donnerstag, als er mit einigen Freunden von einer Wanderung nach Fentbach zurückkam, ihnen die S-Bahn in Kreuzstraße vor der Nase wegfuhr und sie nach einer Einkehrmöglichkeit in der Nähe des Bahnhofs suchten. „Wir fragten den Eisenbahner, ob er einen Tipp hätte, wo wir einkehren könnten. Und er zeigte uns den Weg zum Bartewirt“, erinnert sich der Rentner. 

Die Wandertruppe ging hin und nahm Platz. „Ich habe die Speisenkarte durchgelesen und gesehen, dass ein Brotzeitbrettl drei Mark kostete. Da dachte ich mir: Das wird schon nix Gscheits sein. Wahrscheinlich ein Radl Wurst und eine Scheibe Käse.“ Aus Neugier bestellte er das Brettl doch, und die Überraschung war groß: Eine Hühnerkeule, eine Regensburger, ein Stück Bergkäse und eine Essiggurke schmeckten dem Wanderer nur zu köstlich. „Dazu war die Bedienung, die Helga aus Augsburg, sehr nett. Später kamen noch Musiker. Es war ein herrlicher Abend“, sagt Flügel, der als Einkäufer bei einer Versicherung gearbeitet hat und heute seinen Ruhestand genießt. 

Der damalige Wirt Max Aichler, der wegen seines Rauschebartes auch Namensgeber des Gasthauses war, war dem Mann aus der Stadt gleich sympathisch. „Es war so nett, wir wollten gar nicht gehen.“ Nur im Laufschritt erreichte die Wandergruppe an diesem Abend noch die letzte S-Bahn nach München. Und weil es Flügel so gut gefallen hatte, kam er gleich in der nächsten und übernächsten Woche wieder in die Wirtschaft in Kreuzstraße. „Ich wurde nicht enttäuscht. Jedes Mal spielten Musiker. Die Stimmung war einfach griabig, und das Essen jedes Mal köstlich.“ 

Es kam, wie es kommen musste: Er wurde Mitglied beim Stammtisch und freundete sich mit Max und Hilde Aichler an. „Die Hilde hat so gut gekocht, dass ich sie jetzt zu meiner Jubiläumsfeier eingeladen haben.“ Dass einige Männer der Meinung waren, Frauen hätten an einem Stammtisch nichts zu suchen, stört den 71-Jährigen nicht. „Die Hilde gehörte doch dazu. Sie hat uns alle über Jahre hinweg so gut versorgt.“ Zu seinem Stammtischjubiläum hat er noch weitere 14 Mitglieder eingeladen, die Kern-Stammtischler. Weil es derzeit keine Musikanten gibt, die sich im Bartewirt treffen, sorgte Flügel selbst für musikalische Untermalung. „Ich habe sieben Musiker der Argeter Blaskapelle engagiert. Dazu gab es Brotzeit. Ein sehr schöner Abend.“ 

Im Laufe der vielen Jahrzehnte am Stammtisch hat Flügel fünf Wirte erlebt. Mit den jetzigen Wirtsleuten Peter und Alexandra Kremer, die den Bartewirt im Frühjahr übernommen haben, ist der Stammtisch-Oldie zufrieden. „Das Essen schmeckt, die Wirtsleute sind sehr nett. Jetzt fehlt nur noch die Musik.“ 

Wenn das Wetter wieder besser und der Biergarten geöffnet ist, wird sich Flügel auf eigene Kosten um Musik kümmern. „Unser neuer Wirt kommt aus Hessen und ist mit unserer Tradition noch nicht so recht vertraut. Eine gute Wirtshausmusik gehört einfach dazu. Wenn er das erst mal erlebt, ist er sicher überzeugt.“ 

Wenn man von dem Wirtewechsel absieht, hat sich über die 40 Jahre nicht viel geändert, sagt Flügel. „Wir kommen zum Ratschen und Essen, daran ändert sich nichts.“ Geändert hat sich allerdings Flügels Anfahrt bis zur Kreuzstraße. Früher fuhr er mit dem eigenen Auto, später nutzte er die S-Bahn. Seit das krankheitsbedingt nicht mehr so gut geht, greift er sogar tief in die Tasche und lässt sich mit dem Taxi fahren, hin und zurück. Die Fahrt kostet einfach rund 65 Euro. Ein teurer Abend also, rechnet man noch das Essen und ein leichtes Weißbier dazu. Aber der 71-Jährige nimmt Kosten und Strapazen gern in Kauf: „Das muss sein, den Stammtisch gebe ich nicht auf.“

Kathrin Suda

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