40 Jahre Sänger- und Musikantentreffen

"Die Musik muss echt bleiben"

Wörnsmühl - Zum 40. Mal haben sich in diesem Jahr viele Sänger- und Musikanten im Gasthaus Nägele in Wörnsmühl getroffen. Für Organisator Ulrich März war es ein ganz besonderes Fest.

Das Gasthaus Nägele in Wörnsmühl kann als die Wiege der echten alpenländischen Volksmusik bezeichnet werden. Hier gibt es eine lange Geschichte der Wirtshaussingen, und hier findet alljährlich eines der schönsten Herbstsingen im Oberland statt. Heuer trafen sich zum 40. Mal renommierte Sänger und Musiker der alpenländischen Volksmusik im vollbesetzten Saal mit begeistertem Publikum. Und zum 40. Mal hat der Leitzachtaler Ulrich März das Herbsttreffen organisiert. Ein Jahrestag, zu dem ihm Landrat Jakob Kreidl höchstpersönlich gratulierte.

Musikanten vom Chiemgau, dem Oberland und aus Niederbayern boten ein gut ausgewähltes Programm mit Liedern zum Abschied vom Sommer. Allein die Namen der Musikanten garantieren echte und unverfälschte Volksmusik. Die bekannten Riederinger Sänger, die Weinberg Zithermusi oder die Neukirchner Sängerinnen waren zu Gast. Die Flintsbacher Saitenbläser sind noch eine junge Gruppe, die fröhlich leicht musizierte, das Harfentrio Fischer-Schauer aus Frasdorf riss temperamentvoll mit und erstaunte ob der Vehemenz, mit der eine Harfe bespielt werden kann. Allerdings ist der erste Harfenist, Johannes Fischer, Harfenbauer von Beruf. Da dürfte er wohl wissen, welche Belastung das Saitenspiel aushält.

Die Deggendorfer Brotzeitmusi sorgte für den etwas anderen Takt, denn die Niederbayern haben mehr niederbayerische, oberpfälzische und böhmische Wirtshauslieder im Repertoire. Sie setzen auch neu entdeckte, alte Instrumente wie die Drehleier oder den Böhmischen Bock ein. Dies ist ein Dudelsack, der mit Blasebalg bespielt wird und ursprünglich zwischen dem Bayerischen Wald, Böhmen und dem Alpenraum verbreitet war. „Wir haben erst in den letzten Jahren diese Art Dudelsack in Tschechien wieder entdeckt und zu uns geholt“, erklärt Helmut Kurz, Kopf der Brotzeitmusi.  Bereits Leopold Mozart, der Vater von Wolfgang Amadeus, hatte eine „Messe für Böhmischen Bock mit Orchester“ komponiert. Das ist zwar eine Information am Rande, aber doch ein Symbol für das Außergewöhnliche des Musikantentreffs in Wörnsmühl – man ist rückverbunden in der Musik.

Organisator März achtet zudem penibel darauf, dass zu dem Treffen Musikanten kommen, denen die Unverfälschtheit der Musik wichtig ist. Weder Mikrophone noch Verstärker kommen ihm ins Haus: „Es muss echt bleiben.“

Als März vor 40 Jahren das erste Sänger und Musikantentreffen ins Leben rief, hatte er sich von Sepp Sontheim animieren lassen. Der Musiker aus Miesbach prägte viele der heute bekannten Gesangsgruppen. Er und die anderen legendären Hüter der Volksmusik wie der Kiem Pauli (1882- 1960) oder Tobi Reiser (1907-1974) gingen im Gasthaus Nägele aus und ein. Musik und Singen gehörte selbstverständlich ins Haus, bis diese Tradition in den 1960/70er Jahren fast ausstarb. „Am Anfang war’s schwer“, erinnert sich März. „Damals musste ich die Gruppen betteln, dass sie auftreten. Heute hab ich da keine Probleme mehr.“

Finanzielle Herausforderungen hat unterdessen Schirmherr Sepp Schönbauer umschiffen geholfen. So ist über die Jahre das Musikantentreffen zu einer hochkarätigen Veranstaltung herangewachsen, die tiefverwurzelt im Leitzachtal ist, aber weit darüber hinaus bekannt ist. Ein Verdienst, das dem großen Organisationstalent von Ulrich März und vor allem seiner Liebe zur Volksmusik zu verdanken ist.

Sonja Still

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schliersee: Jugendliche randalieren in Vitaltherme und legen Feuer
Schock in der Vitaltherme Schliersee: Ein Mitarbeiter entdeckte starken Rauch, der aus einem Kellerraum drang. Die Feuerwehr evakuierte das Gebäude.  
Schliersee: Jugendliche randalieren in Vitaltherme und legen Feuer
Schuppen in Waldstück steht in Flammen: Bilder von der Katastrophe
In einem Waldstück bei Hundham brannte am Donnerstagabend (16. Dezember) ein Schuppen nieder. Bei den Löscharbeiten wurde ein Feuerwehrmann verletzt.
Schuppen in Waldstück steht in Flammen: Bilder von der Katastrophe
Fischbachau: nächtlicher Brand in Schuppen: Oldtimer total zerstört
In einem Waldstück bei Hundham brannte am Donnerstagabend (16. Januar) ein Schuppen nieder. Bei den Löscharbeiten wurde ein Feuerwehrmann verletzt. 
Fischbachau: nächtlicher Brand in Schuppen: Oldtimer total zerstört
Miesbacher prangert Verkehrschaos am Skigebiet Spitzingsee an - Anwohnerin zeigt sich geschockt
Strahlende Sonne, guter Schnee: Am Montag zog es tausende Wintersportler in Richtung Spitzingsee. Miesbacher Thomas Griesbeck filmte den Stau - und landet einen …
Miesbacher prangert Verkehrschaos am Skigebiet Spitzingsee an - Anwohnerin zeigt sich geschockt

Kommentare